Wie sich Senioren vor Betrügern am Telefon und im Internet schützen

Eisenach. Über den Anruf hatte sich Manfred Schröer im ersten Moment gefreut. Der Neffe, nach so vielen Jahren, was für eine Überraschung! Der 71-jährige Eisenacher wollte schon Kaffee kochen für das Wiedersehen, da erfuhr er vom Ungemach des vermeintlichen Neffen.

 Beate und Horst Sterzik aus Erfurt informierten sich darüber, wie sie sich vor den Nachstellungen von Betrügern schützen können.Foto: Jacob Schroeter

Beate und Horst Sterzik aus Erfurt informierten sich darüber, wie sie sich vor den Nachstellungen von Betrügern schützen können.Foto: Jacob Schroeter

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Ein Autounfall und ob der gute Onkel nicht schnell aushelfen könne - mit 1500 Euro.

Buchstäblich in letzter Minute wurde Manfred Schröer stutzig und informierte die Polizei. Doch, dass er beinahe auf diesen alten Trick hereingefallen wäre, treibt ihn bis heute um.

Ursula und Dieter Möller sind über 70 und wollen auf ihren Computer nicht mehr verzichten. Ihr Sohn arbeitet im Ausland, der Kontakt ist trotzdem intensiv und sogar mit Blickkontakt: Dank Skype. Eine tolle Sache, sagen sie. Doch ihre Bankgeschäfte erledigen sie noch immer lieber am Schalter, und auch beim Einkaufen per Mausklick halten sie sich zurück. Höchstens auf Rechnung, sagen sie. Sicher ist sicher.

Wie schützt man sich vor miesen Betrügern? Welche Fallen lauern am Telefon oder im Netz? Kann ich risikolos im Internet eine Reise buchen?

Es waren solche Fragen, die Familie Möller, Manfred Schröer und etwa 50 weitere Senioren gestern ins Erfurter Rathaus lockten. Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse und die Verbraucherzentrale hatten eingeladen.

Denn längst haben auch Senioren die vielen Möglichkeiten des Internets entdeckt. Doch damit steigt auch das Risiko, Betrügern auf den Leim zu gehen.

Dazu sollte man deren häufigste Tricks kennen, die Verbraucherschützerin Michaela Zinke beschrieb. Gauner, die Bank-Seiten fälschen, um an die Zugangsdaten zu gelangen. E-Mails mit Grafiken, hinter denen sich Schadprogramme verbergen, die den Computer ausspionieren. Anbieter, die geschickt persönliche Informationen abfragen, den Nutzer zum gläsernen Bürger machen, um zielgerichtet mit Werbung zu manipulieren.

Ihr Rat: Keine unnötigen Angaben zur Person machen. E-Mails nicht öffnen, deren Absender man nicht kennt. Zugangsdaten zum Internet-Banking nie per E-Mail preisgeben, sich nach dem online-Banking immer ordnungsgemäß abmelden.

Wer im Netz etwas kaufen oder eine Reise buchen will, sollte feststellen, ob der Anbieter seriös ist. Der Blick ins Impressum ist ein erster Schritt. "Wenn statt einer Adresse nur ein Postfach angegeben ist, ist es besser die Finger davon zu lassen", so Expertin Zinke. Am sichersten ist ein Anbieter in Deutschland, denn im Zweifelsfall gelten da auch die deutschen Gesetze.

Enkeltrick funktioniert noch immer

Viele Senioren nutzen gern Freundschafts- und Partnerbörsen. Ein gutes Angebot, um soziale Kontakte zu finden oder zu pflegen. Allerdings ist die Nutzung solcher Börsen häufig kostenpflichtig. Die Kündigung eines solchen Vertrages hat oft lange Vorlaufzeiten, gibt sie zu bedenken.

Und der viel zitierte Enkeltrick am Telefon? Der funktioniert tatsächlich immer noch. In erfindungsreichen Variationen und weltweit, weiß Polizeiobermeisterin Blanka Leicht.

In Thüringen wurden 2012 mit ihm ahnungslose Menschen um mehr als 115 000 Euro erleichtert. Vor allem sind es Senioren zwischen 80 und 90 Jahren, die die Betrüger anrufen. Man könne, so die Polizistin, nicht oft genug warnen: Niemals Fremde in die Wohnung lassen und am Telefon "nein" sagen.

  • Infos gibt es bei den Seniorenbüros oder beim Datenschutz: www.tlfdi.de
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