Großbrand in Erfurt: Feuerwehr verliert Zeit wegen zugeparkter Straßen

Erfurt.  Bei einem Dachstuhlbrand in Erfurt wurde ein Mann schwer verletzt. Die Feuerwehr verliert wichtige Zeit, weil Straßenkurven zugeparkt waren.

Die Brandbekämpfer müssen von oben über die Drehleiter löschen.

Die Brandbekämpfer müssen von oben über die Drehleiter löschen.

Foto: Michael Keller

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Gespenstisch wirkt die Rembrandstraße am frühen Abend. Im Dunkeln blitzen Blaulichter, die Straße ist mit Feuerwehreinsatzfahrzeugen zugestellt, Schläuche liegen zuhauf auf dem Kopfsteinpflaster, in einem Vorgarten schießen dünne Wasserfontänen aus einem Schlauchleck, daneben liegt ein verkohlter Holzhocker. Rund 50 Kameraden der beiden Hauptwachen der Erfurter Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehren Dittelstedt, Büßleben und Hochheim kämpfen gegen einen tückischen Dachgeschossbrand, der am Freitagnachmittag im Haus Nr. 16 ausgebrochen war.

„Punkt 14.30 Uhr kam der Alarm“, sagt Torsten Hinsche, der Sprecher der Erfurter Berufsfeuerwehr. Als die Kameraden eintrafen, fanden sie eine dramatische Situation vor. Ein Mann, Mitte 30 wird er geschätzt, saß auf dem Dach des heftig qualmenden Hauses und hatte bereits heftige Brandverletzungen. Zudem muss er längere Zeit dem hochtoxischen Brandrauch ausgesetzt gewesen sein. Er wurde mit der Drehleiter geborgen und ins Helios Klinikum gebracht. Dort stellten sich seine Brandverletzungen als so schwer heraus, dass man ihn sofort nach Halle/Saale in das dortige Schwerbrandverletzen-Zentrum transportierte. Er habe, so Hinsche, auf jeden Fall lebensbedrohliche Verletzungen erlitten.

Brandermittlung sehr schwierig

Während der Löscheinsatz lief, kam die Frau des verletzten Mannes mit einem kleinen Kind nach Hause. Sie wurde sofort betreut dann anderweitig untergebracht. Von ihr sei zu erfahren gewesen, dass ihr Mann im Dachgeschoss geschlafen haben soll. Was den Brand letztlich ausgelöst hat, war auch am späten Abend unklar. Brandermittler der Kriminalpolizei waren vor Ort, konnten aber nicht viel ausrichten. Auch zwei Stunden nach dem Alarm war das Haus nicht zu betreten. Das mache die Brandermittlung sehr schwierig, erklärte Einsatzleiter Andreas Rogge. Keiner darf ins qualmende Haus.

Die Berufsfeuerwehr versuchte über die große Drehleiter, den qualmenden Dachstuhl abzureißen. Zeitgleich wurde gelöscht. Das große Problem für die Brandbekämpfung bestand darin, dass man aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht mit Löschtechnik hinter das Haus gelangen konnte.

Für solche Situationen hat die Berufsfeuerwehr eine Knick-Drehleiter. Mit ihr gelangten die Brandbekämpfer so über das Dach, um auf der Rückseite zu löschen. Jedoch nur von außen, nach der so genannten „amerikanischen Löschmethode“, bei der versucht wird, Wasser von außen ins Gebäudeinnere zu bringen, wie Einsatzleiter Andreas Rogge erklärt.

Auch Nachbarhäuser stark in Mitleidenschaft gezogen

Auch die sich unmittelbar anschließenden Nachbarhäuser Nr. 15 und Nr. 17 wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Dachgeschoss durch den Brand, darunter durch das Löschwasser. Unklar ist, ob sie noch bewohnbar sind. Um sicher zu sein, dass sich keine Brandnester dorthin durchfressen, wurden Brandwachen für die Nacht postiert.

Auf der Straße stehen derweil Nachbarn inmitten der bizarren Szenerie und schauen betroffen. Eine fürsorgliche Dame reicht den Feuerwehrleuten als kleines Dankeschön selbst gebackene Plätzchen, eine andere Nachbarin bietet Kaffee an. Gegen 17.30 Uhr wird die Drehleiter eingefahren, die zwei Kameraden, die oben, über dem Brandherd gearbeitet haben, um die Dachstuhltrümmer abzureißen, wirken erschöpft.

Einsatzleiter Rogge muss noch etwas loswerden. „Wir haben wertvolle Zeit verloren, hatten minutenlang kein Wasser“, weil die Kurven in der engstraßigen Gegend zugeparkt waren und die großen Einsatzfahrzeuge nicht vorbei kamen.

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