Von der Magie der ehrlichen Liebe

Erfurt.  Ein rasantes Spiel um Liebesglück und verschmähte Zuneigung breiten die Darsteller der Schotte im Sommernachtstraum aus.

Im Reich der Elfen geraten Oberon und Titania aneinander. „Ein Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare hatte jetzt im Kinder- und Jugendtheater Die Schotte in Erfurt seine umjubelte Premiere. 

Im Reich der Elfen geraten Oberon und Titania aneinander. „Ein Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare hatte jetzt im Kinder- und Jugendtheater Die Schotte in Erfurt seine umjubelte Premiere. 

Foto: Lutz Edelhoff

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Am Anfang steht die Liebe: Fünf Buchstaben nur, groß an die Bühnenleinwände geworfen, begleitet von melancholischer Musik. Es soll der eigentlich einzige ruhige Moment bleiben an diesem Premierenabend in der Schotte. Im dann startenden ebenso vergnüglichen wie temporeichen Spiel um verhinderte Paare, unglücklich verteilte Zuneigung und die Magie der Worte „Ich liebe dich“ bleiben dem Zuschauer nur wenige Verschnaufpausen.

Was die 22 Schotte-Akteure in der Regie von Uta Wanitschke und Thomas Thieme, toll kostümiert von Coco Ruch, da auf die mit zwei Stellwänden, einer Baustellentür und einer Leiter äußerst sparsam ausgestattete Bühne bringen, ist reich an Wendungen und witzigen Einfällen. Etwa wenn es wie beim Kurzschluss knistert, wenn Oberon sich seiner Gattin Titania nähert – da wird schnell klar, dass beiden kein ewiges Eheglück beschieden sein wird. Oder wenn der immer einem Hofnarr ähnelnde und stets tänzelnde Puck (Leonie von Schmettau) in dem ewigen Streit zwischen den Paaren für Ruhe sorgt und mit einem Fingerschnipsen den Ton abstellt für dieses Gezeter. Oder ein Staubwedel mal magische Blume ist, um dann wieder Stock zu sein, der wie im Kampfsport eingesetzt Helena (Lisa Angrick), Demetrius (Milan Wenzel), Lysander (Pius Nagel) und Hermia (Jasmin Metz) von den Beinen holt.

Nur die Elfen, die in der Inszenierung eher düster daher kommen mit seltsamen Fühlern auf dem Kopf und dunkel-martialisch kostümiert, sind samt ihres Königs und der Königin auf der Schottebühne im Ton über Mikrofone verstärkt und bisweilen mit Hall belegt, was ihr unheimliches Wesen nur unterstreicht. Die wie erwähnt sparsame Bühnengestaltung wird durch Videoprojektion zum Leben erweckt: Mal ist sie Urwald mit Trommeln aus der Ferne, mal schnöde Baustelle, auf der Theseus (Toni Schildhauer) der ebenso cholerische wie heiratswillige Bauherr ist, dann wieder Reich der Elfen, in dem der Regen von schwarzen Wänden tropft.

Handwerker Klaus Zettel, herrlich gespielt von Wenzel Bellan, wird es am Ende in dem ewigen Hin und Her sein, der gleich mit doppelter Liebe gesegnet ist. Der großen zum Theaterspiel – die er sich in dieser Rolle mit den 21 weiteren Akteuren teilt – und der zunächst unfreiwillig-eseligen Liebe zu Titania. Er findet das Glück beim Durchschreiten eben jener magischen Baustellentür, die nur die ehrlich Liebenden in eine andere, manchmal wundersame Welt hinüber führt, die soviel mehr ist, als nur die fünf Buchstaben.

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