Trotz Corona: Der Intendant glaubt noch an die Domstufen-Festspiele

Erfurt.  Die Erfurter Domstufen-Festspiele stehen mit Verdis „Nabucco“ laut Intendant Guy Montavon „in den Startlöchern“.

„Der Name der Rose“ bei den Domstufen-Festspielen 2019.

„Der Name der Rose“ bei den Domstufen-Festspielen 2019.

Foto: Sascha Fromm

„Stunde um Stunde“, hat Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) diese Woche im MDR-Fernsehen erklärt, „wird immer deutlicher: In diesem Jahr wird es keine mehr geben.“ Diese Einschätzung zu mittelfristigen Folgen der Corona-Pandemie, die erklärtermaßen noch keine Ankündigung war, bezog sich auf Volksfeste und Sommerfestivals. Ramelow sprach exemplarisch von „SonneMondSterne“ mit 40.000 Besuchern an der Bleilochtalsperre und vom Rudolstadt-Festival mit täglich 25.000 Menschen an vier Sommertagen. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog.

Insgesamt 40.000 Besucher erwarten sich auch die Domstufenfestspiele: 2000 pro Abend. Der Regierungschef hat sie nicht explizit erwähnt, wie Guy Montavon auffiel. „Aber wir müssen in den nächsten Tagen Entscheidungen treffen“, sagt Erfurts Intendant, der in dieser Saison auch wieder als Domstufen-Regisseur „in den Startlöchern“ steht, für Verdis „Nabucco“.

Nach derzeitigem Stand der Dinge werden die Festspiele stattfinden, so Montavon. „Wir wollen sie unter allen berechenbaren Umständen so durchführen, wie sie geplant sind“, hatte jüngst auch Erfurts OB Andreas Bausewein (SPD) erklärt.

Im Theater sieht man das etwas anders, jedenfalls laut Personalratschef Holger Dietz: „Außer unserem Intendanten geht hier keiner davon aus, dass wir Domstufenfestspiele machen können“, erklärte er unserer Zeitung freimütig. „Alle anderen sagen: Die wird es nicht geben!“

Montavon, darauf angesprochen, hält dagegen: „Wenn der Kapitän nicht mehr dran glaubt, ist der Motivationsfaktor gleich null!“ Die Festspielplanung habe oberste Priorität.

Das ist insofern verständlich, als das Theater auf den Domstufen die Hälfte seiner Jahreseinnahmen erzielt, während die andere Hälfte aktuell nach und nach wegbröckelt. Einen Plan B hat Montavon noch nicht. Man dekliniere nur beinahe täglich Optionen durch, sagt er.

So stellte er am Donnerstag etwa vor seinem Team mal die Zuschauertribüne kurz infrage. Schließlich saß man beim Festspielvorläufer in den 1960er-Jahren auf Bierbänken.

Abwarten, so heißt Montavons Devise. Die Bregenzer Festspiele, die eine Woche nach Erfurt Verdi-Premiere mit „Rigoletto“ feiern wollen, gäben sich derzeit ja auch bis 30. Mai Zeit für eine Entscheidung.

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