Vorn ist, wo Andreas Pohle vom ASV Erfurt springt

Erfurt. Die Wachablösung im Dreisprung lässt noch auf sich warten. In der Trainingsgruppe des ASV Erfurt ist das so.

Andreas Pohle hat Fahrt aufgenommen und peilt den sechsten Hallentitel an. Foto: Marco Schmidt

Andreas Pohle hat Fahrt aufgenommen und peilt den sechsten Hallentitel an. Foto: Marco Schmidt

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"Daran arbeite ich ja", lachte Andreas Pohle und besaß reichlich Grund dazu. Er, der nicht einzuschätzen vermochte, wo er in der zu Ende gehenden Hallensaison steht, durfte am Sonnabend sicher sein, in anderthalb Wochen nicht nur um den DM-Sieg mitspringen zu können. Er wusste, seinem sechsten Titel unterm Dach sehr nahe zu sein.

Ein Sprung reichte, um Selbstvertrauen dafür zu besitzen. Mit 16,30 Metern setzte sich der 32-Jährige vom ASV sogleich an die Spitze der deutschen Bestenliste. Und er traf in seinem dritten Sprung auf den Punkt, was er vorher schon im Gefühl hatte.

"Der war schon sechzehn-dreißig", frohlockte er zu Trainerin Annelie Jürgens. Im zweiten Versuch fehlte ihm noch das Timing für den guten Sprung, wonach einige seiner Kontrahenten beim ersten Sprungmeeting in der Erfurter Leichtathletikhalle vergeblich suchten.

Dimitri Antonov (LAC Quelle Fürth) etwa, der 17-jährige deutsche Jugendmeister und Dritte der U18-WM des vergangenen Jahres, blieb ohne gültigen Versuch. Sein zwei Jahre älterer Bruder Ivane ließ zu viele Zentimeter liegen. Und selbst Martin Seiler (Ludwigshafen), der Pohle vorige Saison bei der DM im Freien auf die Fersen gerückt war, konnte an seinen vielversprechenden Auftakt mit persönlicher Saisonbestleistung (15,62 m) und Hallenbestleistung (15,70 m) nicht anknüpfen.

Womöglich hatte Andreas Pohle den Wettkampf mit seinem Satz, wie er fand, selbst "gekillt". So, wie er es in der Vergangenheit auch ab und an erfahren hatte, wenn ein anderer eine starke Leistung vorgelegt und damit auch ihn beeindruckt hat, dass der Glaube verloren ging.

Mit einem Satz die Konkurrenz beeindruckt

Charles Friedek sei so einer gewesen, der das gekonnt hätte, die Konkurrenz auf diese Art zu schocken und ihr den Glauben zu nehmen. Der Weltmeister von 1999 war als Trainer des Kölner Nachwuchssportlers Massala Felski auch in der Halle, in der ein Großteil der allerdings überschaubaren deutschen Dreisprung-Spitze gegeneinander antrat.

Die Chance, sich mit den Konkurrenten außerhalb von nationalen Titelkämpfen zu "reiben", freute Pohle. "So viele Wettkämpfe haben wir ja nicht", meinte er. Seit Jahren bestreitet er meist als Alleinunterhalter Wettkämpfe. In Thüringen, aber oft auch über die Landesgrenzen hinaus. Gerade aber er bräuchte die Anspannung, die erst recht kein Training simulieren könne, und wünschte sich, dass die Premiere eine Fortsetzung findet.

Die 16,30 m von Andreas Pohle blieb die einzige Weite über 16 m an diesem Tag. Eine, die als Ansage verstanden werden durfte. Vor einem Jahr etwa war er bei der DM einen halben Meter darunter geblieben und musste Matthias Uhrig (Sindelfingen) den Vortritt lassen.

"Ich habe mich unterschätzt. In Leipzig muss es noch ein bisschen weitergehen", sagte Pohle.

Erst wenige Tage zuvor hat er die Ausbildung zum Polizeimeister abgeschlossen und steht nun vor einem Jahr, das über Sport oder Dienst entscheidet. Einen internationalen Start wird der achtmalige Freiluft-Meister vorweisen müssen, um die Förderung und Freistellung fürs Training zu erhalten.

"Es wird wieder einmal ein entscheidendes Jahr", will es der 32-Jährige allerdings mit einem Schicksalsjahr gleichsetzen. Obwohl noch Luft nach oben ist, sah sich der Start zumindest vielversprechend an. 16,85 m muss er springen, um bei der Europameisterschaft als internationalen Höhepunkt in diesem Jahr dabeizusein. Nicht nur wegen der Weite am Samstag sieht er sich gut aufgestellt, den halben Meter drauflegen zu können.

Die Konkurrenz, die einen wie ihn anspornt, drängt schon im Training. Mit 15,86 m setzte Marcel Kornhardt ein Zeichen, dem Teamgefährten den Top-Platz streitig zu machen. Umso mehr, da der 20-Jährige bereits vorm Absprung seines ersten Versuchs die starke Zerrung im Oberschenkel spürte.

"Schade für Marcel. Es hätte der Sechzehner sein können", sprach Pohle dem Teamgefährten Mut zu, der den Wettkampf bereits nach diesem Versuch abbrechen musste. Zumindest mit persönlicher Bestleistung und als Zweiter der nationalen Bestenliste. "Er wäre heute mein härtester Gegner gewesen. Aber den härtesten in der eigenen Trainingsgruppe zu haben, kann uns nur nach vorn bringen", meinte An­dreas Pohle.

Nach Jahren an der deutschen Spitze ist vorn, wo der Dreispringer vom ASV steht.

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