Wertvolles Bild geht in Besitz des Erfurter Angermuseums

Erfurt  Kunstsammler Fritz Kober beschenkt sich zum eigenen 80. Geburtstag mit einer Stiftung an das Museum

Fritz Kober (r.) schenkt das Gemälde „Schwebender Schild" Willi Baumeisters ans Angermuseum. Gestern durfte er sich als Ehrung dafür bei einem Empfang durch Oberbürgermeister Andreas Bausewein ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Fritz Kober (r.) schenkt das Gemälde „Schwebender Schild" Willi Baumeisters ans Angermuseum. Gestern durfte er sich als Ehrung dafür bei einem Empfang durch Oberbürgermeister Andreas Bausewein ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Foto: Frank Karmeyer

Das Gemälde „Schwebender Schild“ von Willi Baumeister (1889-1955) ist seit 2012 in der Dauerausstellung des Angermuseums zu sehen. Es war Thema der so beliebten Kunstpause am Mittag und diverser Führungen, somit für Kurator Thomas von Taschitzki „vertrauter Teil der Gemäldeausstellung“. Nun gehört es dem Museum: Kunstsammler Fritz Kober hat aus seiner Dauerleihgabe ein Geschenk gemacht – zu seinem eigenen 80. Geburtstag.

Gestern galt es nun, das auf einen Wert von 100.000 Euro geschätzte Werk Baumeisters zu würdigen, besonders aber den Jubilar und Stifter Kober. Der folge mit seiner Schenkung einer langen Tradition des Angermuseums und seiner Förderer, betonte Kai-Uwe Schierz, Direktor der Erfurter Kunstmuseen. Schließlich war das Angermuseum 1886 auf diese Weise erst gegründet worden: Der Erbe Friedrich Nerlys hatte Werke seines Vaters der Stadt vermacht – mit der Bedingung, diese in einer Ausstellung sichtbar werden zu lassen.

Bürgerschaftliches Engagement war es, das zu weiteren Sammlungsbeständen führte. Unterbrochen allerdings ab 1949: „In den Jahren danach gab es immer weniger Schenkungen, diese waren nicht gewollt“, blickt Schierz zurück. Er wünsche sich, dass die generöse Geste des Dortmunder Kunstsammlers Schule mache, die gute Tradition wieder stärker belebt werde.

Der 1889 in Stuttgart geborene Willi Baumeister zählt zu den bedeutenden Künstlern der Moderne und insbesondere zu den wichtigsten Vertretern der ab­strakten Malerei in der europäischen Nachkriegszeit. Insofern schließe das Bild eine Lücke im Museum, so Kurator von Taschitzki. Das Gemälde repräsentiere eine wichtige späte Werkphase in Baumeisters Schaffen. „Das Bild öffnet sich dem Blick des Betrachters als ungreifbarer, imaginärer Bildraum mit weich verschwimmenden Farbflecken und schwerelosen, locker vor- und hintereinander gelagerten flächigen Elementen“, so spricht der Kurator. Außerdem von Souveränität sowie spielerischer Selbstverständlichkeit, mit der die Farben in dem Werk aus dem Jahr 1952 verwendet wurden. In dem zur Gruppe der sogenannten „Scheinreliefs“ zählenden Gemälde wird durch angedeuteten Lichteinfall und Schattenbildung Räumlichkeit suggeriert. In diesem und verwandten Werken habe Baumeister eine unverwechselbar eigene Bildsprache geschaffen.

Wie aber dankt man einem Förderer wie Fritz Kober? Schließlich ist es das inzwischen dritte Werk, das er dem Museum vermacht hat. Als Dank für die Schenkung richtete Oberbürgermeister Andreas Bausewein dem Stifter gestern im Rathausfestsaal einen Empfang aus und würdigte sein Engagement, indem der 80-Jährige sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen konnte, in dem sich schon Papst Benedikt XVI., gekrönte Häupter und Olympiasieger mit ihrer Unterschrift verewigt haben.

Kunstsammler Kober erinnert sich an den in Erfurt geborenen Maler Otto Ritschl als „väterlichen Freund“, durch den er den ersten Kontakt nach Erfurt hatte. Ein Gemälde Ritschls, Grafiken Feiningers und weitere Werke, so könnte sich Kober vorstellen, könnte er ebenfalls noch dem Angermuseum vermachen – „in den nächsten 20 Jahren vielleicht“, wie der rüstige Senior scherzte, dem seine 80 Jahre nicht anzumerken sind. „Hier in Erfurt sehe ich die Werke jedenfalls bestens aufgehoben“, sagte er am Rande der Empfangs. Kunstfreunde in Erfurt wird‘s freuen.

Das Gemälde „Schwebender Schild“ ist im Angermuseum am Anger 18 dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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