Verdis Monumental-Oper "Don Carlo" hat in Erfurt Premiere

Erfurt. Mit Sopranistin Ilia Papandreou und dem Dirigenten Manlio Benzi sprach Birgit Kummer über die bevorstehende Aufführung. Am Samstag ist die Premiere im Theater Erfurt.

Ilia Papandreou und Manlio Benzi am Dienstag auf der Bühne. Foto: Marco Schmidt

Foto: zgt

Schillers Drama "Don Karlos" inspirierte Giuseppe Verdi zu einem großen Opernwerk. "Don Carlo" erzählt die Geschichte der Liebe des Infanten Carlos zu Elisabeth, die seine Stiefmutter wird. Es erzählt von der Freundschaft zum Freigeist Posa, von Glaubenskrieg und Inquisition, Aufklärung und Verrat. Ein internationales Team bringt die Oper ab Samstag in Erfurt auf die Bühne. Ilia Papandreou ist Elisabeth von Valois. Bei Manlio Benzi laufen alle musikalischen Fäden zusammen.

Verdis Oper gilt als kongenial. Finden Sie das auch?

Manlio Benzi: Sie ist ein großer Wurf, monumental, sie hat eine gewaltige Bandbreite. Ursprünglich gab es fünf Akte. Die vier Akte der italienischen Fassung, die wir in Erfurt spielen, sind näher dran an Schillers Drama. Die Oper ist kompakter.

Ilia Papandreou: Die Arbeit an diesem Werk ist höchst elek­trisierend. Wir wollen es so gut wie möglich umsetzen, musikalisch und szenisch. Alle hier im Haus geben 150 Prozent.

Herr Benzi, Sie waren an vielen weltberühmten Häusern verpflichtet. Ist Ihr Erfurter Dirigat für Sie ein eher kleines Projekt?

Manlio Benzi: Im Gegenteil. Erfurt hat ein wunderbares Theater mit großem Potenzial. Anders wäre diese Oper nicht zu machen. Sie ist eine Produktion für ein Erste-Klasse-Haus. Orchester und Chor sind sehr gut, der Enthusiasmus der Kollegen ist groß. Ich war vor fünf Jahren schon einmal hier und mache jetzt die gleiche Erfahrung. Es ist großartig und befriedigend, hier zu arbeiten. Auch die Zusammenarbeit mit Stefano Poda, der Regie, Ausstattung und Licht verantwortet, ist ein Vergnügen. Er pflegt eine Kultur der Visionen. In der Stadt Erfurt fühle ich mich sowieso äußerst wohl.

Ilia Papandreou: In Erfurt ist möglich, was an großen traditionellen Häusern oft schwierig ist: mitzureden, Vorschläge zu machen. Und gemeinsam an einer Einstudierung zu arbeiten.

Auch die Bühnentechnik wird offenbar enorm gefordert?

Ilia Papandreou: Wir holen alles raus aus dem Haus, auch Podestfahrten und Bühnendrehungen.

Sie haben schon viele große Rollen gesungen. Ist Ihre erste Elisabeth eine Herausforderung?

Ilia Papandreou: Ja. Ich bin froh, dass ich mit dieser Partie in so einer erstklassigen Produktion debütieren kann. Und es hilft, dass ich bereits die Amelia in "Simon Boccanegra" gesungen habe, die ähnlich angelegt ist.

Bleiben Schillers Konfliktlinien in der Oper erhalten?

Manlio Benzi: Ja, nehmen Sie nur den König. Philipp hat Macht über alles, aber nicht über sich selbst. Er ist nicht per se böse oder gut. Er ist ein Mensch. Davon erzählt die Musik, sie geht ganz tief hinein. Verdi hat nicht nur eine Opernrolle geschrieben, er hat auch sich selbst hineingeschrieben in diese Musik.

Die Bühne sieht düster aus.

Manlio Benzi: Dunkel ist die Farbe der Musik und der Bühne. Licht steht nur für Traum, Visionen, Liebe.

Ilia Papandreou: Mein Mantel als Elisabeth wiegt fast acht Kilo. Ich bekomme kaum Luft, alles ist schwer. So wie die Rolle und die Zeit, in der das Stück spielt.

Können Sie bei der Arbeit die Musik genießen?

Ilia Papandreou: Die Musik ist meine Arbeit. An Gesangstechnik denke ich keine Sekunde. Auf der Bühne bin ich Elisabeth und ich bin Teil des Ganzen.

Manlio Benzi: Vor zehn Jahren habe ich "Don Carlo" in Italien dirigiert. Das war leider Stress, auch weil die Zeit zum Proben knapp war und ich viel zu wenig Wasser getrunken hatte. In Erfurt will ich jeden Moment genießen.

Wie lief die erste Hauptprobe?

Ilia Papandreou: Wir waren hinterher kaputt. Aber ich hatte das Gefühl, dass wir wirklich Kunst machen, eine Geschichte erzählen. Dass alles eine Einheit ist.

Zu den Kommentaren