Die Michaelisschule in Ohrdruf steht auf wackligem Grund

Ohrdruf  Beim geplanten Straßenbau in Ohrdruf drohen Setzungen und Risse an der altehrwürdigen Michaelisschule. Der Kreis plant die Sicherung des Gebäudes. Die Frage zur Zukunft des Schulstandortes ist aber noch nicht geklärt.

Die Michaelisschule Ohrdruf steht auf dünnem Fundament und drei Meter hohen Aufschüttungen. Wenn die Stadt Ohrdruf mit dem Abwasserzweckverband Apfelstädt-Ohra die Straße grundhaft erneuern lässt, drohen Setzung und Risse am Gebäude.

Die Michaelisschule Ohrdruf steht auf dünnem Fundament und drei Meter hohen Aufschüttungen. Wenn die Stadt Ohrdruf mit dem Abwasserzweckverband Apfelstädt-Ohra die Straße grundhaft erneuern lässt, drohen Setzung und Risse am Gebäude.

Foto: Wieland Fischer

Die Michaelisschule in Ohrdruf steht auf schwachem Grund. Das denkmalgeschützte Schulhaus ist auf Setzungserscheinungen untersucht worden. Diese ergaben, dass die bestehende Gründung auf bis zu drei Meter tiefen Auffüllungen steht. Das Fundament reiche nur 20 bis 70 Zentimeter in die Tiefe. Es drohen Risse, wenn die Stadt die Straße um die Michaelisschule neu herrichten lässt.

Der Landkreis als Schulträger will das Fundament stützen, damit etwaige Schäden am Gebäude ausgeschlossen werden können. Es wird mit Kosten in Höhe von rund 650.000 Euro gerechnet.

Kurzerhand hat eine Kreistagsmehrheit diese überplanmäßige Ausgabe nicht bewilligt. Der Kreistag hat nach kontroverser Debatte mehrheitlich beschlossen, dass darüber erst einmal im Bauausschuss beraten werden soll.

Ohrdrufer wollen Innenstadt aufwerten

Das hatte Uwe Oßwald (CDU) beantragt. Er sehe keine zwingende Notwendigkeit, jetzt eine Summe von fast 700.000 Euro in die Michaelisschule zu investieren. Der Leinatal-Bürgermeister erinnerte daran, dass im Etatentwurf des Landkreises für das kommende Jahr noch einmal eine halbe Million Euro zur Gebäudeuntersuchung geplant seien. „Wir würden 700.000 Euro in eine Maßnahme investieren, ohne zu wissen, was uns erwartet“, mahnte er an.

In seiner Gegenrede erinnerte Ohrdrufs Bürgermeister Stefan Schambach (SPD) an die Bedeutung des Gebäudes und des angrenzenden innerstädtischen Ensembles. Es bilde die historische Keimzelle der Stadt. Noch unter seiner Vorgängerin Marion Hopf (CDU) sei geplant worden, das zu sanieren. Es sei das Ziel, die Besucher vom absehbar bald sanierten Schloss Ehrenstein an der Michaelisschule und dem Turm der Michaeliskirche vorbei zur Innenstadt zu führen.

Wegen der schwachen Gründung könne die Michaelis-Aula nur noch eingeschränkt von einer begrenzten Personenzahl genutzt werden. Außerdem stehe die Stadt wegen des Straßenbaus unter zeitlichem und finanziellem Druck. 1,3 Millionen Euro Städtebauförderung seien für den Straßenbau dort in Aussicht gestellt worden. Die gelte es zeitnah zu sichern, damit kein Verzug entstehe, sagte Schambach. Die Gesamtkosten für die Straße sind mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

Bärbel Schreyer (Freie Wähler) sieht das Problem bei der finanziellen Deckung. Die Maßnahme ließe sich aus Haushaltsresten für 2020 finanzieren. Die Gebäudeuntersuchung soll kurzfristig mit Mitteln zur Komplexsanierung des Ernestinums bezahlt werden. Die Mittel würden von dessen Budget nicht abgezwackt. Es handele sich um Geld, das aus Verzögerungen im Bauablauf dort resultierte, erklärte Landrat Onno Eckert (SPD).

Bei den Arbeiten an der Michaelisschule gehe es nicht um die Sanierung der Fassade, sondern ausschließlich um dessen Gründung. Grundsätzlich bestehe an der altehrwürdigen Regelschule, die derzeit 126 Mädchen und Jungen besuchen, weiterer erheblicher Investitionsbedarf. Eine Kostenschätzung geht von insgesamt neun Millionen Euro aus. Konkrete Planungen dafür gebe es aber noch nicht.

Ob der Landkreis diese Summe für „Michaelis“ aufbringen wird, steht noch nicht fest. Eckert stellt einen Umzug in andere Gebäude nicht in Abrede. Er verweist ferner auf eine Aussage des Kultusministeriums von 2008. Das hatte die Bündelung der Regelschulen Crawinkel und Ohrdruf an einem Standort empfohlen. Grundsätzlich gebe es keine neue Aussage des Landes dazu, allerdings auch keine neue Schulnetzplanung des Trägers, in dem Fall des Landkreises.

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