Wenn die Hitze unerträglich wird und nachts nicht nachlässt

Erfurt  Forschungsprojekt an der Fachhochschule Erfurt zu Strategien im Umgang mit dem Klimawandel

Die Modellrechnung, die Jörg Lummitsch und Heidi Sinning hier präsentieren, geht von einer deutlichen Zunahme der Tropennächte in Thüringen aus.

Die Modellrechnung, die Jörg Lummitsch und Heidi Sinning hier präsentieren, geht von einer deutlichen Zunahme der Tropennächte in Thüringen aus.

Foto: Frank Karmeyer

Mit dickem Schal um den Hals, mit kalten Füßen und Händen lässt sich angesichts frostiger Temperaturen aktuell von Tropennächten in Thüringen wohl nur träumen. Oder an wohlige Urlaubswärme denken. Da fällt das Argumentieren schwer, dass Nächte, in denen das Thermometer hierzulande nicht unter 20 Grad sinkt, auch gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringen und zum Alptraum werden können. Was aber tun, wenn die Hitzeperioden in unseren Breiten immer heftiger und länger zu werden drohen? Dazu wird aktuell am Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) der Fachhochschule Erfurt geforscht.

Projektleiterin ist Professorin Dr.-Ing. Heidi Sinning, die mit ihrem Team der Frage nachgeht, wie die Lebensqualität und Attraktivität von Wohnquartieren erhalten und verbessert werden kann. Wie können vorhandene Gebäude angepasst und neue gleich so gebaut werden, dass die Bewohner nicht unter zunehmenden Hitzeperioden leiden? Und nicht zuletzt wird erforscht, wie sich städtische Freiräume entwickeln lassen, um das Stadtklima positiv zu beeinflussen.

Auf drei Jahre ist das Projekt ausgelegt, auf knapp zweieinhalb Millionen Euro ist die beantragte Fördersumme beziffert, die sich auf die acht beteiligten Projektpartner in Dresden und in Erfurt aufteilen. „HeatResilientCity“ lautet der Titel, hitzeresiliente Stadt- und Quartiersentwicklung in Großstädten ist das Thema, bewohnerorientiert soll Wissen ermittelt und die praktische Umsetzung der Ergebnisse in Dresden und Erfurt erprobt werden.

Während in Sachsen das Beispielquartier Dresden-Gorbitz in den Blick genommen wird, ist in Erfurt beispielhaft die Oststadt das Forschungsgebiet. Hier gibt es einerseits eine dichte gründerzeitliche Bebauung, zum anderen aber auch Brachflächen, die noch zu Wohngebieten entwickelt werden.

Ziel ist es, die Forschungsergebnisse untereinander auszutauschen und sie übertragbar zu machen auf andere Städte und Quartiere, die besonders von einer steigenden Hitzebelastung betroffen seien.

„Es geht besonders um die Bewohnerperspektive: Was ist ihnen wichtig, was sind Schwerpunktbereiche für sie“, sagt Heidi Sinning. Wo können Bäume Schatten spenden, wo Trinkbrunnen fürs Wohlfühlen sorgen, wie kann Fassadengrün für besseres Raumklima oder oder eine Frischluftschneise durch Grünzüge oder Wasserläufe für eine bessere Durchlüftung sorgen?

Auch diese Fragen sollen behandelt werden in den nächsten Monaten. Hauptaktionsphase, so Sinning, in der aktiv mit Bürgerbefragungen gearbeitet wird, sollen aus den eingangs genannten Gründen nicht die Wintermonate, sondern die Tage im Hochsommer sein. Schließlich müsse sich in der Bevölkerung erst ein Bewusstsein dafür bilden, dass der Klimawandel stattfindet und es nicht nur „schöne“ Hitze gibt, sondern damit verbundene Gefahren für die eigene Gesundheit, die Tier- und Pflanzenwelt.

Auch wenn der aktuelle US-Präsident anderer Ansicht sei: die Wissenschaft sei sich weithin einig, dass es schon größter Anstrengungen bedarf, um den Temperaturanstieg der nächsten Jahre auf nur zwei Grad zu beschränken, sagt Jörg Lummitsch, Leiter des Umweltamtes der Stadt, das Partner im Forschungsprojekt ist. Da reicht es nicht mehr, feuchte Tücher vors Schlafzimmerfenster zu hängen, um das Raumklima zu verbessern, stimmt die Umweltbeigeordnete Kathrin Hoyer zu. Und Erfurt, soviel stehe fest, werde durch die häufigen Inklusionswetterlagen stärker betroffen sein, als etwa der ländliche Bereich oder der Rest Thüringens. Daher gelte es bei Neubauten, darauf zu achten, dass Straßenräume breit und Häuser nach der häufigsten Windrichtung ausgerichtet werden. Dass Dächer gern begrünt, Fassaden hell gestrichen würden. Maßnahmen, die im Bestand nur schwer umsetzbar sind, aber beispielgebend für Neubauten sein könnten.

Eine Bestandsanalyse ist schon gestartet, ein Netzwerk zwischen zu beteiligenden Akteuren wird bereits geknüpft – damit wird im ISP nicht erst auf die heißen Sommermonate gewartet.