30 Jahre Friedliche Revolution

Friedliche Revolution in Gera: Zeitzeugen-Film vorgestellt

Gera.  Geraer Schüler haben Akteure aus der Wendezeit befragt. Der Film wird zum Festakt „30 Jahre Friedliche Revolution“ am Freitag vorgeführt.

 Die Siebtklässler Mia Luderer, Jette Merkel, Kari Günzel, Vincenzo Petschauer, Nino Bosold und Pierre Lohdan (von links) haben sich vor und hinter der Kamera in den Film eingebracht

Die Siebtklässler Mia Luderer, Jette Merkel, Kari Günzel, Vincenzo Petschauer, Nino Bosold und Pierre Lohdan (von links) haben sich vor und hinter der Kamera in den Film eingebracht

Foto: Marcel Hilbert

Der Bau der Mauer und ihr Fall, die Demos im Wendeherbst, aber auch der Alltag in der DDR, vom Sortiment im Laden über das Gefühl, beobachtet zu werden bis zum Vergleich von Festen damals und heute – zu all dem hatten Mia, Jette, Kari, Vincenzo, Pierre und Nino Fragen, als es um 30 Jahre Friedliche Revolution ging. Und zu all dem erhielten die Geraer Siebtklässler Antworten für ihr Filmprojekt „Der Mauerfall – Geraer Zeitzeugen erinnern sich“.

„Die Fragen, das war uns wichtig, spiegeln das wider, was die Schüler zu dem Thema interessiert“, sagt Sybille Thomae, Leiterin der Geraer Ehrenamtszentrale. 12 Zeitzeugen haben die jungen Schüler diese Fragen schließlich vor der Kamera gestellt. Das spannende 38-minütige Ergebnis wurde bei einer Vorpremiere in den neuen Räumen des Thüringer Medienbildungszentrums (TMBZ) im Kulturzentrum Häselburg vorgestellt.

Spannend vor allem deshalb, weil unter den befragten Zeitzeugen neben einigen bekannten Wendeakteuren unter anderem auch ein SED-Parteifunktionär und ein Stasi-Major zu Wort kommen. Die Fragen seien den Interviewpartnern im Vorfeld nicht bekannt gewesen. Die geschickt zusammengeschnittenen Antworten würden sich durch diese unterschiedlichen Perspektiven zu einem interessanten Gesamtbild fügen, lobten nach der Vorstellung einige Zuschauer, die im Film selbst zu Wort kommen. So der Oberpfarrer im Ruhestand und künftigem Ehrenbürger der Stadt, Roland Geipel, der darin auch einen Appell für Offenheit und gegenseitigen Respekt erkannte, oder auch Tilo Wetzel, der den Film auch gern als Ausgangspunkt einer Fortsetzungsgeschichte sehen würde. Zum Beispiel könnte man sich in einem Folgeprojekt auf die Rolle der Frauen in dieser Zeit konzentrieren, sprach er selbst den vielleicht einzigen Makel des Schüler-Films an: Unter den Zeitzeugen sind keine Frauen.

Filmdokument für Schulunterricht

Auch Olaf Böhme vom TMBZ, der die Schüler in dem Projekt mit betreute, hofft, dass der Film „keine Eintagsfliege“ bleibt. „Nicht nur die Fragen stammten von den Kindern, sie haben sich nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera eingebracht“, erzählt er. Im TMBZ sei schließlich aus den etwa 120 Minuten Interviewmaterial ein Film geschnitten worden, der in eine Unterrichtsstunde passt, wofür er auch in erster Linie gedacht sei.

Gefördert von der Bundesstiftung Aufarbeitung entstand der Film als Gemeinschaftsprojekt des Kulturbundes Gera mit der Ehrenamtszentrale und dem TMBZ sowie der sechs Schüler der Entdecker-Gemeinschaftsschule und der Dix-Regelschule. Offiziell vorgestellt wird er zur Festveranstaltung „30 Jahre Friedliche Revolution“ im Rathaus. Außerdem wird er ab 6. November im Sender „Labor 14“ des TMBZ ausgestrahlt und auf Youtube sowie in der Mediathek des Medienbildungszentrums veröffentlicht. „Nach der Feierstunde werden wir das Rohmaterial an das Stadtarchiv übergeben“, sagt Olaf Böhme.

Die Festveranstaltung „30 Jahre Friedliche Revolution“ beginnt am Freitag, 8. November, 16 Uhr mit einer Andacht in der Johanniskirche. Ein „Gang der Geschichte“ führt die Interessierten um 16.30 Uhr von dort ins Rathaus, wo 17 Uhr die Feierstunde beginnt. Neben der Film-Präsentation wird in diesem feierlichen Rahmen Roland Geipel die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen.

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