Gotha. Marianne Brandt hat in Gotha mehr Entwürfe umgesetzt als in ihrer gesamten Bauhauszeit.

Über die Bauhauskünstlerin Marianne Brandt (1893-1983) gibt es schon einige Publikationen auf dem Markt. Ein neues Werk, ein besonders umfassendes, soll jetzt in Frankreich publiziert werden. Die Pariser Grafikerin und Bauhaus-Forscherin Stéphane Dupont begab sich für ihre Recherche zum Buch auch nach Gotha und wurde hier prompt fündig.

Für Klaus Blechschmidt ist das kein Wunder. „In Gotha sind mehr Marianne-Brandt-Entwürfe in industrielle Serien umgesetzt worden als in ihrer gesamten Bauhauszeit.“ Der Diplom-Formgestalter forscht schon viele Jahre zu den Themen Bauhaus und Marianne Brandt. Der Künstlerin schreibt er über 50 Entwürfe in ihrer Gothaer Zeit zu. Die Französin Stéphane Dupont wurde so auf den Gothaer aufmerksam und kontaktierte ihn über das Internet.

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Für eine Woche weilte Dupont in Deutschland und besuchte die Lebensstationen Marianne Brandts in Dessau und Weimar. In Gotha führt sie Klaus Blechschmidt natürlich auf Schloss Friedenstein. Schließlich hatte man hier 2009 die Ausstellung „Modern, aber nicht modisch – Bauhauskünstler in Gotha“ gezeigt.

Forscherin trifft Kuratorin der Bauhausausstellung

Auf dem Schloss wird die Französin nicht nur von Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) und Timo Trümper, Direktor für Wissenschaft und Sammlungen, empfangen. Auch Kunstwissenschaftlerin Helga Wilfroth, die Kuratorin der Gothaer Bauhausausstellung, ist gekommen und hat ihren Katalog von 2009 noch einmal mitgebracht.

Begeistert blättern Klaus Blechschmidt und Stéphane Dupont auf Schloss Friedenstein in originalen Katalogen des Ruppelwerkes. Marianne Brandt gestaltete in ihrer Gothaer Zeit um die 50 Gebrauchsobjekte für die Metallwarenfabrik.
Begeistert blättern Klaus Blechschmidt und Stéphane Dupont auf Schloss Friedenstein in originalen Katalogen des Ruppelwerkes. Marianne Brandt gestaltete in ihrer Gothaer Zeit um die 50 Gebrauchsobjekte für die Metallwarenfabrik. © Dirk Bernkopf

Dupont bekennt, Kreuchs Ausspruch „In Gotha kam das Bauhaus auf den Küchentisch“ zu kennen. Er spielte damit auf Brandts Entwürfe für die Bedarfs- und Massengüter-Produktion an. „Das Bauhaus spielte in Frankreich und in meinem Leben eine enorme Rolle“, schildert die Französin. „Ich habe Grafik und Design studiert und bin mit 20 in einem Austauschjahr nach Weimar gekommen.“ Dupont zeigte sich anfangs von der Bauhaus-Architektur fasziniert. Marianne Brandt ist ihr da noch unbekannt.

Im Pariser Kunstgewerbemuseum „Musée des Arts décoratifs“ entdeckt Dupont schließlich erste Arbeiten von Marianne Brandt. Als ihr vor zehn Jahren ein Freund ein Foto von Brandt mit den Worten „Das ist für dich, du musst sie erforschen“ zusteckt, ist ihr Forscherdrang geweckt.

Marianne-Brandt-Alphabet in Deutschland noch unbekannt

„Ich begann im Urlaub meine Recherche und entdeckte in Archiven Fotos und Briefe von Brandt“, blickt Dupont zurück. 2017 entwirft Stéphane Dupont für das Centre nationale des arts plastiques (CNAP) als Hommage an die Wegbereiterin des Produktdesigns ein Marianne-Brandt-Alphabet. „Es ist in Deutschland leider viel zu wenig bekannt“, bedauert Dupont.

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In Gotha kann die Französin nicht nur aus den sehr ergiebigen Gesprächen mit Helga Wilfroth und Klaus Blechschmidt schöpfen. Bei ihrem Besuch im Kabinett der Moderne betrachtet sie auch die Ausstellungsstücke von Brandt, die von 1929 bis 1932 im Ruppelwerk Gotha als Gestalterin tätig war. Zudem übergibt Timo Trümper ihr originale Katalog-Unterlagen der Metallwarenfabrik zur Einsicht – willkommene Rechercheobjekte.

Sammlungsdirektor Timo Trümper (von links) führte Forscherin Stéphane Dupont und Dolmetscherin Anita Fuchs durch das Kabinett der Moderne im Schloss.
Sammlungsdirektor Timo Trümper (von links) führte Forscherin Stéphane Dupont und Dolmetscherin Anita Fuchs durch das Kabinett der Moderne im Schloss. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Stéphane Dupont bereitet ihr Buch mit dem Verlag Atelier EXB (der auf Fotografie spezialisiert ist) vor. Wenn alles gut geht, könnte es schon 2025 erscheinen. „Es könnte ein besonders intensives Werk werden“, meint die Französin zum Abschied. „Es ist an der Zeit“, antwortet Klaus Blechschmidt. „Immerhin wird Gotha so wieder etwas in die Welt getragen.“

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