Wenn in Erfurts Oststadt nur noch eine Siesta gegen Hitze hilft

Krämpfervorstadt  Ideen gesammelt, wie der Stadtteil fit gemacht werden kann für den Klimawandel

Ideen zusammengetragen, wie zunehmender Hitze im Stadtteil begegnet werden kann, wurden in einem Workshop in der Krämpfervorstadt.

Ideen zusammengetragen, wie zunehmender Hitze im Stadtteil begegnet werden kann, wurden in einem Workshop in der Krämpfervorstadt.

Foto: Paul Würtz

Draußen war es kalt, drinnen wurde heiß diskutiert über das Thema „2050°C – Zukunftsvisionen Krämpfervorstadt“. Bewohner des Stadtteils waren vom Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der FH Erfurt (ISP) und dem Umweltamt der Landeshauptstadt Erfurt eingeladen, um aktiv zum Thema mitzuwirken.

Lokal wie global muss zum Klimawandel gehandelt und frühzeitig in stark von Hitze betroffenen Stadtteilen, wie der Erfurter Oststadt, klimaangepasst geplant und gebaut werden, stellten eingangs Professorin Heidi Sinning und Marie-Luise Baldin vom ISP klar. Auch die Bewohnerbefragung vom letzten Sommer betont den Handlungsbedarf, da rund 60 Prozent angaben, dass sie die Hitzebelastung in ihrem direkten Wohnumfeld im Sommer als „sehr belastend“ oder „eher belastend“ empfanden.

Die rund 30 Teilnehmer stellten sich der Frage, wie die Krämpfervorstadt aussehen muss, um trotz großer Hitze auch zukünftig ein lebenswerter Stadtteil zu sein. Als Ausgangssituation galt eine von Studenten der FH Erfurt dargestellte Zukunftsperspektive: „Wir schreiben das Jahr 2050 in der Krämpfervorstadt in Erfurt. Seit sieben Tagen am Stück herrschen Temperaturen von fast 40 °C und auch in der Nacht kühlt es nicht unter 25 Grad ab. Mittags ist es zu warm, um alltäglichen Tätigkeiten oder Freizeitaktivitäten nachgehen zu können. Zudem kann der Wasserbedarf nicht mehr gedeckt werden, weder für den Haushaltsbedarf noch für Pflanzen.“

Auswirkungen auf Gesundheit, Alltag, Wohnraum und Stadtbild sind die Folge. Ziele und Maßnahmen für eine hitzeangepasste Oststadt wurden zusammengetragen. So wurde der Wunsch laut nach mehr grüner Infrastruktur, Bäumen, begrünten Dächern sowie nach einer Förderung von Vorgärten und Hochbeeten. Dazu sollten Anreize für die Eigentümer geschaffen werden und der Grünflächenanteil in den B-Plänen stärker bedacht werden, hieß es.

Eine bessere Beschattung durch Baumgruppen oder Sonnensegel und eine höhere Anzahl an Sitzmöglichkeiten sollen die Hitze auch im Freiraum, wie auf den Plätzen des Stadtteils, erträglicher machen. Weniger Verdichtung und Versiegelung im Quartier wurde gewünscht, ebenso der Erhalt von Kalt- und Firschluftschneisen. Car- und Bike-Sharing-Systeme könnten den Anteil von Autos mindern und öffentliche Verkehrsmittel und Fahrradbenutzung fördern. Auch über das Hitzeverhalten in südlichen Nachbarländern wurde diskutiert, wo bei großer Hitze eine Siesta eingelegt wird.

Es war der mittlerweile dritte Workshop zum Thema. Die Ergebnisse werden an zuständige Ämter der Stadtverwaltungen weitergegeben und sollen wichtiger Bestandteil der weiteren Forschungsarbeit sowie der Erstellung von Handlungsempfehlungen sein.

Ausgangspunkt der Veranstaltungsreihe ist das Forschungsprojekt „HeatResilientCity“, das in Erfurt durch das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt sowie dem Erfurter Umweltamt getragen wird. Ziel des Forschungsverbundes ist es, Handlungsempfehlungen zur Hitzeanpassung zu entwickeln.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wird es noch eine weitere Beteiligungsveranstaltung zum Thema „Hitze in Gebäuden“ sowie weitere Sommeraktionen in der Oststadt geben. Geplant ist eine Ausstellung über nationale und internationale Beispiele zu bürgerorientierten Klimaanpassungsmaßnahmen.

Den Dialog über die zunehmende Hitzebelastung im Stadtviertel moderierten die angehenden Stadt- und Raumplaner Laura Fleck, Maria Chudzian, Stephanie Rück, Raphael Bach-mann und Wenzel Reif im Rahmen des Forschungsprojekts „Hitzerobuste Stadt- und Quartiersentwicklung“.

Informationen zum Projekt gibt es auf der Projektwebseite heatresilientcity.de