Verstärkte Prävention gegen Bettwanzen gefordert

Erfurt.  Sie krabbeln herum, beißen und vermehren sich rasant schnell – Bettwanzen.

Diese Bettwanze liegt in einem Köder. Damit werden Hunde ausgebildet, die auf Suche nach den Parasiten am Flughafen gehen.

Diese Bettwanze liegt in einem Köder. Damit werden Hunde ausgebildet, die auf Suche nach den Parasiten am Flughafen gehen.

Foto: Alexander Heinl / dpa

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„Mich schüttelt es bei dem Gedanken.“ Diesen Worten eines Lesers als Reaktion auf den gestrigen Beitrag zu Bettwanzen werden viele zustimmen. Mails erreichten die Redaktion, bei Facebook wurde das Thema diskutiert. „Wahrgenommen wurde das Problem bisher nicht in der Öffentlichkeit“, sagt Christian Büttner, der Vorstandsvorsitzende der Wohnungsbaugenossenschaft Einheit.

„Das Thema Bettwanzen ist seit circa vier Jahren in unserer Genossenschaft ein sehr großes Problem“, heißt es in seinem Schreiben an die Redaktion. Viele Mieter würden den Befall nicht melden, sodass dieser größer wird und sich auf Nachbarwohnungen ausbreiten kann. Als WBG sei man auf die Kooperation des Mieters angewiesen. Muss eine Wohnung gänzlich geräumt, entwest und wieder hergerichtet werden, schlagen schnell mal 7000 bis 10.000 Euro zu Buche. „Die Bettwanzenfälle häufen sich erheblich und sind ein extrem großer Kostenfaktor bei der Bekämpfung und Prävention“, schreibt Christian Büttner. Etwa 40.000 Euro Zusatzbelastung bedeutet das für die WBG Einheit im Jahr.

Laut Experte René Koch, Chef einer Firma, die auch Schädlingsbekämpfung betreibt, müssen mehr Wohnungen von Bettwanzen als von Kakerlaken befreit werden. „Das hat nicht unbedingt was mit Unsauberkeit zu tun. Aber es ist wichtig, dass sich der Mieter kümmert. Reagiert er nachlässig, wird das Problem immens“, so der Ingenieur.

Im vergangenen Jahr hatte Christian Büttner einen Bettwanzengipfel organisiert, Großvermieter waren eingeladen worden, um über Erfahrungen und Vorgehensweisen zu sprechen. Die Reaktionen seien eher verhalten gewesen. In diesem Jahr soll es erneut einen solchen Bettwanzengipfel geben, interessierte Vermieter können sich bei Christian Büttner melden. Er sieht auch die Verwaltung in der Pflicht: „Seitens der Stadt sind wir seit Jahren zu diesem Thema auf Gleichgültigkeit und Ablehnung gestoßen. Die jeweiligen Ämter haben uns an die örtlichen Schädlingsbekämpfer verwiesen, dies war schon die ganze Hilfe“, schreibt er.

Im Rathaus sieht man das anders. Es handele sich um ein privates Unternehmen und es sei Aufgabe der Wohnungsbaugenossenschaft zu reagieren. „In privaten Haushalten haben wir keine Handhabe“, sagt Rathaussprecher Daniel Baumbach. Für öffentliche Einrichtungen wie Kitas und Schulen sind vier Hygienekontrolleure zuständig. Dort sei, so Daniel Baumbach, bisher kein Bettwanzenproblem aufgetreten.

WBG-Einheit-Chef Christian Büttner betont, dass Sozial- und Gesundheitsamt stärker tätig sein müssten, auch präventiv. „Wir haben eine fehlende Aufklärungsarbeit in der Stadt. Bettwanzen werden nicht ernst genommen, das Problem wird sich ausweiten.“ Tatsächlich gab es noch keine speziellen Infoveranstaltungen zum Thema Bettwanzen, bestätigt Daniel Baumbach. „Aber wenn beispielsweise das Robert-Koch-Institut Informationen schickt, leiten wir diese an die Einrichtungen weiter.“

In öffentlichen Einrichtungen, dort wo täglich Hunderte Menschen aufeinandertreffen, ist die Gefahr für eine Ansteckung besonders hoch. Bettwanzen können an Kleidung haften und überall hingelangen. Sie können zwar nicht springen, dafür flink krabbeln. Nirgendwo im öffentlichen Raum gibt es einen hundertprozentigen Schutz – auch nicht in Bus und Bahn. Zwar werden sie jede Nacht gereinigt, doch bei einem Befall würde das nichts bringen. „Uns sind keine Beschwerden von Fahrgästen oder Beobachtungen des Reinigungspersonals bekannt“, sagt Evag-Sprecher Henry Köhlert auf unsere Anfrage. Alle 110 Tage werden die Busse und Bahnen speziell gereinigt, mit einer chemiehaltigen Flüssigkeit und einem Dampfreiniger – 120 Grad Celsius heißer Dampf zur Tiefenreinigung.

Auch beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Thüringen gibt man sich optimistisch. „Wir haben in Erfurts Hotels kein Bettwanzenproblem“, sagt Dehoga-Geschäftsführer Dirk Ellinger. Wenn wirklich ein Gast Bettwanzen ins Hotel mitgebracht habe, würde das Zimmermädchen diese bei der Reinigung entdecken.

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