Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen in Ohrdruf

Ohrdruf .  Bildungsminister Holter zum Start der Zwölfer im Gymnasium Ohrdruf. Plädoyer fürs Händewaschen, Absage an Maskenpflicht im Unterricht.

Nach der Corona-Zwangspause hat im Gymnasium Gleichense für die Abitur-Kurse die Prüfungsvorbereitung begonnen. Die Zwölfer sitzen in Zehner-Gruppen auf Abstand, während  Lehrer Max Beese an der Tafel die Mathe-Aufgaben erklärt

Nach der Corona-Zwangspause hat im Gymnasium Gleichense für die Abitur-Kurse die Prüfungsvorbereitung begonnen. Die Zwölfer sitzen in Zehner-Gruppen auf Abstand, während Lehrer Max Beese an der Tafel die Mathe-Aufgaben erklärt

Foto: Sascha Fromm

Bei Gleichense in Ohrdruf hat am Montag wie in anderen Gymnasien Thüringens die Vorbereitung auf die Abi-Prüfung begonnen. Nach knapp sechs Wochen Corona-Zwangspause steht Lehrer Max Beese wieder an der Tafel und erläutert mathematische Formeln. Vor ihm sitzen die Schüler – wie immer, fast. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Es gibt einige deutliche Unterschiede zum normalen Schulbetrieb. Die Zwölfer sitzen einzeln an Tischen, maximal zehn Schüler im Raum. Jeder hat neben dem Mathebuch auch eine Mund- und Nasen-Schutzmaske in Reichweite. Beese unterrichtet zwei Gruppen gleichzeitig, springt von Raum zu Raum. Kollegin Angela Amling steht vor der dritten.

Herausforderung: Busverkehr mit Abstandsregelung und Maskenpflicht

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ist mit Gothas Landrat Onno Eckert (SPD) und Schulamtsleiter Wolfram Abbé ins Gleichense-Gymnasium gekommen, um sich über Organisation des Unterrichts, Infektionsschutzmaßnahmen bis hin zum Schülerverkehr zu informieren. Den Busverkehr mit Abstandsregelung und Maskenpflicht abzusichern, werde eine Herausforderung für Schul- und Verkehrsträger, wenn die jüngeren Jahrgänge auch wieder zur Schule gehen. Es gebe Regionen, wo Busse mehrfach fahren müssten, weiß Holter.

Am Gymnasium Ohrdruf gibt es in der insgesamt schwierigen Situation eine glückliche Konstellation: Es sind nur 28 Abiturienten. Die Jahre zuvor waren es 40 bis 60, sagt Schulleiter Volker Rühl. Die Dreiteilung der Zwölfer nennt er überschaubar. Anders sieht es aus, kommen nächsten Montag die Zehntklässler mit weiteren sechs Gruppen hinzu.

Überall im Schulhaus gibt es Hinweise, Abstand zu halten. Die Tische stehen auseinander, an jedem nur einen Stuhl. Als besondere Schutzmaßnahme ist Gleichense zur Schule der offenen Tür erklärt worden. Alle Türen sind geöffnet, damit die Klinken nicht angefasst werden müssen. „Wir wollen das Risiko der Ansteckung minimieren“, erklärt der Schulleiter.

Desinfektionsspender am Eingang gibt es nicht. Holter wie Landrat Eckert sprechen sich gegen Desinfektionsspender in Schulen aus. In Grundschulen seien diese ohnehin problematisch. „Händewaschen ist das A und O“, sagt der Bildungsminister.

Landrat Eckert ist für Samstagsunterricht

Die Einführung der Maskenpflicht in Schulen hält Holter für nicht notwendig. Er verweist auf eine entsprechende Aussage des Robert-Koch-Instituts. Im Gegensatz dazu schreibt Jena als erste Stadt in Deutschland seit Montag das Tragen von Masken in Schulen verbindlich vor. „Jena prescht wieder vor“, sagt Holter. Er hätte sich gewünscht, dass die Thüringer einheitlich vorgehen.

Landrat Eckert bringt Samstagsunterricht ins Spiel, um Unterrichtsausfall zu kompensieren. Das sieht aber das Thüringer Schulgesetz nicht vor. Es sei unwahrscheinlich, dass das bis zu den Sommerferien geändert werde, so Holter. „Aus heutiger Sicht wird es keine Sechs-Tage-Woche in den Schulen geben.“

Jetzt gilt das Augenmerk den Abiturienten. So viel Zeit vor Prüfungsbeginn und zum Selbststudium habe es noch nie gegeben, bemerkt Lehrerin Angela Amling mit Blick auf die Wochen seit Schulschließung Mitte März. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sei in Thüringen der Prüfungstermin bewusst vom 20. April um einen Monat verschoben worden, um trotz Einschränkungen Zeit für letzte Noten und gezielte Vorbereitung zu lassen, sagt der Bildungsminister. Dafür bleiben drei Wochen Zeit, bevor am 18. Mai die Prüfungen beginnen.

„Wir arbeiten gemeinsam daran, dass der Abi-Jahrgang 2020 zu einem vernünftigen Abschluss kommt“, lautet Rühls Maßgabe. Auch für den abgesagten Abi-Ball hat er eine Lösung: Der könne zeitlich versetzt gefeiert werden. Er wolle, dass der Abi-Jahrgang nicht sang- und klanglos nach Hause gehe.

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