Ausstellung zu Oskar Schlemmer in Gotha

Gotha  100 Jahre Bauhaus: Eine Schau im Herzoglichen Museum widmet sich noch bis Ende Juli dem Schaffen Oskar Schlemmers. Wir stellen nun sein Werk „Triadisches Ballett“ vor.

In Gotha kann im Herzoglichen Museum eine Ausstellung zu Oskar Schlemmer besucht werden. Hier sind zehn Figurinen zum „Triadischen Ballett“ zu sehen. Foto: Ivan Baschang, Sammlung Würth

Foto: Ivan Baschang, Sammlung Würth

„Ballett? Ballett!“, heißt es in Oskar Schlemmers Prospekt anlässlich der Uraufführung des „Triadischen Balletts“ 1922 in Stuttgart, der Geburtsstadt des Künstlers. Doch jenem Zuschauer, der sich unter dem Titel drei tänzelnde Ballerinen vorstellt, dürfte der Atem stocken, denn was er zu sehen bekommt, ist avantgardistisch: 18 in ausladenden Kostümen sich spärlich, fast schon mechanisch bewegende Tänzerinnen und Tänzer führen das Publikum durch das dreigeteilte Stück.

Im ersten Abschnitt „Gelbe Reihe“ ist die Bühne „zitronengelb“ ausgehangen und die Stimmung „heiter-burlesk“. „Festlich-getragen“ wird es in der darauffolgenden „Rosa-Reihe“ und schließlich „mystisch-phantastischer Art“ vor schwarzem Hintergrund. – Diese Erläuterungen aus dem Bauhausbuch 4 „Die Bühne im Bauhaus“ erschienen 1925 unter Beteiligung Schlemmers und verweisen auf seine schon früh beginnende Auseinandersetzung mit dem Tanz.

In seinen Tagebuch-Einträgen vom Dezember 1912 imaginiert der Künstler einen Dämon, der die Welt des Theaters durchwirbelt, bis ein Cherub, ein Engel, sie als Erlöser wieder eint.

Diese als Stück geplante Fantasie konzipierte Schlemmer bereits in Verbindung mit einer Abfolge verschiedenfarbiger Hintergründe, denen er jeweils entsprechende psychische Wirkungen zusprach.

Inspiriert wurde er für diese Farbsymbolik wohl durch den russischen Künstler Alexander Scriabin, der für seine Klavierstücke jeden Ton in eine Farbe übersetzte.

Und auch Schlemmer ist es wichtig, eine insbesondere zu seinen Kostümen passende Musik für das „Triadische Ballett“ zu finden. Zwei Versuche, zeitgenössische Komponisten für das Projekt zu gewinnen, scheitern und so verlegt er sich auf eine Auswahl historischer Stücke unter anderem von Haydn, Mozart, Galuppi und Händel.

Ausstellung ist täglich geöffnet

Zu insgesamt zwölf Kompositionen treten Schlemmers Figuren allein, als Paar oder in Dreiergruppen auf. Die Darsteller bewegen sich nach einer Choreografie, die er „Bodengeometrie“ nennt und welche mit den kunstvoll gestalteten Kostümen korrespondiert.

Diese bewirken eine bewusste Einschränkung der körperlichen Ausdruckskraft, um die Tänzerinnen und Tänzer zu neuen Bewegungsformen zu zwingen und ihre Individualität hinter das Augenscheinliche zurücktreten zu lassen. Mit dem „Triadischen Ballett“ erschafft der Bauhausmeister so von Tänzern bewegte Plastik im Raum.

Keineswegs ist das Stück ein zielloses Aufeinandertreffen belebter Objekte, doch klingt im Verlauf des Tanzes wieder seine 1912 festgehaltenen Fantasien an. Von scherzhaften, fast noch menschlichen Verkleidungen über feierliche Trachten wird der Zuschauer langsam von dem Glauben an ein verspieltes Fest weggeführt, um schließlich dem triumphierend-kämpferisch eine Keule in die Luft reckendem „Abstrakten“ gegenüberzustehen.

In Schlemmers Notizen zu seinen Tanzprojekten fällt seine Verherrlichung der „reinen abstrakten Form“ auf, während er das „Unreine“ vehement ablehnt. Wenn man so will, findet man hier also den thematisierten Dualismus von Chaos und Einheit wieder.

Und um diese reine Form in der darstellenden Kunst herauszuarbeiten, distanziert sich Schlemmer deutlich von jeder illusorischen Verschleierung von Künstlichkeit. Dies ist der Grund, aus dem er sich für das Ballett, das seiner Auffassung nach noch am wenigsten in illusionistischen Traditionen verhaftet ist, als geeignete Ausdrucksform entscheidet.

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