WBG Einheit: Verfahrene Situation am Erfurter Wohnungsmarkt

Erfurt  Christian Büttner, Vorstandsvorsitzender der WBG Einheit, schlägt Alarm: Sozialverträgliche Mieten sind nicht angedacht; vielmehr werden überteuerte Eigentumswohnungen entstehen.

6000 neue Wohnungen sind für Erfurt bereits in der Planung oder in der Umsetzung.

6000 neue Wohnungen sind für Erfurt bereits in der Planung oder in der Umsetzung.

Foto: Stefan Sauer

„Es wird der Tag kommen, da werden wir wieder Wohnungen abreißen müssen.“ Dass in einigen Jahren wieder übermäßiger Leerstand droht in Erfurt, wie in den 90er-Jahren mit ihren „Masterplänen“ als Gegenmittel, davon ist Christian Büttner, Vorstandsvorsitzender der WBG Einheit, überzeugt. Denn was aktuell auf dem Wohnungsmarkt in Erfurt passiere, nennt er grundfalsch und sieht sich mit dieser Einschätzung nicht allein.

„Wachstum wird von der Politik wie ein Schild vor sich her getragen“, kritisiert er. Dabei sei der Zuzug nach Erfurt längst gestoppt und die Einwohnerzahl wieder im Sinken begriffen. Doch diese Realität lasse sich politisch „eben schlecht verkaufen“, kritisiert Christian Büttner, der von einer völlig verfahrenen Situation spricht. Denn 6000 Wohnungsneubauten sind in Erfurt in der Planung oder bereits in der Umsetzung: „Deutlich zu viele“, wie Büttner einschätzt. „Und vor allem werden diese nicht mit dem Ziel sozialverträglicher Mieten gebaut, sondern überwiegend als weit überteuerte Eigentumswohnungen“, kritisiert er. Bei Neubauten werde die Schmerzgrenze vieler, die auch bei sehr guten Lagen bei maximal 10 Euro liege, schlicht ignoriert.

Dies auch vor dem Hintergrund, dass es oftmals gering-entlohnte Beschäftigte in der Logistikbranche seien, die den Weg nach Erfurt einschlagen und hier eine Wohnung suchen würden. Hier, im unteren Segment, müsse mehr Wohnraum geschaffen werden, so Büttner. Das Baulandmodell indes, mit dem Investoren zukünftig beim Bau von Geschosswohnungen in Erfurt verpflichtet werden, 20 Prozent der Flächen für einkommensschwache Mieter vorsehen, hält der WBG-Vorstandsvorsitzende nicht für eine geeignete Lösung: „Es gibt zu viele Möglichkeiten, diese Regelung zu umgehen“, so Büttner. „Das ist nur ein Plazebo.“

Junge Familien finden in der Stadt keinen bezahlbaren Wohnraum

Wie in den 90er-Jahren habe mittlerweile wieder eine Flucht aufs Land eingesetzt: Junge Familien suchten ihre Wohnung im Umland, weil sie in der Stadt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr fänden.

„Ich habe keine Patentlösung“, sagt Büttner. Hilfreich finde er es aber, wenn die Stadt Mittel und Wege fände, dass Bauland in der Stadt zu Preisen den Besitzer wechselt, die Neubauten mit einem späteren Mietpreis von unter 10 Euro ermöglichen. „Statt stets an den Höchstbietenden zu verschachern“, müssten beispielsweise die Wohnungsbaugenossenschaften, die bereits vor Ort und erfolgreich am Markt agierten, als mögliche Partner ins Boot geholt werden. Das sei aktuell nicht der Fall. Gespräche fänden nicht statt, kritisiert er. Auch der Immobilienlotse als Kontaktperson sei nicht in Sicht und offenbar nur ein leeres Versprechen der Politik.

„Wir jedenfalls können bei aktuellen Grundstückspreisen nicht mithalten“, sagt der Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Einheit, die sich schon per WBG-Satzung zu sozial-verträglichen Mieten verpflichtet sieht.

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