Thüringens erste Bahnhofsmission benötigt dringend einen Raum

Erfurt  Ehrenamtliche sind da, doch es fehlt ein Ort am Bahnhof in Erfurt. Verein präsentiert sich am Sonntag zur Bistumswallfahrt

Auch diese zwei Mitglieder der Freiwilligen-Initiative Bahnhofsmission Erfurt sind regelmäßig am Bahnhof im Einsatz.

Auch diese zwei Mitglieder der Freiwilligen-Initiative Bahnhofsmission Erfurt sind regelmäßig am Bahnhof im Einsatz.

Foto: H. Schönemann

Die Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission Erfurt stecken in der Klemme. Sie sind bereit, wollen helfen, ließen sich schulen – aber finden keinen geeigneten Raum.

„Leider hat die Bahnhofsmission immer noch keinen Raum im Bahnhof oder in der unmittelbaren Nähe“, sagt der Verantwortliche, Hubertus Schönemann. Ein Raum, den die Arbeitsloseninitiative Talisa bisher in der Bahnhofstraße zur Verfügung gestellt hatte, konnte zwar als Ablage genutzt werden, „ist aber als ‚Lokal‘ einer Bahnhofsmission nicht geeignet“, meint er. Da Talisa umziehen werde, stehe der Raum bald nicht mehr zur Verfügung. Hubertus Schönemann betont: „Es zeigt sich immer mehr, dass als Präsenzort, als Rückzugsraum und für ein Glas Wasser, ein Gespräch für Gäste der Bahnhofsmission eine Räumlichkeit vonnöten ist.“

DB-Sprecherin Erika Poschke-Frost erklärte im Juni: „Wenn sich Träger an die Bahn wenden, weil sie eine Bahnhofsmission eröffnen möchten, müssen Räumlichkeiten vorhanden sein.“ Die Initiative müsse grundsätzlich von extern kommen. Kontakt zum Bahnhofsmanagement haben Hubertus Schönemann und seine Mitstreiter bereits längst aufgenommen, allerdings bisher mit wenig Erfolg. Die Initiativgruppe „Engel am Zug“ ist sei fast zwei Jahren regelmäßig am Bahnhof präsent. Zudem führten die Ehrenamtlichen viele Gespräche mit Bahn, Rat und Stadtverwaltung sowie kirchlichen Wohlfahrtsverbänden und der Bundesebene der Bahnhofsmission. Am 25. Mai leistete die Gruppe erstmalig begleitenden Dienst im Rahmen des Evangelischen Kirchentages, bei dem Sonderzüge nach Wittenberg fuhren.

Am 14. Juni kamen zu einem Informationsabend circa 30 Personen in das Pfarrzentrum St. Lorenz. An diesem Abend wurde der Verein Ökumenische Bahnhofsmission Erfurt gegründet. „Seit dem 23. Juni findet ein regelmäßiger Dienst der Freiwilligen jeweils freitags zwischen 14 und 18 Uhr statt“, erzählt Hubertus Schönemann erfreut. Neben Mobilitätshilfe seien vor allem Hilfestellungen zu den Vollzügen am Bahnhof gefragt. „Immer wieder ergeben sich gute Gespräche mit Reisenden, mit Menschen in prekären Lebenssituationen und den Menschen, die in unterschiedlichen Funktionen am Bahnhof Dienst tun.“

Die Gruppe besteht derzeit aus acht Freiwilligen, derzeit werden sechs neue Mitglieder eingearbeitet. „Es wächst also“, freut sich Hubertus Schönemann. „Vermutlich können wir bald unsere regelmäßige Dienstpräsenz auch auf Sonntag nachmittags ausweiten.“

Die evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland hat die Gemeinschaft der „Engel am Zug“ in das Programm „Erprobungsräume“ neuer Sozialgestalten von Kirche als „beispielhaftes Projekt“ aufgenommen. Damit ist auch für mehrere Jahre eine höhere Summe für Personalmittel verbunden. Derzeit laufen noch verschiedene Anträge, diese Mittel durch andere Quellen aufzustocken, um eine Person zum weiteren Aufbau des Engagements befristet zunächst mit kirchlichen Projektmitteln anzustellen.

Die Bahnhofsmission wird sich am Sonntag, 17. September, im Rahmen der Bistumswallfahrt des Bistums Erfurt auf den Kavaten am Domplatz von 11 bis 14 Uhr präsentieren.

Nähere Informationen im Internet unter www. bahnhofsmission-erfurt.de

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