Dreimal in die Hände geklatscht . . .

Wort zum Tag: Anette Denner über den 1. April und eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Pastorin aus Seebergen, Anette Denner

Pastorin aus Seebergen, Anette Denner

Foto: Frauke Wagner

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

April, April, dreimal in die Hände geklatscht, und dann ist dieser Spuk vorbei.

Das möchte ich jetzt erleben! Am 1. April werden doch Jahr für Jahr Menschen „in den April“ geschickt. Machen Sie mit? April, April, dreimal in die Hände geklatscht…Vielleicht könnten wir auf diese Weise wie aus einem bösen Traum aufwachen?

Nein, dieser Zauber wirkt nicht. Leider sind wir mitten drin in diesem Leben, wie es jetzt gerade ist. Wir träumen nicht nur einen bösen Traum. Unser aller Alltag hat sich seit dem Ausbruch von Covid 19 sehr verändert. Wir sind raus aus vertrauten Abläufen und liebgewordenen Gewohnheiten. Was waren wir Weltmeister in Pläne-Schmieden! Wie unbekümmert zuversichtlich haben wir schon die Zukunft in den Blick genommen. Kürzlich habe ich mir noch „vor Corona-Zeiten“ einen Kalender für 2021 besorgt, weil erste Anfragen gestellt wurden. Dieser Kalender ist nun weit weggelegt. Jetzt ist eine andere Zeit. Wir sind wie ausgebremst worden, wie von 100 auf 10?

Jetzt stehen erst mal ganz andere Dinge an. Da sind Fragen und Herausforderungen, die sich erst mal auf morgen oder übermorgen beziehen. Was nächste Woche ist? Wer weiß das schon! Jetzt ist dran, auf Besuche zu verzichten! Wissen Sie, was es bedeutet, in einem Trauerfall eine Trauerfamilie zu bitten, auswärtige Freunde, Arbeitskollegen oder Nachbarn zur Trauerfeier am Grab „auszuladen“? Da merken wir erst mal, wie kostbar diese Gemeinschaften sind, und umso schmerzlicher, wenn wir nun quasi gezwungen sind, voneinander Abstand zu nehmen. Abstand als Zeichen der Fürsorge! Manche sprechen von „Helden des Alltags“.

In mir wird seit Tagen ein Gefühl wach, das ich im Sommer und Früh-Herbst 1989 schon mal hatte. Damals, als auch zu spüren war, dass etwas „Historisches“ passiert, das niemand ahnen konnte… Nur dieses spüren: Es geht nicht mehr weiter wie bisher. Jetzt passiert etwas, das mein Leben für die nächsten Jahre verändert.

Die letzten 14 Tage, da war für mich eine Veränderung zu erleben: Jogger oder Radler winken einander zu. Wir wünschen einander Gesundheit. Manche erzählen von einer freundlich respektvollen Einkaufsatmosphäre und eben nicht nur von Entsetzen über Hamsterkäufe! Freundliche Sprüche und ermunternde Youtube-Beiträge werden über Handys weiter gereicht, viele kreative Ideen, Zeichen, dass Menschen aneinander denken. Das ist so schön. Ich erlebe um mich herum eine ganz andere Aufmerksamkeit.

So können wir zusammenrücken, obwohl uns Covid 19 so zur Distanzierung zwingt. Ich bin glücklich, dass unsere Improvisationskunst heraus gekitzelt wird, dass Menschen gute Ideen teilen können, ohne sich in Besserwisserei oder Selbstdarstellung zu verlieren. Für manche sind das wunderbare Nebeneffekte in einer Krisenzeit. Für mich sind es Zeichen des Wirkens Gottes mitten unter uns. Viele fragen: Wo ist Gott? Ich sage: Da ist Gott zu finden! Wo Menschen nach guten Wegen suchen, wo sie trotz allem zusammenhalten, da wirkt Gottes Kraft. Wo Toleranz und Dankbarkeit wachsen… lassen Sie sich das nicht entgehen!

Anette Denner ist Pastorin des Kirchspiels Seebergen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren