Blick in die Gothaer Historie: Die englische und belgische Verwandtschaft kommt zu Besuch

Gotha.  Gothaisches Kalenderblatt August: Conrad Ekhof wurde als Vater der deutschen Schauspielkunst zu allen Zeiten gewürdigt.

Die Bürgeraue-Kaserne – hier auf einem Foto von Ernst Roepke aus Wiesbaden von 1890 – wurde im August 1845 vom Gothaer Militär bezogen.

Die Bürgeraue-Kaserne – hier auf einem Foto von Ernst Roepke aus Wiesbaden von 1890 – wurde im August 1845 vom Gothaer Militär bezogen.

Foto: Ernst Roepke / Repro: Matthias Wenzel

Am 3. August 1995 erfolgte zum Schuljahresbeginn die Umwandlung der vormaligen Regelschule „Herzog Ernst“ in der Reinhardsbrunner Straße 19 in eine Kooperative Gesamtschule. Damit kehrte die Bildungseinrichtung de facto zu ihren Wurzeln zurück, denn bereits bis 1959 konnte in dem vormaligen Lehrerseminar das Abitur abgelegt werden.

Nachdem am 3. Juli die erste Ausgabe der Thüringer Volkszeitung erschienen war, enthielt diese am 8. August 1945 erstmalig einen Gothaer Lokalteil unter der Redaktion des Sozialdemokraten und vormaligen KZ-Häftlings Otto Geithner (1876-1948).

Der runde Geburtstag des als Vater der deutschen Schauspielkunst in die Theatergeschichte eingegangenen Conrad Ekhof (1720-1778) wurde zu allen Zeiten gewürdigt. So war sein 275. Wiegenfest der Anlass dafür, dass am 8. August 1995 Elisabeth Dobritzsch als Direktorin des damaligen Museums für Regionalgeschichte und Volkskunde eine Publikation unter dem Titel „Barocker Bühnenzauber: Das Ekhof-Theater in Gotha“ veröffentlichte.

Die berufliche Tätigkeit des am 11. August 1870 in Naumburg geborenen Pädagogen Heinrich Anz führte über Quedlinburg, Rudolstadt, Barmen, Plön, Magdeburg und Charlottenburg nach Gotha, wo er 1914 Direktor des Gymnasium Ernestinum wurde. Wegen seiner fortgeschrittenen Schwerhörigkeit wurde Professor Anz 1935 feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Der Oberstudiendirektor starb am 4. Februar 1944.

Die Conrad-Ekhof-Ehrung der Stadt Gotha zum 275. Geburtstag fand am 11. August 1995 statt. Inzwischen jährt sich der Geburtstag des am 12. August 1720 in Hamburg geborenen Schauspielers zum 300. Male. Helga Raschke wird den am 16. Juni 1778 bereits im 58. Lebensjahr verstorbenen Jubilar mit einem Beitrag würdigen.

Auch der 250. Geburtstag wurde vor einem halben Jahrhundert am 12. August 1970 mit einer Ehrung an seinem Grabstein begangen. Dieser war ein Jahr zuvor vom alten Friedhof II an der Eisenacher Straße auf den Hauptfriedhof umgesetzt worden, wo er sich noch heute befindet.

Am 12. August 1895 erfolgte die Grundsteinlegung für das neue Gerichtsgebäude im vormaligen Park des Schlosses Friedrichsthal durch den damaligen Herzog Alfred. Die Grundsteinurkunde wurde in den linken Eckstein zum Haupteingang des zukünftigen Gebäudes versenkt. Darauf steht nach wie vor die Inschrift: „Gesetzt von S.K.H.H.A.v.S.C.G. 12. August 1895.“ Die Abkürzungen bedeuten: „Seiner Königlichen Hoheit Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha“. Nach nur vierzehnmonatiger Bauzeit erfolgte am 15. Oktober 1896 die Einweihung, wovon noch zu berichten sein wird. Die Inschrift auf dem Grundstein hat wohl nur dank der vielen schwer deutbaren Abkürzungen die DDR-Zeit überlebt.

Ein halbes Jahrhundert später fand am 12. August 1945 ein freiwilliger Hilfsdienst im Park zur Beseitigung von Bombentrichtern und Trümmern statt.

Am darauffolgenden 13. August 1945 erfolgte die Bildung eines Blocks der vier antifaschistischen Parteien mit je drei Vertretern als „antifaschistische Einheit in Gotha“. Je fünf Vertreter der Gothaer KPD und SPD hatten bereits am 7. August einen gemeinsamen Arbeitsausschuss gebildet. Dies war der erste Schritt in Richtung Einheitspartei gewesen.

Die auf der eigentlichen Bürgeraue neu erbaute Kaserne wurde am 21. August 1845 an das Gothaer Militär übergeben, das bis dahin seinen Sitz im Ordonnanzhaus am Mühlgrabenweg gehabt hatte. An der militärischen Nutzung des heutigen Lebensmittelmarktes hat sich bis 1980 nichts geändert.

Am 21. August 1970 wurde der Generalmusikdirektor Fritz Müller (1905-1979), der Gründer des Landes- und späteren Staatlichen Sinfonieorchesters Thüringen, Sitz Gotha, nach 19-jähriger Dirigententätigkeit in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger wurde Gerhart Wiesenhütter.

700 obdachlose Flüchtlinge befanden sich am 24. August 1945 im Auffanglager Gotthardschule. Geplant war ihre Verlegung in das Dauerlager „Ostsiedlung“ (spätere Kindleber Siedlung) im vormaligen Fliegerhorst.

Der am 25. August 1895 verstorbene Lexikograph und Gymnasialprofessor Karl Ernst Georges wird in zwei Wochen anlässlich seines 125. Todestages in der Reihe „Jubilar des Monats“ ausführlich vorgestellt. Er wurde am 30. Dezember 1806 als Sohn eines Hofglasermeisters geboren.

Die Residenzstadt Gotha bekam am Abend des 28. August 1845 gleich doppelten königlichen Besuch, denn an jenem Tag begann der bis zum 3. September dauernde Aufenthalt der englischen Königin Victoria und des Prinzen Albert sowie ihres Onkels, des belgischen Königs Leopold, auf Einladung ihres Cousins und Neffen Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha. An der abgebildeten Ehrenpforte wurden die Gäste vom Magistrat und der Geistlichkeit begrüßt.

Am nächsten Tag wurde das traditionelle Vogelschießen besucht und anderntags fand eine Jagd am Weißenberg bei Tabarz statt. Der diesbezügliche Gedenkstein steht jedoch inzwischen bei der Tanzbuche. Den letzten Tag des Monats August verbrachten die „allerhöchsten und höchsten Herrschaften im engen Familienkreise auf dem Schlosse Molsdorf“.

Am 29. August 1895 starb der Jurist, Schriftsteller und Geheime Justizrat Adolph Hermann Ewald. Er wurde am 24. Januar 1824 als Sohn des späteren Kriegs- und Geheimen Hofrats Wilhelm Ewald (1791-1865) geboren und war der ältere Bruder des Hofamtspräsidenten und Generaldirektors Wilhelm Ewald (1825-1887).

Schließlich wurde am 31. August 1970, dem Vorabend des Weltfriedenstages, der neu erbaute Kindergarten „Friedenstaube“ in der Bufleber Straße als 20. Kindereinrichtung Gothas übergeben.