Wortbruch der Erfurter Stadtverwaltung treibt Stotternheim zum Protest auf die Straße

Frank Karmeyer
| Lesedauer: 3 Minuten
Für die Grund- und Regelschule Stotternheim – hier ein winterliches Archivfoto – wird dringend eine Schulsporthalle benötigt. Dafür kämpft der Ortsteil bereits seit Jahren.

Für die Grund- und Regelschule Stotternheim – hier ein winterliches Archivfoto – wird dringend eine Schulsporthalle benötigt. Dafür kämpft der Ortsteil bereits seit Jahren.

Foto: Marco Schmidt

Stotternheim.  Seit Jahren kämpft der Ortsteil Stotternheim um eine Schulsporthalle. Nun scheint deren Bau erneut in Gefahr. Die Empörung ist riesig.

„Wir kommen uns verarscht vor“, sagt Bianca Wendt. Die Ortsteilbürgermeisterin ist fassungslos und wählt für sie ungewohnt harsche Worte, um Enttäuschung auszudrücken, die sich unter ihren Stotternheimer Bürgerinnen und Bürgern breit macht. Die wollen jetzt zum Protest auf die Straße gehen. Einmal mehr scheint der Bau einer Schulsporthalle für die Grund- und Regelschule, für die der Ort seit mehr als einem Dutzend Jahren streitet, aufgeschoben. Und das auf unbestimmte Zeit.

Im Entwurf des städtischen Nachtragshaushalts 2023 sind die 100.000 Euro, die für die Planungskosten eines Hallenbaus veranschlagt werden, durch eine schwarze Null ersetzt worden. Dabei fußte die Zusage auf einem erfolgreichen und vom Stadtrat bekräftigten Einwohnerantrag, empört sich auch Christian Maron. Als parteiloses Mitglied des Ortsteilrates hat er die geplanten Demonstrationen organisiert und angemeldet.

Einwohnerantrag wurde vom Stadtrat bestätigt

Aus Sicht des Ortsteilrats ist die Lage eindeutig: „Der Stadtrat und die Stadtverwaltung sichern den Neubau einer Zwei-Felder-Schulsporthalle in Stotternheim bis zum Ende des zweiten Quartals 2023. Dazu werden in der Haushaltssatzung 2021/22, dem Haushaltsplan 2021/22 und der mittelfristigen Finanzplanung die notwendigen Mittel für die Planung und den Bau der Halle vorgesehen.“ So lautete der Text eines Einwohnerantrags, den im Frühjahr 2021 unter erschwerten Corona-Bedingungen 538 Bürger unterzeichnet haben. Genauso hat der Erfurter Stadtrat ihn am 14. Juli 2021 beschlossen. 31 Stadträte stimmten zu, 16 enthielten sich, nicht ein einziger stimmte dagegen.

„Die Bürger müssen den Eindruck gewinnen, dass Versprechen des Stadtrats das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden“, sagt Maron. Dabei sei der Stadtverwaltung wie den Stadträten klar: Die alte Stotternheimer Einfeld-Halle reiche nicht im Entferntesten aus, um selbst die Pflichtstunden im Sportunterricht abzudecken. Im Schulnetzplan wird der Neubau einer Zwei-Felder Schulsporthalle in Stotternheim als „dringend notwendig“ beschrieben.

Ortsteilbürgermeisterin fürchtet einen handfesten Skandal

„Dieselben Stadträte, die dem Stotternheimer Einwohnerantrag zugestimmt haben, sollen nach dem Willen der Stadtverwaltung nun beschließen, dass gar keine Planungsmittel mehr vorgesehen und die für 2025/26 geplanten Baumittel in Höhe von 2,7 Millionen Euro gestrichen werden. Täten sie dies, wäre dies ein handfester Skandal“, so Wendt. Die Streichung schiebe der eine Dezernent auf den anderen – der Baubeigeordnete Matthias Bärwolff auf den Finanzbeigeordneten Steffen Linnert – und dieser wieder zurück.

Dass sich die Stotterheimer das nicht länger gefallen lassen wollen, wollen sie am Freitag, 25. November, um 18 Uhr mit einem stillen Protestzug in Stotternheim unter Beweis stellen. Beginn ist an der Schule, von dort geht der Demonstrationszug den Weg, den die Schülerinnen und Schüler zum Sportunterricht in der alten, sanierungsbedürftigen Sporthalle nehmen. Am Dienstag, 29. November, um 16 Uhr wird es eine Kundgebung am Rathaus am Fischmarkt geben. Geplant ist hier die Übergabe einer „Protestrolle“, die unter anderem durch Schülerinnen und Schüler der Stotternheimer Schulen gestaltet wird.