Wasser für die Fahner Höhe: So sollen Probleme der Obstbauern gelöst werden

Gierstädt/Erfurt.  Ehemalige Trinkwasserleitung kann jetzt zum Bewässern genutzt werden. Bis 2024 soll das Wasserproblem der Obstbauern gelöst sein.

Das Wasserproblem zu Papier gebracht hat Hendrik Kraft, der Geschäftsführer der Fahner Obstbau GmbH, mit einer Karte der Anbaugebiete, die regelmäßig beregnet werden müssen.

Das Wasserproblem zu Papier gebracht hat Hendrik Kraft, der Geschäftsführer der Fahner Obstbau GmbH, mit einer Karte der Anbaugebiete, die regelmäßig beregnet werden müssen.

Foto: Hartmut Schwarz

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Es ist eine lange Leitung, die von der Ohra-Talsperre nach Erfurt führt. Lange hat es auch gedauert, sie für eine neue Bestimmung umzuwidmen. 2012 wurde eine der beiden Leitungen der sogenannten Westringkaskade, die Erfurt mit Trinkwasser versorgt, vom Netz genommen, weil der Bedarf nachgelassen hatte. Zeitgleich sei beantragt worden, die Leitung weiterhin für die Versorgung der Region mit Brauchwasser nutzen zu können. Erst jetzt habe diese Umwidmung alle Hürden der Verwaltung nehmen können, erklärt Susanne Kaiser, die Prokuristin der Thüringen-Wasser GmbH (Thüwa). Erst jetzt könnten die Hilferufe der Landwirtschaft beantwortet werden. Zumindest die, die aus einer wirtschaftlich vertretbaren Nähe des Leitungsverlaufs kommen.

Auf das Wasser der Talsperre angewiesen sind vor allem die Obstplantagen der Fahner Höhe. Um so mehr, seit sich das Thüringer Becken zusehens in ein Trockengebiet verwandelt. Als im Mai 2012 bei einer Infoveranstaltung der Thüringer Fernwasserversorgung nach einer Brauchwasser-Nutzung für die trockengelegte Trinkwasserversorgung gesucht wurde, war Fahner-Obst-Geschäftsführer Jörg Dornberger der erste, der Bedarf anmeldete. Zumal es immer problematischer wurde, mit dem bestehenden Netz der Thüwa die Beregnung zu garantieren – der Leitungsquerschnitt war einfach zu schwach. Ging man 2012 an der Fahner Höhe noch von einem zusätzlichen Wasserbedarf von 600.000 m³ aus, spricht die Obstbauberatung inzwischen von 1,6 Mio m³, nicht zuletzt weil es inzwischen auch technische Lösungen für wassersparende Frostschutz- und klimatisierende Beregnung gibt.

Der Optimismus auf den Fahner Höhen war gestiegen, als das Projekt so weit gereift war, dass konkrete Übergangspunkte für das Wasser festgelegt wurden. Die Zuversicht hielt bis zur Ankündigung: Aber die Leitung baut ihr! Für Fahner Obst sei dies nicht zu stemmen gewesen, erklärt Dornberger. Es wäre ein Jahrhundertprojekt für das Unternehmen geworden. Es musste nach einer neuen Lösung gesucht werden. Die wurde dann glücklicherweise in Erfurt gefunden in Kooperation mit der Thüwa.

Weil die Wassernetze für die Bereiche Witterda und Bienstädt sowieso erneuert werden mussten, habe sich angeboten, in diesem Rahmen auch die Übergangspunkte zu optimieren, erklärt Thüwa-Prokuristin Susanne Kaiser. Ein denkbarer Standort wäre zum Beispiel Töttelstädt, weil dort ein natürliches Gefälle für Kostensenkung sorgen würde und weil nicht gepumpt werden muss. Konkretisiert habe man dies bisher noch nicht. In diesem Zusammenhang habe man den Bedarf entlang der Trasse zwischen Bienstädt und Erfurt abgeklopft. Inzwischen sind es neben dem größten Abnehmer, Fahner Obst, eine Reihe Gartenbetriebe (Gloria/Rose), die Agrar GmbH Elxleben und der Golfplatz in Schaderode, die über die neuen Übergabepunkte direkt versorgt werden sollen.

Auch die Finanzierung des Projektes sei inzwischen geregelt. Die meisten Abnehmer hätten sich für die Version des Vorhalteentgeltes entschieden. Quasi einer Ratenzahlung über mehrere Jahre gestreckt. Die andere Möglichkeit wäre der Baukostenzuschuss gewesen – die 100-prozentige Übernahme der Baukosten. Auch wenn inzwischen die wichtigsten Dinge geklärt sind, werden noch vier Jahre ins Land gehen, bis das Wasser an der Fahner Höhe angekommen ist. Die Trassenführung muss durch ein Landschaftsschutzgebiet geführt werden, es müssen EU-Ausschreibungen abgewartet werden und auch die Baustelle selbst braucht ihre Zeit. Näher liegende Anlieger der Trasse, beruhigt Kaiser, werden schon früher ihren Anschluss erhalten. Der Fahner Höhe steht allerdings noch eine „Durststrecke“ bevor.

Die Beregnung wird sich auf das Premium-Obst konzentrieren, kündigt Dornberger an: Kirschen zuerst! Mit teurem Trinkwasser. Teuer wird es auch, weil in den vermehrt auftretenden Frostnächten in der Blütezeit zusätzlich Frostschutzberegnung notwendig wäre, um einen Totalverlust zu vermeiden.

Die Verluste summieren sich wegen des fehlenden Wassers auf Millionen Euro. 2019 sorgte der Frost für 2 Mio Euro Schaden in Form von Früchteverlust, der Wassernotstand bei den Kirschen ebenfalls für 2 Millionen, der Sonnenbrand der Äpfel im Sommer noch einmal für 2 Millionen. 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser haben 2019 gefehlt, um den kompletten Bestand versorgen zu können, fasst Dornberger den Notstand zusammen. 2019 wurden 100.000 m³ Brunnenwasser, 4000 m³ Regenwasser und 10.000 m³ Trinkwasser „vertropft“ – mehr stand nicht zur Verfügung.

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