Concertino in Gotha nimmt Zuhörer mit in den Zoo

Gotha  Die Thüringen-Philharmonie hatte in Gotha wieder zum Kleinkinderkonzert eingeladen. Bei dem Auftritt stakte der Flamingo anmutig und sprichwörtlich durchs flache Wasser.

Kerstin Klaholz macht beim Concertino einen Elefanten nach.

Kerstin Klaholz macht beim Concertino einen Elefanten nach.

Foto: Dieter Albrecht

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Zehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung ist auf den weichen Bodenmatten im Probenraum der Thüringen-Philharmonie kaum noch ein Platz zu finden, aber noch immer kommen Muttis und Vatis mit ihren Jüngsten. Im ersten Kleinkinderkonzert der neuen Saison wird das Bläseroktett mit Musik aus Mozarts „Zauberflöte“ und Prokofjews „Romeo und Giulietta“ aufwarten. Und wie immer hat sich die Weimarer Kulturpädagogin Kerstin Klaholz auch diesmal einiges ausdenken müssen, um die Kleinen 45 Minuten lang musikalisch zu beschäftigen.

Los geht es mit der „Zauberflöten“-Ouvertüre, und plötzlich ist außer Musik kaum etwas zu hören im Raum. Einige Muttis haben ihr Kleines im Arm und schaukeln es sanft.

Dann unternehmen Kleine und Große einen Ausflug in den Zoo. Zu Papagenos Lied „Der Vogelfänger bin ich ja“ spielt Kerstin Klaholz, genau wie in der Oper, die Panflöte. Anschließend gibt es für alle etwas zu tun: Auf eine einfache Kanonmelodie, die den Sechstonraum nicht überschreitet, wird gesungen, geklatscht, mit den Fingern geschnipst, getrampelt. Ob die Koordination bei den Erwachsenen klappen wird? Die Kleinsten beschränken sich aufs Beobachten. Was soll‘s – „Macht einfach alle mit!“, sagt Klaholz.

Minuten später haben sich alle ein wenig abgearbeitet und sind locker – das erhöht die Aufmerksamkeit beim „Zoobesuch“. Lustige, gefühlvolle und kraftvolle Tänze aus Prokofjews Suite folgen. Nur dass, im Gegensatz zu originalen Handlung des Balletts, nicht die beiden Liebenden an der Sturheit der Montagues und der Capulets scheitern, sondern Erdmännchenkinder Fangen spielen, der Flamingo durchs flache Gewässer stelzt, die Affen einander necken, die Kängurus durch die Gegend hüpfen und der Löwe – nun wieder mit Mozart – seine Macht zur Schau stellt.

Hinter dem lustigen Spiel stecken ernste Überlegungen: Längst haben Hirnforscher nachgewiesen, dass Musik Babys und Kleinkinder emotional berührt, ihr Gehör, ihr rhythmisches Verständnis und ihr Konzentrationsvermögen schult, die Sprachentwicklung fördert und ihr Sozialverhalten positiv beeinflusst. Mit anderen Worten: In dieser Dreiviertelstunde passiert viel mehr, als sich äußerlich erkennen lässt.

Freilich gilt auch hier das Sprichwort: Steter Tropfen höhlt den Stein. Angenommen, die Kleinen würden während der Monate zwischen diesen Konzerten zu Hause mit aggressivem Band-Sound zugedröhnt oder mit banaler Flachdudelei berieselt, anstatt weiterhin klassische Musik zu hören, würde der hier gelegte Samen wohl vertrocknen. Andererseits: Wer mit seinen Kleinen zum „Concertino“ geht, der weiß davon und handelt entsprechend umsichtig – und der Samen wird aufgehen.

So ein Konzert dauert nur eine Dreiviertelstunde, aber die hat es in sich. Am Ende ist alles prächtig gelaufen, Kerstin Klaholz hat mit dem Gang der Flamingos eine eindrucksvolle Pantomime vorgeführt – und niemand hat sich beim Tanz der Giraffe die Beine verknotet.

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