Steinbrück auf Fachkongress in Erfurt: Energiewende in Gefahr

Erfurt  Auf dem zweitägigen Fachkongress zu Speichertechnologien in Erfurt fordert der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den Abbau klimaschädlicher Subventionen.

Deutschland muss die Ärmel aufkrempeln, um beim Klimaschutz international nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, warnte der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in seiner Rede auf der Erfurter Messe.

Deutschland muss die Ärmel aufkrempeln, um beim Klimaschutz international nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, warnte der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in seiner Rede auf der Erfurter Messe.

Foto: Sascha Fromm

Ohne ein Umsteuern der Politik und ein Umdenken der Verbraucher droht die Energiewende in Deutschland zu scheitern. Davor warnte der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) gestern in Erfurt. „Man hat mir die Frage gestellt, ob die Energiewende zu scheitern drohe. Meine Antwort lautet, Ja. Danke für ihre Aufmerksamkeit und Zeit für die Kaffeepause“, eröffnete Steinbrück seinen Vortrag.

Er nahm sich dann aber doch die Zeit, seine Ansichten zu erläutern. Demnach versäumt es die Politik in Deutschland bislang völlig klimaschädliche Subventionen zu streichen. Man traue sich weder an die Pendlerpauschale noch an das Dieselprivileg, kritisierte Steinbrück.

Obwohl allein im Zeitraum von 20013 bis 2018 rund 160 Milliarden Euro in die Energieende investierte wurden, habe Deutschland seine Vorreiterrolle beim Klimaschutz verloren, so der frühere Bundesminister. Es gebe hier ein „krasses Missverhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis“.

Angesichts von Expertenschätzungen, wonach bis 2025 weitere 370 Milliarden Euro aufgewandt werden müssen, sprach Steinbrück von einer irrsinnigen Umverteilung von Geldern. „Das Instrument EEG-Umlage ist komplett außer Kontrolle geraten“, so Steinbrück.

Die Politik habe den Kohleausstieg beschlossen, gleichzeitig stagniere aber der Ausbau der Windenergie. Die gesellschaftliche Akzeptanz habe nachgelassen, die Genehmigungsverfahren für ein Windrad können sich über 900 Tage hinziehen und statt der notwendigen 7000 Kilometer neuer Starkstromleitungen seien gerade einmal 1100 Kilometer gebaut worden.

Steinbrück forderte eine konsequente Bepreisung von Kohlendioxid als Steuer oder als Zertifikate. Zudem müssten die Windenergie ausgebaut und lokale und regionale Lösungen - etwa bei Stadtwerken - gefördert werden. Auch neue Speicherkapazitäten seien für die Energiewende unerlässlich, gratulierte er den Veranstaltern des Fachkongresses zu diesem Thema auf der Erfurter Messe zur bestmöglichen Wahl des Zeitpunktes.

150 Wissenschaftler, Unternehmer und Politiker diskutieren noch bis Dienstagabend auf der ersten Auflage eines Fachkongresses über die verschiedenen Speichertechnologien und aktuelle Entwicklungen.

Mitteldeutschland sei bei diesem Thema sehr gut aufgestellt, zeigte sich Michel Stelter vom Institut für Keramische Technologien in Hermsdorf überzeugt. Vor allem an einer Achse entlang der Autobahn 4 seien Firmen und Forschungseinrichtungen angesiedelt, die die gesamte Wertschöpfungskette in diesem Bereich abbilden, so Stelter.

„Starres Korsett“ an Regulierungen in Deutschlands Energiepolitik

Die „hohe Kompetenz“ bei der Speicherung von Energie in Thüringen, habe den Ausschlag gegeben, eine solche Veranstaltung in Erfurt ins Leben zu rufen, erklärte Messechef Michael Kynast. In Hermsdorf und Jena werde an neuen Batterien geforscht, von den Toren von Erfurt errichte ein chinesisches Unternehmen eine Fabrik für Elektroautobatterien.

Speichertechnologien seien das „Nadelöhr der Energiewende“, zeigte sich Umweltstaatssekretär Olaf Möller (Grüne) überzeugt. Thüringen verfüge bereits über viel Kapazität durch Pumpspeicherwerke, die allerdings aktuell von der Politik ausgebremst würden, kritisierte Möller ein zu „starres Korsett“ an Regulierungen in Deutschlands Energiepolitik.

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