Dramaturg sorgt für die richtigen Noten der Philharmoniker

Gotha.  Mit der Intendantin und dem Chefdirigent kümmert sich Simon Kannenberg um die künstlerische Planung bei der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach.

Seit Mitte August 2019 ist Simon Kannenberg bei der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach zuständig für Konzert- und Musikdramaturgie sowie Musikpädagogik.

Seit Mitte August 2019 ist Simon Kannenberg bei der Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach zuständig für Konzert- und Musikdramaturgie sowie Musikpädagogik.

Foto: Dieter Albrecht

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Seit Mitte August hat die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach einen neuen Dramaturgen: Gemeinsam mit der Intendantin und dem Chefdirigenten obliegt Simon Kannenberg die künstlerische Planung.

Organisation ist alles

Er recherchiert die Besetzung geplanter Werke – wie viele Musiker werden in welchen Instrumentengruppen für welches Musikstück benötigt? – und sorgt dafür, dass den Musikern immer die richtigen Noten zur Verfügung stehen. Er editiert und redigiert die Programmhefte und bestreitet die Einführung des Publikums in all jene Konzerte, die Chefdirigent Markus Huber nicht selbst dirigiert. Er verfasst Pressemitteilungen und arbeitet sie Krisztina Acksel zu, der neuen Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit. Nicht zuletzt organisiert er die Kinder- und Jugendkonzerte, hält die Verbindung zu Schulen und knüpft neue Kontakte.

1984 als dritter Sohn eines evangelischen Pfarrers in Hamburg geboren, begann Simon Kannenberg als Zehnjähriger Trompete zu spielen. Wenig später wirkte er im Posaunenchor mit. Seine große Leidenschaft aber war der Gesang, weshalb er mit 15 Jahren Unterricht nahm. Bald schon gab ihm die ausgeprägte Kirchenmusikszene in Hamburg reichlich Gelegenheit, öffentlich aufzutreten.

Gesang statt Theologiestudium

Auf das Abitur im Jahr 2003 und den einjährigen Zivildienst folgte das Theologiestudium. Das aber brach er nach dem vierten Semester ab: „Ich begriff immer mehr, dass ich Musik machen muss.“ Einer seiner älteren Brüder hatte inzwischen begonnen, Kirchenmusik zu studieren. Er aber begann 2006 ein Schulmusikstudium mit Gesang als Hauptfach.

Gleichzeitig entdeckte er sein brennendes Interesse für psychologische Themen. Sowohl das Fach Sprecherziehung als auch seine öffentlichen Auftritte als Sänger stellten ihn immer wieder vor die Fragen: Was will ich ausdrücken? Was kann ich ausdrücken? Wo halte ich mich besser zurück? „Und schließlich“, sagt er heute, „macht man sich doch als Sänger auch Gedanken über die offen liegenden wie die tief versteckten Gedanken in dem, was man singt.“

Dissertation über Musiker des 19. Jahrhunderts

Auch das Dirigieren hatte es dem Schulmusikstudenten angetan. So kam es, dass er häufig im Bundesschulmusikorchester (BSMO) nicht nur Trompete spielte, sondern es auch mehrfach dirigierte. Auch machte es ihm Spaß, im Hintergrund organisatorisch für das BSMO zu arbeiten. Schließlich wurde er Präsident des 2011 von ihm gegründeten BSMO-Trägervereins.

Nach dem Staatsexamen 2012 war nicht etwa Schluss. Nein, jetzt begann Simon Kannenberg, an seiner Dissertation zu arbeiten, die sich mit dem Briefwechsel zwischen Hans von Bülow und Joachim Raff von 1873 bis 1876 beschäftigt – zwei außerordentlich bedeutsame Gestalten des Musiklebens im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Die Arbeit wuchs und wuchs. Zum Schluss umfasste das zweibändige Werk weit über 700 Seiten, die er voriges Jahr einreichte und verteidigte – parallel zu seiner neuen Aufgabe in der Thüringen-Philharmonie.

Hochachtung vor dem kulturellen Erbe Thüringens

Wenn Simon Kannenberg über Joachim Raff spricht, glänzen seine Augen: Der habe viel für Thüringen übrig gehabt, sei Assistent Franz Liszts gewesen, habe dem Gothaer Herzog Herzog Ernst II. zwei Orchesterwerke gewidmet und eine Orchestersuite „Aus Thüringen“ komponiert.

„Für mich ist das mehr als eine musikwissenschaftliche Liebhaberei“, sagt er, „ich stehe voll dahinter, denn das ist wirklich gute Musik, die seinerzeit etliche andere große Musiker beeinflusst hat.“ Dieser Tradition sieht sich Kannenberg verpflichtet: „Ich habe große Hochachtung vor der Kulturregion Thüringen und bin froh, für die Thüringen-Philharmonie arbeiten zu dürfen. Sie ist ein großes, leistungsfähiges und hoch motiviertes Orchester.“

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