Venezianische Verwirrung in Barfüßer-Ruine

Altstadt  Die Barfüßerkirche wird für die temporeiche Komödie „Diener zweier Herren“ zu einem venezianischen Hinterhof.

Das Ensemble des Sommertheaters in der Barfüßerruine 2019 Foto: Lutz Edelhoff

Foto: Lutz Edelhoff

In einen venezianischen Hinterhof mit Orangenbäumen, Zypressen und Oleander verwandeln wird sich diesen Sommer das Schiff der Barfüßerkirche und zum Ort eines rasanten Verwirrspiels werden – mit dem Versprechen eines vergnüglichen Sommertheater-Abends. Die „Sommerkomödie Erfurt“, nun, nach dem „Sommernachtstraum“ des Vorjahres zum zweiten Mal in den Fußstapfen des „Neuen Schauspiels“, weicht von ausgetretenen Wegen ab: Kein Shakespeare-Stück soll dieses Jahr Vergnügen bereiten, sondern der „Diener zweier Herren“ nach Carlo Goldoni.

Das Regie-Duo – Fabian Hagedorn und Tim Röder – hat eine temporeiche Neufassung in Reimform gebracht und auch ansonsten von Sommertheater-Geschäftsführer Volker Nienstedt freie Hand bekommen. Neue und bekannte Gesichter wird es daher im Team der Darsteller geben, allesamt Wunschkandidaten der beiden Regisseure. Ein erstes Aufeinandertreffen aller Beteiligten, einen ersten Blick auf das von Coco Ruch gestaltete Bühnenbild-Modell und ihre Figurinen venezianisch anmutender Kostüme sowie den ersten Fototermin gab es am Dienstag – zum Probenstart.

Das Regie-Gespann kennt sich aus der Schotte, dem Erfurter Kinder- und Jugendtheater. Dort haben Fabian Hagedorn und Tim Röder selbst gespielt und schließlich 2017 „Tartuffe“ inszeniert – und Volker Nienstedt saß im Publikum. Mehr als begeistert sei er gewesen von ihrer Schauspielerführung und von ihrem Einfallsreichtum überzeugt. Die Zusammenarbeit war ausgemacht, das Stück gemeinsam schnell gefunden.

Macht ein Regie-Doppel die Inszenierung nicht doppelt schwierig? Die beiden sehen im Gegenteil große Vorteile darin, schätzen es, gemeinsam Ideen zu entwickeln und sprechen von einer „fruchtbaren“ Kombination. Dabei liege Fabians Schwerpunkt auf „Sprache“ und Tims auf „Körper“. Doch die Grenzen verwischen. Beide schätzen das Detail, wollen sich vom Spielort inspirieren lassen. Die Reime sollen den Rhythmus vorgeben. Aber auch das Straßenmusiker-Duo „Crepes Sucette“ aus Weimar wird dieses Jahr für Musik und Untermalung sorgen – und eine Rolle als Straßenmusiker bekommen.

27 Vorstellungen stehen im Plan für die Darsteller. Die, darauf legt Nienstedt wert, alle die gleiche Gage bekommen. Nur die Debütanten erhalten drei Viertel davon. Die gezahlte marktübliche Gage aber, so Nienstedt, sei für seine Akteure wohl noch nie das Hauptkriterium gewesen, in der Barfüßerruine dabei zu sein. Mehr als 200.000 Euro Produktionskosten habe das Sommertheater – und Einnahmen aus Catering, Fördermitteln, Sponsoren- und Eintrittsgeldern. „Da muss das Stück sitzen, es gibt nur einen Schuss“, spricht Nienstedt den Erfolgsdruck auf die 2017 gegründete „gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung gGmbH“ an, der auch die Stückauswahl einschränke. Experimentelles Theater komme nicht in Frage, es muss ein Publikumsmagnet sein. Das finanzielle Risiko ist sonst zu groß.

Die Stadt Erfurt beteilige sich mit einer vergünstigten Miete für die Spielstätte, mit mehr nicht. „Es gibt in dieser Stadt einen Hunger nach darstellender Kunst“, ist Nienstedt überzeugt, mit seinem professionellen Team das Richtige zu tun. All jene, die die Bresche der fehlenden Schauspielsparte füllen wollen, müssten der Stadt eigentlich mehr wert sein – weiß sich Volker Nienstedt mit dieser Einschätzung nicht allein.

Zu den Kommentaren