Wohnquartier mit hoher Qualität entsteht im Erfurter Schlachthof

Erfurt.  Auf dem Areal des ehemaligen Schlachthofs an der Greifswalder Straße sollen künftig 750 Menschen wohnen. Doppelentwurf Dresdner und Hamburger Architekten für Wohnbebauung im alten Erfurter Schlachthof überzeugt die Jury

Präsentation des Siegermodells für die Wohnbebauung im Schlachthofareal mit Jury-Vorsitzendem Amandus Samsoe Sattler

Präsentation des Siegermodells für die Wohnbebauung im Schlachthofareal mit Jury-Vorsitzendem Amandus Samsoe Sattler

Foto: Michael Keller

Der Mittwoch ging in die 20. Stunde, da stieg im Speisesaal der früheren Parteischule „weißer Rauch“ auf. Nach über zehnstündigem Ringen hatte sich die fünfköpfige Jury entschieden. Für eine Doppellösung. Sie umfasst den Anteil der Wohnbebauung auf dem Areal des ehemaligen Schlachthofs an der Greifswalder Straße.

Bereits im September hatte ein Wettbewerb um das dort geplante Einkaufszentrum stattgefunden, den das Weimarer Büro Junk & Reich Architekten für sich entscheiden konnte. Dieses Mal kommen die Sieger aus Hamburg und Dresden.

16 Teilnehmer – darunter auch Bewerber aus Frankreich und Österreich – , hatten sich um die Gunst der Jury und des Auftraggebers, des Weimarer Projektentwicklers Josef Saller, beworben. Der Bauherr hatte schon im Vorfeld für sich im Stillen seinen Favoriten gekürt. Und der wurde es am Ende auch. Besser gesagt, der Triumph wurde geteilt.

Mehrere Entwürfe erhielten den Zuschlag für das Projekt in der Greifswalder Straße

Denn von vornherein hatte die Option im Raum gestanden, verschiedene Entwürfe bei Bedarf miteinander fusionieren zu können. So kam es. Der Siegerentwurf für die Blockrandbebauung im Außenbereich, der etwa drei Viertel des Gesamtprojektes ausmacht, kommt aus dem Hamburger Büro Winking Froh Architekten. Die Gestaltung des Innenbereichs des Büros Auf Den Punkt Architekten Wienke Horn aus Dresden konnte die Jury am meisten überzeugen.

Wohnen sollen hier künftig 750 Menschen. Geplant sind auf dem etwa vier Hektar großen Teilstück etwas 410 Wohneinheiten. In einem „Wohnquartier mit hoher Qualität“, wie Erfurts oberster Stadtplaner Paul Börsch betonte.

Die eigentlichen Wohn- und Schlafräume zeigen nach innen

Die Hamburger Architekten hatten dabei die knifflige Topografie des Geländes und das daraus resultierende Schallproblem – die unmittelbar vorbeiführende Bahnstrecke nach Nordhausen – am besten in die bogenförmige Gebäudefront integriert. Alle Fenster der untergeordneten Räume in den Wohnungen, also Toilette, Küche, Abstellraum, wurden der Bahnstrecke zugewandt angeordnet. Die eigentlichen Wohn- und Schlafräume zeigen nach innen. Es dominieren gläserne Treppenhäuser als Lärm- und Lichtfänger.

Das innere Areal des Gebiets wird von Solitärbaukörpern aus den Entwürfen der Dresdner Architekten geprägt. Der Entwurf verzichtete auf die Verdichtung, die in vielen anderen Entwürfen die Jury unter Vorsitz von Amandus Samsoe Sattler nicht hatte überzeugen können. Vielmehr bleibt ausreichend Platz für mit viel Grün gestaltete Innenhöfe, eine großzügige Wegeführung.

Frühere Schlachthalle im Zentrum des Areals soll erhalten bleiben

Alles wirkt feingliedrig, luftig, hell und einladend. Ohne Gefahr zu laufen, dass einem der Nachbar beim Abendessen auf den Tisch schaut. Zur Greifswalder Straße hin schirmen zwei L-förmige Bauten das Gebiet ab. „Unter städtebaulichen Aspekten sehr gut gelungen“, urteilte der Jurychef. Die breiten Zufahrten wirkten wie eine einladende Geste. Was die Juroren als sehr positiv werteten war, dass alle Teilnehmer die frühere Schlachthalle im Zentrum des Areals erhalten wollten.

„Es sollte nicht ausschauen wie in Frankfurt, Hamburg, Köln. Hier wird etwas Eigenständiges entstehen. Die luftige Anordnung der Gebäude lässt Privates und Intimität zu“, lobte Investor Josef Saller zufrieden. Der nun noch auf die Entwürfe für den dritten Teil - die Schule, die in der Mitte des alten Schlachthofes gebaut werden soll - wartet. Im Dezember wird der Wettbewerb dafür ausgelobt, im Frühjahr soll die Jury zusammentreten, um den Siegerentwurf zu küren.

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