Überflieger aus dem Steiger bestimmen Erfurts Südeinfahrt

Erfurt  Alle mühsam erarbeiteten Pläne zum Ausbau der Erfurter Südeinfahrt haben nichts gebracht. Die Stadtverwaltung stellt jetzt den Ausbau im Bestand vor. Die Anwohner fordern allerdings weiterhin die Suche nach Alternativen.

Verkehrsdezernent Alexander Hilge, Amtsleiter Alexander Reintjes und Planer Thomas Buthig (von links) stellten den geplanten Straßenbau vor.

Verkehrsdezernent Alexander Hilge, Amtsleiter Alexander Reintjes und Planer Thomas Buthig (von links) stellten den geplanten Straßenbau vor.

Foto: Marco Schmidt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurts Bermudadreieck aus der Arndt-, der Arnstädter und der Martin-Andersen-Nexö-Straße (MAN-Straße) lässt zwar keine Schiffe verschwinden wie das Original. Aber es schluckt alle mühsam erarbeiteten Pläne zu seiner Neugestaltung.

Zuletzt machten die Überflugrouten von Fledermäusen aus dem Steiger den Plan zunichte, die Südeinfahrt durch den dreispurigen Ausbau der kleinen Arndtstraße so umzulenken, dass die Anwohner der MAN-Straße vom Verkehrslärm entlastet werden. Davon, dass die Fledermäuse und der Naturschutz diese Lösung nicht zulassen, ist zumindest die Stadtverwaltung überzeugt.

Die neue, vom Stadtrat beschlossene Planung sieht daher den Ausbau im Bestand vor. Doch dass diese Pläne am Montagabend bei einer Infoveranstaltung im Parksaal der Multifunktionsarena nur eine Nebenrolle spielen würden, obwohl sie als Hauptakt angekündigt waren, war schon vorher klar.

200 Anwohner waren gekommen, und die meisten dachten wohl wie der Sprecher der „Bürgerinitiative Südeinfahrt“, Gerold Grove. „Wir stellen die Alternativlosigkeit der Planung infrage“, betonte er. Eine unabhängige Untersuchung für andere Lösungsvarianten habe es nie gegeben. „Erst, wenn wir nachgewiesen bekommen, dass es wirklich keine Alternative gibt, können wir den Ausbau im Bestand akzeptieren“, sagte Grove. Die Erwiderung von Verkehrsdezernent Alexander Hilge (SPD) war der emotionale Höhepunkt des Abends. „Das heißt, wir sollen irgendjemanden präsentieren, der beweist, dass wir nicht geschwindelt haben“, rief er mit bebender Stimme. „Ist das unser Verständnis zwischen Bürgern, Stadtrat und Verwaltung, dass wir Sie anlügen? Die Menschen in der Verwaltung machen ihre Arbeit, und sie machen sie gut.“

Die Stadtverwaltung sei ebenfalls der Ansicht, dass der dreispurige Ausbau der Arndtstraße die beste Lösung sei. Aber die Gesetze erlaubten diese Lösung nicht, und die Stadt könne sich nicht über die Genehmigungsbehörden hinwegsetzen.

Eine Zukunfts-Variante hatte die Stadt noch untersucht. Dabei sollte die Arndtstraße parallel zum aktuellen Verlauf vom Steiger weggerückt werden und dreispurig werden. Neue Überflugbäume für die Fledermäuse sollten jenseits dieser Trasse gepflanzt und die Straße dann gebaut werden, wenn die Bäume auf die erforderliche Höhe herangewachsen wären.

Weil das Baumwachstum über 20 Jahre gedauert hätte, die Bäume aber jetzt schon die Tennisplätze einschränken würden, wurde auch diese Variante verworfen. Gedanken, eine ausgebaute Arndtstraße zu übertunneln, waren zuvor an den Kosten gescheitert – 27 Millionen Euro hätte wohl allein der Tunnel gekostet. „Alle Handlungsmöglichkeiten sind erschöpft“, meinte Hilge.

Die Skepsis der Bürger konnte er damit nicht überwinden, wie die Fragen und Stellungnahme zeigten. Stadtrat Hans Pistner machte ein bisschen Wahlkampf für die CDU. Er nannte den Ausbau im Bestand eine „städtebauliche Sünde“ und erzählte, wie er es sich als Laie nicht so recht vorstellen könne, dass das so kompliziert sein soll mit den Fledermausrouten. Über die breite MAN-Straße oder gar über die vierspurige Arnstädter Chaussee kämen die Tierchen schließlich auch hinweg. Ein anderer Bürger berichtete, dass es ja kaum noch Insekten gebe: Da sei der Einsatz für die Fledermäuse, die ja von Insekten lebten, irgendwie fraglich, deutete er an. Hermann Saitz, Anwohner und früher selbst einmal Stadtplaner, forderte ein Moratorium und eine neue Vorplanung für eine dreispurige Arndt­straße.

„Der Zustand der Straße holt uns ein“, mahnte jedoch der Tiefbauamtsleiter Alexander Reintjes. Er kündigte den Ausbau des 350 Meter langen Südabschnitts der Arnstädter Straße für 2020 an, der zunächst ohne die Kreuzungen erfolgen werde. Im Buga-Jahr 2021 passiere nichts. 2022 folge die Arndtstraße. 2023 und 2024 werde dann die MAN-Straße um- und ausgebaut. „2025 sind wir fertig“, meinte Reintjes. Die Gesamtkosten würden auf 8,8 Millionen Euro geschätzt.

Der Planer vom Büro IGS Ingenieure aus Weimar, Thomas Buthig, nannte Details: Die Arnstädter Straße erhalte auf der Westseite einen Radstreifen und auf der Ostseite einen Parkstreifen für Pkw, Taxis und Busse – die Radfahrer sollen stadteinwärts entlang des geplanten Wohngebiets der Lingel-Fläche fahren. Am Schützenhaus werde ein Kreisverkehr entstehen.

Die Arndtstraße bleibe bis zur Schützenstraße Einbahnstraße und bekomme Schutzstreifen für Radfahrer. Die MAN-Straße werde einen grünen Mittelstreifen mit Beleuchtung erhalten und so die sichere Fußgänger-Querung zum Lingel-Areal erlauben. Die Fahrspuren seien jeweils so breit, dass im Havariefall auch zwei Fahrzeuge aneinander vorbei passen würden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.