Tore, Scheunen und Türen geöffnet für ersten Molsdorfer Hoftrödel

Molsdorf  Wie eine gute Idee das ganze Dorf und andere Menschen auf die Beine bringt und damit etwas für die Gemeinschaft tut

Am Molsdorfer Hoftrödel beteiligten sich 23 Höfe.

Am Molsdorfer Hoftrödel beteiligten sich 23 Höfe.

Foto: Lydia Werner

„Hier steppt ja der Bär“, freute sich eine staunende Passantin. Ungewöhnlich viele Menschen waren am Samstagmorgen zu Fuß in Molsdorf unterwegs – mit Plänen in der Hand, suchenden und prüfenden Blickes: Der erste Molsdorfer Hoftrödel war deutlich zu erkennen an den vielen weit geöffneten Toren, liebevoll dekorierten Eingängen und dem bunten Mix gebrauchter Dinge, der auf Tischen, Kleiderstangen und an Hauswänden in Szene gesetzt war. Und an den Besuchern.

Die Idee hatte Initiatorin Karin Jäger aus dem Allgäu mit nach Hause gebracht und im Förderverein zur Rettung der Schlosskirche Molsdorf vorgestellt. Prompt einigte man sich auf ein Datum und steckte Anfang des Sommers Postwurfzettel in die Briefkästen. „Als ich zum Treffen ins Bürgerhaus kam, da war die Hütte voll“, freut sich Karin Jäger immer noch über die Resonanz. Dass 23 Höfe teilnehmen wollten, überraschte sie. Die Gastronomie im Dorf ins Boot zu holen, war nicht schwierig.

Was schließlich daraus wurde und wie gut der erste Hoftrödel bei Leuten ankam, zeigte sich am Samstag. Schon lange vor 10 Uhr, dem offiziellen Stadt, war das ganze Dorf von einem Summen, Sirren und Betriebsamkeit erfüllt.

Ein ratternder Rasenmäher oder ein brummender Akkuschrauber verrieten, dass Dorfbewohner auch ihren normalen samstäglichen Tätigkeiten nachgingen. Doch die Begeisterung der Molsdorfer war zu spüren uns schwappte auch auf die Besucher über.

Der Molsdorfer Kultursommerhof war mittendrin. Ein kleines Hofcafé mit selbstgebackenem Kuchen und selbstgemachter Hoflimonade hatte Maria Meißner dort neben den Trödelständen eingerichtet. Der Hof direkt an der Hauptstraße funktionierte beim ersten Hoftrödel als Anlauf- und Begegnungsstätte. Sie war von der Idee sofort begeistert und freute sich, dass so viele Familien mitzogen. „Weil der Kultursommer so ein stetiger Erfolg geworden ist, haben sich wohl auch so viele andere bewegen lassen, für diesen Anlass ihre privaten Tore zu öffnen“, vermutete sie. Als sie das erstmals für den Kultursommer tat, sei das vielfach auf Unverständnis gestoßen. „Was? Du lässt fremde Leute rein? Wenn da was kaputtgeht“, schilderte sie Reaktionen. Kaputt sei aber höchstens mal eine Blume gegangen. „Man muss einen Vorschuss an Vertrauen aufbringen, aber für die Dorfgemeinschaft sind solche Veranstaltungen eine gute Sache“, sagt sie. Und: „Es macht ja auch Spaß, mal auszumisten.“

Nicht nur aus Erfurt kamen Neugierige und Hobby-Stöberer, sondern auch von weiter her. Familie Schwanz aus Treffurt hatte extra wegen des Hoftrödels die Fahrt angetreten. „Wir suchen uns jede Woche ein Ausflugsziel, einen Tag für uns“, sagte das Rentnerpaar. Beim Bücherstöbern waren sie erfolgreich.

Ein Nebeneffekt der offenen Hof- und Gartentore: Gartenfreunde kamen bei der Tour auch auf ihre Kosten, weil viel mehr zu sehen war als von der Straße aus. Ob der Hoftrödel wiederholt wird, soll bei einem Auswertungstreffen am 2. September geklärt werden. So gut wie es am Samstag lief, kann man sich eigentlich nur eine Fortsetzung vorstellen.