Vom Fahrrad in venezianische Gondel gestiegen

Erfurt  Zwei Freunde liefern als „Crepes Sucette“ die Musik zur Sommerkomödie in der Erfurter Barfüßerkirche. Fünfjährige Weltreise muss dafür pausieren

Eric Seehof und Lukas Bergmann alias „Crepes Sucette“ liefern die Musik zur Sommerkomödie „Diener zweier Herren“ in der Barfüßerkirche. 

Eric Seehof und Lukas Bergmann alias „Crepes Sucette“ liefern die Musik zur Sommerkomödie „Diener zweier Herren“ in der Barfüßerkirche. 

Foto: Frank Karmeyer

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Sie liefern den Soundtrack zur gefeierten Sommerkomödie „Diener zweier Herren“: Eric Seehof und Lukas Bergmann alias „Crepes Sucette“. Die Freunde spielen in der Ruine der Barfüßerkirche Geige, Gitarre, Cachon und Schellenkranz, tragen venezianische Maske und Hut und müssen zudem als Statisten ran in Goldonis „Diener zweier Herren“. Zum großen Vergnügen des Publikums bewegen sie als Gondolieri ein Boot über das Auf und Ab imaginärer Wellen.

Für die musizierenden Freunde ist es ein ungeplant rasches Wiedersehen: Eric ist mit dem Fahrrad im Mai vergangenen Jahres zu einer Weltreise aufgebrochen. Fünf Jahre soll sie dauern, für die Sommerkomödie hat er sie unterbrochen und kam nach knapp 11.000 Kilometern Rad-Reise zurückgeflogen. Bis Thailand war er bereits gekommen, hatte Türkei, Armenien, Iran, Dubai, Oman, Indien, Nepal und Myanmar schon hinter sich gelassen. Ein großes Vergnügen und eine Herzensangelegenheit bezeichnen beide ihr Engagement, für das Eric Seehof gern zurückgekehrt ist.

Straßenmusiker nennen sich beide, fernab vom „popkulturellen Betrieb“ und jedweder Schublade. Sie verstehen das als Auszeichnung ebenso wie Herausforderung, mit ihrer Musik die Passanten zum Innehalten zu bewegen. Hauptsächlich in Erfurt oder Weimar auf der Straße – „oder dort, wo der Zufall uns hin verschlägt“, wie Eric Seehof sagt. Und der Zufall meinte es bislang gut mit ihnen: 2011 fuhren sie mit einem Interrail-Ticket durch ganz Europa, spielten in Italien, Frankreich und Spanien. Zweimal setzten sich beide aufs Fahrrad, packten Anhänger mit ihren Instrumenten und fuhren nach Rom. Den Weg erspielten sie sich – mit dem Geld, das Passanten in den Hut warfen.

Für das Duo ist die Straße der Proberaum, hier entstehen ihre Stücke, entwickeln sich beim wiederholten Spiel. Klar, dass sie ihrem Stil, für den es so recht keine Schublade gibt, auch beim „Diener zweier Herren“ treu geblieben sind. Dass das Stück in Venedig spielt, kommt ihnen folglich sehr gelegen: italienische Einflüsse bringen sie von ihren Radreisen mit.

Kennengelernt haben sich beide Freunde in Jena beim Studium, das ihnen die Musik finanziert hat. Lukas ging nach dem Musikwissenschaften- und Kulturmanagement-Studium nach Braunschweig, arbeitet dort seither in der Erwachsenenweiterbildung. Erfurt besucht er aber sehr regelmäßig, schon als Teil des Bandprojekts „Ram Tam Tilda“, das unmittelbar nach Erics Aufbruch zur Weltreise gestartet wurde. Aktuell schreibt er seine Masterarbeit: „Über Live-Musik in einer Theaterproduktion – so ist unsere Zeit mit der Sommerkomödie für mich eine echte Win-Win-Situation“, sagt er. Medienkunst und -gestaltung hat Eric studiert, vor dem Master aber abgebrochen, ist einfach losgefahren. Für das „Work and Travel-Programm“ wäre er sonst zu alt geworden, wie er sagt. Denn Ende September will er wieder weg: Ende September nach Neuseeland. Früchte pflücken oder Schafe hüten, lieber noch als Fotograf eine Arbeit finden. Als „Monkey on 2 wheels“, als Affe auf zwei Rädern, dokumentiert der 29-Jährige seine Erlebnisse als reisender Musiker – bei Youtube, Instagram und Facebook sind Filme und Fotos von unterwegs zu finden. „Ich sammele fleißig“, sagt er, am Ende könnten auch Vorträge übers Reisen oder geführte Touren stehen. „Mal sehen“, sagt er. „Was daraus zaubern“ wolle er. Noch ist nichts konkret.

Und „Crepes Sucette“? „Die Band wird es immer geben, so lange es uns und unsere Freundschaft gibt“, sagt Lukas (30). Wäre Eric nicht aktuell in Erfurt, er wäre im Oktober mit seiner Freundin nach Neuseeland geflogen, um ihn dort zu besuchen.

„Deutschland ist in vielen der Länder sehr beliebt, die ich bereist habe. Sehr oft wurde ich eingeladen, einfach weil ich Reisender bin“, sagt Eric. Immer wenn es eine Panne gab, beispielsweise eine Speiche brach, konnte er „der Magie zuschauen, wie das Problem aus Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft gelöst wurde.“ Als besonders gastfreundlich habe er die Menschen im Iran erlebt.

Kleine CD-Auflage und ein Abschiedskonzert

Bis zum 31. August werden Eric und Lukas in der Sommerkomödie zu erleben sein, ehe sich wieder ihre Wege trennen. Und wem die Musik gefällt, der kann eine selbstgebrannte CD kaufen nach der Vorstellung. Eine Kleinstauflage, die Hülle von Hand gestempelt mit Figurinen ihrer Rolle, gezeichnet von Coco Ruch. Der Titel des Albums lautet folgerichtig „Gondolieri.“ Mitte September soll es wieder ein Abschiedskonzert für Eric mit „Crepes Sucette“ geben – Ort und Zeit stehen noch nicht fest. Das gilt auch für die „Reunion-Party“: Frühjahr 2023 soll‘s werden...

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