Ambitionierte Klänge im Ekhof-Theater

Gotha  Das Holzbläseroktett unterhielt die Hörer mit Kammermusik. Die Dramaturgie dieser musikalischen Stunde begann beim Schwierigen und endete beim Leichten.

Das Holzbläseroktett der Thüringen-Philharmonie spielte im Ekhof-Theater.

Das Holzbläseroktett der Thüringen-Philharmonie spielte im Ekhof-Theater.

Foto: Dieter Albrecht

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„Nein, das ist wirklich doch zu keck! Wie kann er es nur wagen, der vollgetrunkne dicke Geck, mit Liebe mich zu plagen!“ Frau Fluth ist ordentlich empört. Doch bevor sie und Frau Reich den liebestollen John Falstaff „mit Weiberlist in eine sichre Falle“ locken und das Sonntagnachmittagspublikum im Ekhof-Theater sich den volkstümlichen, leicht eingängigen Melodien aus Otto Nicolais komisch-fantastischer Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ hingeben kann, dauert es noch eine Weile. Denn die Dramaturgie dieser musikalischen Stunde beginnt beim Schwierigen und endet beim Leichten.

Anspruchsvoller Einstieg ins Konzertprogramm

In der Tat schwierig für das zum Teil von auswärts kommende Publikum, dem es nicht selten in erster Linie nur darum geht, das Flair des historischen Theaters auf sich wirken zu lassen, ist das erste Werk, für das sich das Holzbläser-Oktett der Thüringen-Philharmonie entschieden hat: das Divertimento Es-Dur des englischen Komponisten Gordon Percival Septimus Jacob (1895-1984), den man einen Meister der gemäßigten klassischen Moderne nennen darf. Motivisch einfallsreich, rhythmisch markant, zwar oft harmonisch herb, aber in lebendiger Farbigkeit funkelnd, verlangt diese Musik nach einem wachen, aufgeschlossenen Hörer und belohnt ihn mit dem Gefühl, gute Unterhaltungsmusik mit Tiefgang gehört zu haben.

War das soeben gehörte Divertimento eine Originalkomposition, sollten zwei Bearbeitungen folgen. Zuerst Ausschnitte aus Sergej Prokofjews Ballettmusik „Romeo und Giulietta“. Viele Hörer kennen das Original für Orchester und können sich noch gut daran erinnern, wie stark sie die erste Bekanntschaft mit dieser Musik beeindruckt hat. Zwar kann ein Ensemble aus Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern niemals die dramatische Wucht erzeugen, der man sich in der Orchesterversion des „Tanzes der Ritter“ (Montague und Capulet) gegenüber sieht. Doch reizvoll ist es allemal, in der kunstvoll zelebrierten Kammermusik das schwergewichtige Original wiederzuerkennen und sich an der ungewohnten ästhetischen Sichtweise zu erfreuen.

Zum Schluss also spielten Amandine Riou und Elke von Frommanshausen (Oboen), Stefan Happ und Horst Endter (Klarinetten), Stefan Goerge und Thomas Wagner (Fagotte) sowie Matthias Standke und Michael Horn (Waldhörner) beliebte Melodien aus der Nicolai-Oper und präsentierten damit ein drittes Mal eine gute Mischung aus Musikantentum und präzise aufeinander abgestimmtem Ensemblespiel.

Es war ein musikalisch anspruchsvoller, angenehm unterhaltender Nachmittag.

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