„Zocken wie Straßenfußballer“

Erfurt  Interview der Woche Uwe Balles, Vereinsvorsitzender des Erfurter Hockey-Clubs, über die Männer und den Erfolg der Mädels

Mächtig strecken für den Klassenerhalt: Das Herrenteam des Erfurter HC gewann nach dem Aufstieg in die mitteldeutsche Oberliga nur das erste von sieben Spielen und hat sechs Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

Mächtig strecken für den Klassenerhalt: Das Herrenteam des Erfurter HC gewann nach dem Aufstieg in die mitteldeutsche Oberliga nur das erste von sieben Spielen und hat sechs Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz.

Foto: Sascha Fromm

Ein erfolgreiches Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Das Männerteam des Erfurter Hockey-Clubs schaffte nach elfjähriger Abstinenz die Rückkehr in die Oberliga, der Nachwuchs zeigte mit drei Meistertiteln und fünf weiteren Medaillen, dass er das Niveau in Mitteldeutschland mitbestimmt.

Für Uwe Balles, seit 15 Jahren Vereinsvorsitzender des Erfurter HC, also ein Jahr mit vielen Jubelmomenten, aber auch kleinen Wolken am Horizont. Darüber, über das Hockey-Bundesland Thüringen und den Ehrgeiz seiner Mädels sprach er mit uns.

Das erste Spiel nach dem Aufstieg in die mitteldeutsche Oberliga gewann das Herrenteam des Erfurter HC mit 7:3 gegen Mitaufsteiger Niesky. Anschließend verlor es sechs Spiele in Folge und beendete die Hinrunde nach dem 3:8 gegen den ESV Dresden als Vorletzter. Was lief schief?

Die Mannschaftsleistung war nicht gut genug, die Schiedsrichterleistung oftmals auch nicht, so dass Spiele, in denen wir führten, noch gedreht wurden.

War der personelle Aderlass zu groß, um in der Liga bestehen zu können?

Natürlich fehlen uns Florian Ziegenbalg und Spielertrainer Sven Heydrich. Vor allem, weil sie sich studienbedingt mit Dresden und Leipzig Gegnern von uns angeschlossen haben. Wir bilden sie aus, dann gehen sie in eine „richtige“ Unistadt und die dortigen Vereine kriegen fertige Hockeyspieler. Das ärgert mich schon ein bisschen. Wir haben zwar mit Julian Walz aus Würzburg auch einen Studenten hinzubekommen, aber das passiert uns selten. Wir setzen fast ausschließlich auf Eigengewächse.

Was macht Ihnen trotz sechs Punkten Rückstands auf die Nichtabstiegsplätze Hoffnung für die Rückrunde?

Jeder Spieler weiß jetzt, worum es geht, und kann sich auf die Gegner einstellen. Es gab ja neben Niesky einige Spiele, die wir durchaus hätten gewinnen können. Ich hoffe zudem, dass die Trainingsbeteiligung wieder etwas besser wird, damit es für den Klassenerhalt reicht.

Im Nachwuchs eilen vor allem die Mädchen des Erfurter HC von Erfolg zu Erfolg. Wie kommt das?

Gerade bei unseren Mädels, die ich durch den Abgang von Sven Heydrich selbst mittrainiere, spüre ich den unbedingten Willen, sich zu verbessern. Ich bin viermal pro Woche oben auf unserem Platz, und jedes Mal sind ein paar unserer Mädels oben, die unabhängig von den Trainingszeiten einfach nur rumzocken wollen, wie Straßenfußballer. Da verbessert man sich natürlich, und in unseren Trainingslagern in Strausberg sind mittlerweile mehr Mädchen als Jungs dabei.

Hätten die B-Mädchen als mitteldeutscher Meister in einem Trainingsspiel eine Chance gegen die B-Knaben?

Das dann doch nicht, die Jungs sind ja selbst immerhin mitteldeutscher Vizemeister.

Wie steht es prinzipiell um den Hockey-Nachwuchs in Thüringen?

Der hat sich sehr gut entwickelt. Mit Heiligenstadt kam sogar noch ein neuer Hockeyverein hinzu, von dem fünf Spielerinnen vorerst bei uns dabei sind, weil sie dort noch nicht spielfähig sind. In Mitteldeutschland ist Thüringen der kleinste Landesverband, und trotzdem räumen die Teams aus Jena, Weimar und Erfurt die meisten Titel ab.

Woran liegt das?

Ich kann nur von unserem Verein sprechen. Der ist wirklich wie eine große Familie. In jedem Team gibt es Eltern, die sich um alles Organisatorische kümmern – Auswärtsfahrten, Kuchenbuffet bei Heimspielen, Betreuerfunktion. Das hält uns als Trainern den Rücken frei. Zudem sorgen wir dafür, dass alle Nachwuchsteams mehrere Trainer haben, indem auch ältere Nachwuchsspieler oder Spieler aus dem Herrenteam diese Rolle einnehmen. Der Verein floriert. Als ich vor 15 Jahren als Vereinsvorsitzender anfing, waren wir 80 Mitglieder, jetzt sind es 248.

Welche Bedeutung hat Horst Szuba, der kurz vor dem Aufstieg seinen 85. Geburtstag feierte, für den Verein?

Zu Horst habe ich immer aufgeschaut, er ist immer da, wenn man ihn braucht. Zwei Jahre vor unserem hundertjährigen Vereinsjubiläum habe ich ihn darum gebeten, eine Chronik zu verfassen, weil er wirklich alles über den Verein gesammelt hat. Sein Anteil an dieser Chronik war sozusagen 110 Prozent. Ein Beispiel seiner Leidenschaft für Statistik: Als wir 2005 mit den „Golden Oldies“ in Holland gespielt haben, wollte er unbedingt noch ein letztes Spiel bestreiten. Denn es war sein 777. für den EHC. Ich hoffe, Horst hört nicht so schnell auf, er ist für uns kaum zu ersetzen.

Welche Ziele hat der Verein noch für dieses Jahr?

2019 steht eigentlich nur noch das Pokalfinale des ostdeutschen Hockey-Verbandes in Osternienburg an. Dort peilen wir mit den B-Mädchen einen Podestplatz an – angesichts der starken Konkurrenz ein ambitioniertes Ziel. Auch unsere B-Knaben waren als beste Thüringer Mannschaft qualifiziert, sind aber wegen der Ferien nicht spielfähig. In der Hallensaison wollen wir wieder einige mitteldeutsche Meistertitel und Medaillen mit dem Nachwuchs erringen. Dass all das durch unsere Trainer, Betreuer und den Vorstand möglich ist, dafür sagt der Chef Danke.

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