„Überall ist Bildung versteckt“

Erfurt  Kita „Benjamin Blümchen“ ist eine von nur 25 Nominierten in ganz Deutschland. Hoffnung auf den Kita-Preis

Andrea Angelstein staunt über das Herbstmandala, das einige Kinder gelegt haben. Auch Mayla (m.), die gestern ihren 6. Geburtstag feierte, Aaron und Johanna (l.) waren begeistert, was man mit Kastanien, Laub und Stöckchen gestalten kann.

Andrea Angelstein staunt über das Herbstmandala, das einige Kinder gelegt haben. Auch Mayla (m.), die gestern ihren 6. Geburtstag feierte, Aaron und Johanna (l.) waren begeistert, was man mit Kastanien, Laub und Stöckchen gestalten kann.

Foto: Anja Derowski

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Erzählt Andrea Angelstein von ihren Kindern, gerät sie schnell ins Schwärmen. Ihre Kinder, das sind 41 kleine Erdenbürger, die in der Kindertagesstätte „Benjamin Blümchen“ betreut werden. Seit mehr als zehn Jahren leitet Andrea Angelstein die Awo-Einrichtung, die derzeit nicht in Schwerborn beheimatet ist, sondern am Roten Berg. Die Sanierung des Sanitärtraktes machte den Umzug im August notwendig, doch schon im Januar kann die Kita wieder nach Schwerborn zurück.

Zuvor bereits, nämlich Ende des Jahres, wird die Kita erfahren, ob sie ins Finale des Deutschen Kitapreises einziehen wird. Die Einrichtung hat sich um den Preis beworben und wurde mit 24 weiteren Kitas aus rund 1500 Bewerbungen ausgewählt. Sie ist jetzt für die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung initiierte Auszeichnung für besondere Qualität in der frühen Bildung nominiert. Zusammen mit den anderen Anwärtern kann das Erfurter Kita-Team jetzt auf einen Preis in der Kategorie „Kita des Jahres“ hoffen: Die erstplatzierte Einrichtung wird auf der Preisverleihung im Mai nächsten Jahres mit 25.000 Euro ausgezeichnet, vier Zweitplatzierte können sich über jeweils 10.000 Euro freuen. Darüber hinaus wird eine Kita mit dem Eltern-Sonderpreis geehrt. In der Kita „Benjamin Blümchen“ wird nach einem offenen Konzept gearbeitet. „Wir haben uns vor etwa fünf Jahren dazu entschieden und uns bewusst dem Kind zugewandt“, erzählt Andreas Angelstein. Die Erzieher besuchten Weiterbildungen, das Qualitätsmanagement der Arbeiterwohlfahrt unterstützt das Konzept. „Wir bringen den Kindern viel Vertrauen entgegen, stärken sie, nehmen sie ernst. Sie lernen auch zu widersprechen, zu argumentieren und Nein zu sagen“, erklärt die Kita-Leiterin. Vieles werde beim Spiel erlernt, mathematisches Wissen fließt durch alltägliche Handlungen ein, etwa beim Tisch abräumen, wenn stets zwei Tassen übereinander gestapelt werden. „Überall ist Bildung versteckt“, meint Andrea Angelstein. Die Warteliste für die Kita ist lang, die meisten Familien kommen aus Schwerborn, Stotternheim und der Sulzer Siedlung. Nicht nur das Konzept überzeugt, sondern auch die recht überschaubare Größe.

Das Team der Einrichtung darf jetzt weitere Unterlagen einreichen und seine Stärken umfassend präsentieren. Im folgenden Auswahlprozess schauen die Organisatoren gemeinsam mit Fachpartnern zum Beispiel darauf, wie die nominierte Kita die Bedürfnisse von Kindern in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt oder wie Eltern in den Einrichtungen mitwirken können. Außerdem wird beurteilt, inwiefern die ausgewählten Kita-Teams aus ihren Erfahrungen lernen und wie sie mit Institutionen aus der umliegenden Region oder aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft kooperieren, um allen Kindern die bestmöglichen Bildungsbedingungen bieten zu können.

Im Juli war die Kindertagesstätte „An der schmalen Gera“ ausgezeichnet worden. Sie belegte den zweiten Platz beim Kita-Preis. Vielleicht holt sich Erfurt nun den Preis erneut . . .

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