Stadtmuseum Erfurt: Visionär prägt Pharmazie bis heute

Erfurt.  Neue Sonderausstellung zu Johann Bartholomäus Trommsdorff im Erfurter Stadtmuseum.

Gudrun Noll-Reinhardt erklärte die einzelnen Exponate, hier beispielsweise den Toilettenkasten der Kaiserin Joséphine de Beauharnais. Die Sonderausstellung ist in sechs Bereiche gegliedert, die Trommsdorffs Lebens- und Arbeitsweg nachzeichnen und seine Bedeutung für die moderne Pharmaindustrie.

Gudrun Noll-Reinhardt erklärte die einzelnen Exponate, hier beispielsweise den Toilettenkasten der Kaiserin Joséphine de Beauharnais. Die Sonderausstellung ist in sechs Bereiche gegliedert, die Trommsdorffs Lebens- und Arbeitsweg nachzeichnen und seine Bedeutung für die moderne Pharmaindustrie.

Foto: Anja Derowski

Mit einer neuen Sonderausstellung startet das Stadtmuseum in den November - und ist ab Montag wieder geschlossen. Alle Thüringer Museen müssen nach der am Montag in Kraft tretenden Landesverordnung bis Ende November geschlossen werden.

Die Schau „Wer war Johann B?“ wurde aus Anlass des 250. Geburtstags des Erfurter Apothekers und Pharmazeuten Johann Bartholomäus Trommsdorff konzipiert. Sie ist die „wichtigste historische Ausstellung des Jahres“, sagte Erfurts Kulturbeigeordneter Tobias Knoblich während der Eröffnung am Freitag.

Über ein Jahr Arbeit des Stadtmuseumsteams sowie externer Fachleute stecke darin. 50.000 Euro hat sich die Stadtverwaltung Schau kosten lassen. Auch zahlreiche Spenden- und Sponsorengelder sind geflossen.„Etwa 70 Prozent der Exponate stammen aus dem Familienarchiv Trommsdorff, wir sind der Familie sehr dankbar“, sagte Gudrun Noll-Reinhardt vom Stadtmuseum. Bilder, Gemälde, Zeugnisse - die Sammlung sei sehr vielseitig.

Wer nun meint, die Ausstellung sei eine bloße Aneinanderreihung von Exponaten, der irrt gewaltig. Vitrinen, Hörstücke, Filme, Karten, Reagenzgläser, Mikroskope, Diagramme, Fotos ordnen sich nicht nur chronologisch, sondern auch nach Schwerpunkten des Wissenschaftlers. Sein Leben als Apotheker und Familienvorstand wird ebenso dargestellt wie sein Wirken als Lehrer, Netzwerker, Fabrikant, Kaufmann, Visionär und Weltverbesserer

.„Die Ausstellung sieht richtig wertig aus“, freut sich Hardy Eidam. Mit ihr werden auch die überarbeiteten Ausstellungsräume im zweiten Stock des „Haus zum Stockfisch“ in der Johannesstraße 169 eingeweiht. Vor allem eine moderne Klimaanlage sticht heraus, die für eine konstante Temperatur von 22 Grad Celsius sorgt. So werden die zum Teil sehr wertvollen Originale geschützt. „Wir sind nun ertüchtigt, weitere gute Sonderausstellungen durchzuführen“, meint Hardy Eidam.

An den Vorbereitungen wirkte auch das Bildungswerk für Gesundheitsberufe mit. Vergleiche zwischen der damaligen Pharmazeutenausbildung und der heutigen werden gezogen, ein Foto entstand just einen Tag vor dem ersten Lockdown im März an der Schule. „Eigentlich war geplant“, so erzählt Lehrerin und Apothekerin Gabriele Humann, „dass unsere Schüler andere jüngere Erfurter Schüler durch die Ausstellung begleiten, auch etwas mit ihnen herstellen“. Das müsse nun verschoben werden auf die Zeit nach der Pandemie.

Die Ausstellung ist bis Ende Mai 2021 geöffnet.