Zwei Neuzugänge auf der Erfurter Krämerbrücke

Erfurt.  Künstlerbären und Papierfaltkunst ziehen auf der Krämerbrücke ein. Die Neuzugänge sind Erfurter, kreative Köpfe und wähnen sich in einem Traum.

Krämerbrückenbären halten Einzug auf dem Erfurter Wahrzeichen.

Krämerbrückenbären halten Einzug auf dem Erfurter Wahrzeichen.

Foto: Tilibom

Es gibt zwei neue Mieter auf der Krämerbrücke: Ab Juli/August sind dort die Brückenbären los, wenn Andrea Heese-Wagner ihre Künstler-Teddys einziehen lässt. In den ehemaligen Räumen der „Sehr kleinen Galerie“ der Nummer 12-14 können Besucher dann bei „Tilibom“ tief in Kindheitserinnerungen eintauchen und individuellen Kreationen nach historischem Vorbild in die Glas-Kulleraugen blicken.

Claudia Beck und Nico Reinhardt werden in die Nr. 27 ziehen mit „Qnik“: Wo bislang eine Holzbildhauerin ihren Geschäften nachging, eröffnen die beiden eine Welt der Blumen und Girlanden, der Hochzeits-Pinatas und Lampen – und alles ist aus Papier.

Wolfgang Zweigler, Vorsitzender des Stiftungsrats der Krämerbrückenstiftung, in deren Verwaltung sich die allermeisten Häuser des Erfurter Wahrzeichens befinden, ist froh, das sich Lücken wieder schließen. Er freut sich auf „wunderbare Neuzugänge“, wie er sagt. Und darüber, dass im Haus Nr. 27 eine lange Sanierungsphase endet. Ein Jahr lang war es Baustelle, nun konnte es endlich neu vergeben werden. Gegen fünf Mitbewerber haben sich Nico Reinhardt und Claudia Beck durchsetzen können. Sie sind Erfurter, kreative Gründer und Geschäftspartner – und seit zehn Jahren auch privat ein Paar. „Für uns geht ein Traum in Erfüllung“, sagt Nico Reinhardt. Bislang gab es ihre kreative Papier-Knick-Kunst nur Online und in der Weihnachtszeit im Pop-Up-Store am Fischmarkt 11. Nun erfüllt sich ihr Traum von einem eigenen Laden schneller als gedacht.

Dabei, so gibt Zweigler zu, war er erst ein Zweifler: „Kann man damit Geld verdienen?“, hatte er die beiden Kreativen gefragt. Und sich dann selbst begeistern und vom Ansturm auf den Pop-Up-Store überzeugen lassen, dass es hier einen geeigneter Zuwachs für die verschworene Krämerbrücken-Gemeinschaft gibt. „Die Frage, ob sich mit geknicktem Papier Geld verdienen lässt, hören wir sehr, sehr oft“, sagt Reinhardt lachend. „Es bedeutet viel Arbeit, aber es geht“, laute dann stets seine Antwort.

Nervös macht die Laden-Premiere das Paar dennoch. Die Idee, sich mit „Qnik“ selbstständig zu machen, stammt aus der gemeinsamen Produktdesign-Studienzeit an der Bauhaus-Uni Weimar. „Papier war schon immer unser Medium“, sagt er und Party-Artikel beiden schon immer zu ramschig. Das müsse auch qualitätvoller gehen, waren beide überzeugt und tauchten immer tiefer ein ins Thema. So falteten sie für ein Ritterspektakel 1000 Helme und Krönchen aus Papier, fanden eine individuelle Lösung auch für diesen Auftrag und schließlich auch die Geräte, mit denen sich solche Spezialwünsche in großer Zahl leichter erfüllen lassen.

Dass sie noch aufwachen wird aus einem Traum, fürchtet Andrea Heese-Wagner. Auch für sie ist es der erste Laden. Seit 20 Jahren arbeitet die Erfurterin als Grafikerin. „Doch mir hat das Manuelle gefehlt“, sagt sie. Schon als Kind habe sie ihre eigenen Puppen genäht, da war der Schritt zu Künstlerbären, denen sie vor allem eine Seele geben will, nur ein kleiner. Hintermalte Glasaugen, Mohairstoffe und eine Brummstimme gehören zu jedem sehr individuellen Bären für sie dazu - alles so wie beim ersten Teddy aus dem Jahre 1902. Wie sie den Bären Leben einhaucht, werden Besucher auf der Krämerbrücke in ihrer Bärenmanufaktur bestaunen können. Kinderspielzeug indes sind die Krämerbrückenbären nicht, dazu sind sie weder preislich, noch durch die Augen an Drahtschlaufen, gestickte Pfoten und Metallsplinte geeignet, die Arme und Beine beweglich halten.

Ein Dutzend Bewerber habe es für die beiden Krämerbückenläden gegeben, so Zweigler. Die Liste sei schon einmal länger gewesen, wie er sagt. Der Handel sei merklich unter Druck, das lasse sich auch an den Bewerberzahlen ablesen. Nach der Baustelle Nr. 27 ist erstmal Ruhe angesagt für das Buga-Jahr 2021. Erst danach soll die Bäckerei Kreuzgasse 2 an die Reihe kommen, deren Gebäude insgesamt als „verschlissen“ gilt. Weil der Bereich schon dieses Jahr wegen der Baustelle Benediktsplatz schwer zugänglich ist und wegen der erwarteten Touristenströme.