Weitere Masernfälle an Waldorfschule in Erfurt-Bischleben

Bischleben. Die aktuelle Zahl aus dem Erfurter Gesundheitsamt lautete am Montagnachmittag: 29 Masernfälle. Nach wie vor sind alle erkrankten Kinder Schüler an der Freien Waldorfschule, hieß es auf TA-Nachfrage. Sogenannte serologische Tests haben acht Fälle bestätigt.

Viele ließen sich in den vergangenen Tagen noch impfen, danach bildet das Immunsystem schützende  Antikörper. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Viele ließen sich in den vergangenen Tagen noch impfen, danach bildet das Immunsystem schützende Antikörper. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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Aufgrund der zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge - Erkrankungen in einer Klasse oder Ansteckung auch durch Geschwisterkinder - und wenn die bekannten Symptome auftreten, wird bei den anderen Erkrankungen auch von Masern ausgegangen - Bluttests sind dafür nicht zwingend erforderlich.

Leider sind die Masernerkrankungen nicht zurück gegangen, bestätigt auch Andrea Fabry von der Waldorfschule. Diese geht inzwischen sehr offen mit dem Sachverhalt um. Es hatte zwar von Anbeginn ständig Kontakte und Informationen an die Eltern selbst gegeben, aber beispielsweise keine Information an die Bischlebener und das Umfeld der Familien. So hatte der TA-Beitrag einigen Wirbel ausgelöst. "Zu keinem Zeitpunkt hat die Schule versucht, Informationen unter der Decke zu halten, wie das im Artikel unserer Zeitung vom 18. März angeklungen war", heißt es in der entsprechenden Schulinformation.

Schule hätte sich mehr Begleitung gewünscht

Diese steht nun auf der Schul-Webseite. Und beginnt mit einer Auflistung: Eine vollständige Auswertung des Impfstatus aller Schüler liege vor, heißt es. Von 254 Schülern seien am 20. März 152 gegen Masern geimpft gewesen – das entspricht rund 60 Prozent. Rund ein Drittel der Kinder sei allerdings tatsächlich auch weiterhin nicht geimpft, teilte die Schule mit.

Dabei überholt sich diese Statistik allerdings ständig selbst. Beispielsweise, indem die mittlerweile 29 erkrankten Kinder nach ihrer Genesung als "immunisiert" gelten. "Offenbar wählt ein vergleichsweise hoher Anteil von impfkritisch eingestellten Eltern die Schule", heißt es weiter in der Stellungnahme der Waldorfschule auf ihrer Internetseite. Laut Gesundheitsamt liege im Schnitt die Impfquote an Schulen bei 90 Prozent. "An unserer Schule verfügen zurzeit nur etwa 60 Prozent der Schüler über einen Masernimpfschutz".

Die Geschäftsführerin der Erfurter Waldorf-Schule, Andrea Fabry, sagt aber auch im Gespräch mit unserer Zeitung: "Die Masernwelle wird noch anhalten, denn unsere Schule besuchen viele Geschwisterkinder. Wir sind eine Gesamtschule von Klasse 1 bis 10."

Wer nach der Krankheit zurückkehre, müsse eine ärztliche Gesundheitsbescheinigung vorlegen. Und es wurden alle öffentlichen Veranstaltungen zunächst bis zu den Osterferien abgesagt sowie die Teilnahme von Schülern an öffentlichen Veranstaltungen außerhalb der Schule. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass spätestens nach den Osterferien die Krankheitswelle überstanden sein wird.

"Die Entscheidung für oder gegen eine Maserschutzimpfung liegt allein bei den Eltern und ist nicht in der Verantwortung der Schule. Es handelt sich hierbei keinesfalls um eine pädagogische Fragestellung im Zusammenhang mit dem pädagogischen Konzept der Schule, sondern allein um eine medizinische Frage", betont Andrea Fabry. Die Masernwelle habe die Schule sozusagen unvorbereitet erwischt, räumt Andrea Fabry ein. Neben dem Impfschutz war in vielen Beratungsgesprächen der vergangenen Tagen vor allem Thema, wie man mit der gesundheitlichen Gefährdung umgehen soll. Eine Schulschließung hält das Gesundheitsamt nicht für erforderlich, die Krankheitswelle würde dadurch nicht verhindert.

Trotz der "guten Zusammenarbeit von Schule und Gesundheitsamt" fühlen sich die Schulverantwortlichen "ein Stück allein gelassen", hätten intensivere Beratung gebraucht. Gerrit Hesse vom Gesundheitsamt sagte dazu, man berate nicht pauschal, jedoch auf Anfrage.

"Keine Masernpartys" warnt er vor Zusammenkünften, Geschwister sollten nicht in andere Einrichtungen gebracht werden. Wichtig sei es, mindestens eine Stunde den Raum zu lüften, in dem sich Kranke aufgehalten haben; auch zu Hause.

Und wer sich nicht gleich impfen lassen wolle, der könne jederzeit beim niedergelassenen Arzt zumindest die Antikörper bestimmen lassen.

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