Bad Tabarz: Interessante Funde bei Grabungen

Bad Tabarz  Zweiwöchige Grabung im Cabarzer Steinbruch bringt erneut eine Reihe interessanter Fossilien ans Tageslicht.

Fündig geworden: Ralf Werneburg (links) vom Naturhistorischen Museum in Schleusingen und Stephan Brauner, Geoloege des Geoparks Inselsberg -Drei Gleichen, präsentieren die Funde der zweiwöchigen Grabungszeit im Steinbruch am Fuße des Inselsberges.

Fündig geworden: Ralf Werneburg (links) vom Naturhistorischen Museum in Schleusingen und Stephan Brauner, Geoloege des Geoparks Inselsberg -Drei Gleichen, präsentieren die Funde der zweiwöchigen Grabungszeit im Steinbruch am Fuße des Inselsberges.

Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Die Paläontologen sind im Steinbruch unterhalb des Inselsberges wieder fündig geworden.

Doch bevor die eigentliche Grabung vor zwei Wochen begann, führte Professor Jörg Schneider von der Bergakademie Freiberg Wissenschaftler über die Fundstelle. Die Damen und Herren aus Japan, China, den USA, Italien, Frankreich und England wollten unbedingt den Steinbruch in Cabarz mit eigenen Augen sehen. Er bietet einen spektakulären Blick in die Lebenswelt vor 295 Millionen Jahren, und zwar einen ziemlich kompletten. Man müsse sich eine Seenlandschaft vorstellen, belebt mit Pflanzen und Tieren, sagt Schneider. „Erstaunlich viele davon haben sich im Gestein erhalten, Fische und Saurier und Insekten. Für uns ein Fenster in die Zeit des Perms.“

Ein Fenster in die Zeit des Perms

Schon in den 80er Jahren wurde Ralf Werneburg auf diese Fundstelle aufmerksam gemacht, von einem Hobbysammler aus Waltershausen. Damals arbeitete er ebenfalls noch an der Uni in Freiburg. „Da begannen wir mit den ersten Grabungen. Dank der guten Zusammenarbeit mit den Mitteldeutschen Kieswerken, die hier Gestein abbauen, kam es dann zu regelmäßigen Forschungen.“ Heute arbeitet Werneburg am Naturhistorischen Museum in Schleusingen. Das beteiligt sich ebenso an der Grabung wie Stephan Brauner vom Geopark „Drei Gleichen – Inselsberg“.

Auch in diesem Jahr gab der einstige Seegrund aus der Rotliegend-Zeit (Unter-Perm) erstaunliche Funde frei. Bis zu 17 Grabungsmitglieder spalteten mit Hammerschlägen das Gestein auf, immer nach der Suche nach Fossilien. Zu 95 Prozent ist sie vergeblich, doch die verbleibenden fünf Prozent haben es in sich. Babett Jurke holte die Versteinerung einer Nymphenschabe ans Tageslicht. „Ein Sensationsfund“, schätzt ihr Professor ein, „sie ist gut erhalten.“ Und weltweit sei bislang nur ein vergleichbares Exemplar in Frankreich gefunden. Geopark-Geologe Brauner freut sich: „Wieder einmal ist unterstrichen, wie wichtig diese Fundstelle im Bad Tabarzer Ortsteil weltweit ist.“ Vor Jahren entdeckte ein Hobbyforscher das Skelett eines Pelycosauriers. Zu aller Erstaunen handelte es sich um eine völlig neue Art, die den Namen des Fundortes und ihres Entdeckers erhielt: Cabarzia trostheidei. Heute weiß man, es handelt sich um den ältesten zweibeinig laufenden Saurier.

Für Sebastian Gehrmann aus Gotha ist es die zweite Grabung im Steinbruch. Er gehört zu den Studenten von Professor Schneider, die hier ihr Grabungspraktikum absolvieren. Am Donnerstag, kurz vorm Grabungsende, entdeckte er einen Saurier, der noch sehr jung sein Ende fand und im Meeresgrund konserviert wurde. „Funde in einem solchen Stadium sind eher selten, meist sind es ältere Tiere.“

Bekannt ist der Steinbruch wegen seiner Insektenfunde. Offenbaren sich andernorts den Forschern lediglich Reste der Tiere, sind in Cabarz die Insekten fast gänzlich im Stein erhalten geblieben. Anhand der Flügelstruktur können die Forscher sie klassieren. Unter anderem finde man hier Exemplare von Blattinopsida, einer ausgestorbenen, rätselhaften Insektenart, erklärt Brauner. Übers Wasser flog vor 295 Millionen Jahren auch eine gewaltige Eintagsfliege, die Tabarzer Rieseneintagsfliege. „Ihre Maße ließen sich nicht komplett auf ein A3-Blatt übertragen.“

Ralf Werneburg zeigt sich mit den Grabungsergebnissen zufrieden: „Zur Schabe gesellen sich etwa 30 weitere Insekten-Überreste, bildschöne Branchiosaurier, Muschelkrebse und Pflanzen. Einige versteinerte Kot-Steine verraten uns, was die großen Lurche in dem See so gefressen haben. Sogar ein sehr gut erhaltener verkieselter Baumstamm gehört zu den aktuellen Funden.“

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