TecArt Black Dragons: Mehr als eine Nummer

Erfurt  Eishockey, Oberliga Nord: Trotz zweier Niederlagen zum Saisonstart zeigen die Black Dragons gestiegenes Potenzial – und der Nachwuchs ist stolz.

Crash der beiden Besten: Hier vergibt Erfurts Rückkehrer Sean Fischer (in Schwarz) eine gute Chance im letzten Drittel. Er war Erfurts stärkster Spieler – scheiterte aber wie einige andere am hier helmlosen Herner Goalie Björn Linda.

Crash der beiden Besten: Hier vergibt Erfurts Rückkehrer Sean Fischer (in Schwarz) eine gute Chance im letzten Drittel. Er war Erfurts stärkster Spieler – scheiterte aber wie einige andere am hier helmlosen Herner Goalie Björn Linda.

Foto: Sascha Fromm

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Über 40 Spiele lang war Enzo Herrschaft ein Namenloser. Wie die anderen Youngster im Männerteam der Black Dragons trug er in der Hauptrunde der vergangenen Saison in der Eishockey-Oberliga Nord zwar eine Nummer auf dem Rücken, aber nicht seinen Namen. „Klar ist ein Trikot mit dem eigenen Namen einfach cooler, aber für uns war es auch ein Ansporn, dass wir die Namen schon kriegen, wenn wir Leistung bringen“, so der 19-jährige Stürmer. Genau das bezweckte Henry Tews, sportlicher Leiter des EHC Erfurt. Die Namenlosigkeit der Talente im Oberliga-Kader war sozusagen eine gezielte Erziehungsmaßnahme.

Nun, da sie sich ihre Sporen verdient haben, gehen sie in ihre erste Saison mit Namen auf den Trikots. Und Herrschaft verschwendete am Freitagabend beim Saisonstart seiner Drachen bei den Hannover Scorpions nicht viel Zeit, um sich auch sportlich einen Namen zu machen: Nach Querpass von Paul Klein netzte er per Rückhand zur 2:0-Führung nach zwölf Minuten ein – zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag. „Ich habe mich mega gefreut, gleich im ersten Spiel gegen so einen starken Gegner zu treffen“, so der Torschütze. Er möchte sich weiter im Team etablieren und sieht die Erfurter Mannschaft – auch wenn sie am Freitag noch 3:5 verlor – wie Trainer Fred Carroll stärker als in der Vorsaison: „Mit diesem Team können wir einige Überraschungen schaffen und wollen in die Playoffs.“

Insofern war das Heimspiel gestern Nachmittag gegen den Herner EV – wie die Scorpions einer der Mitfavoriten auf den Staffelsieg – der zweite Gradmesser dafür, ob der Optimismus der Drachen auf einem soliden Fundament fußt. Kurz nach um sechs durfte man konstatieren: Vom Ergebnis (1:4) her noch nicht, spielerisch durchaus.

Gleich nach gut einer Minute zahlte es sich für Hernes Torwart Björn Linda aus, dass er vor Spielbeginn in innigem Ritual seine Maske küsste: Bärenstark parierte er in kurzer Folge gegen Fischer, Keil und Herrschaft – und hatte Glück, dass Weise einen Abpraller nicht richtig traf. Der Start gehörte eindeutig den Drachen. Im Erfurter Powerplay konnte Weise einen der Top-Goalies der Oberliga erneut nicht überwinden (5.). Herne schaffte es in den ersten zehn Minuten nicht ansatzweise, sein Angriffsspiel aufzuziehen – und bezwang sich dann selbst: Herrschafts scharfe Eingabe lenkte wohl ein Gästeverteidiger ins eigene Netz, auch wenn mit Denner ein Erfurter Talent als Torschütze ausgerufen wurde (1:0/11.). Die Gastgeber bestachen mit Zweikampfhärte, Esprit und Ideenreichtum. Als es in einer weiteren Unterzahl eng wurde, konnte sich der EHC ebenfalls auf seinen Rückhalt verlassen: Roßberg wehrte Marsalls Versuch aus Nahdistanz glänzend mit dem Schoner ab (18.).

Wie oft in der Vorsaison Schwäche im Mitteldrittel

Der zu diesem Zeitpunkt unverdiente Ausgleich der Niedersachsen entstand aus einem ähnliche Kuddelmuddel wie beim 1:0. Die Scheibe prallte von mehreren Beinen ab und landete auf dem Schläger von Fominych, der Roßberg aus spitzem Winkel überwand (24.). Als dann EHC-Kapitän Schümann ein technischer Fehler unterlief und Liesegang den Konter zum 1:2 nutzte (28.), fühlte man sich an so manches Heimspiel der vergangenen Saison erinnert, als die Drachen aus furiosen ersten Dritteln zu wenig machten und im Mittelabschnitt meistens die Quittung kassierten. Tatsächlich waren ihnen der Dampf und die spielerische Linie etwas verloren gegangen, Roßberg musste gar zweimal das 1:3 verhindern (30., 32.). Per Rückhandschuss gelang Marsall gegen die in dieser Phase ganz schwach verteidigenden Erfurter der dritte Treffer für Herne (33.). Mit schöner Einzelaktion setzte Kostourek mal einen Akzent (36.) – es war die erste klare Torszene des Carroll-Teams im Mitteldrittel. In Unterzahl hatte Schümann das 2:3 auf der Kelle, scheiterte aber am glänzenden Linda (40.). Zumindest waren die Drachen nun wieder besser im Spiel und machten ihren Fans Hoffnung für den Schlussabschnitt.

In den mussten sie aber nach Strafzeiten in doppelter Unterzahl starten. Diese überstanden sie, fanden aber nach wie vor die Form des ersten Drittels nicht so recht wieder. So verrannen die Minuten, ohne dass sich am Spielstand etwas änderte. Klare Chancen gab es wenige, und wenn, dann war da noch „Hexer“ Linda im Weg, wie bei Schüppings Versuch aus Nahdistanz (52.). Routiniert verwaltete der Favorit seinen Vorsprung, unterstützt von Erfurtern, die sich immer wieder mit unnötigen Strafzeiten schwächten. Per Konter traf Calabrese sogar noch zum 1:4-Endstand ins verwaiste EHC-Tor (59.).

Die Drachen zeigten dennoch, dass sie in der Oberliga Nord mehr sein können als eine Nummer. Enzo Herrschaft und seine Nachwuchsriege sind das jetzt ohnehin.

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