Ein Weihnachtspaket sorgt in Gotha für wenig Freude

Gotha  Aus dem Gerichtssaal: Nicht erschienener Zeuge wird mit Ordnungsgeld von 150 Euro belegt.

Ein nicht ausgehändigtes Weihnachtspaket sorgt für Zoff und Arbeit der Justiz.

Ein nicht ausgehändigtes Weihnachtspaket sorgt für Zoff und Arbeit der Justiz.

Foto: Kai Remmers/dpa

Wer einen Strafbefehl erhält, hat nicht wirklich Schlimmes auf dem Kerbholz. Doch immerhin hat er sich so verhalten, dass die Staatsanwaltschaft es für geboten hält, den Fall zu verfolgen. Ist die Schuldfrage geklärt, steht am Ende eine Geldstrafe. In diesem Fall sind es 15 Tagessätze zu je 20 Euro.

Der Angeklagte soll einen Paketfahrer bedrängt und ihn an der Weiterfahrt gehindert haben, in dem er mit seinem Auto kurzerhand die Straße zuparkte, so sieht es die Anklage. Gegen das Urteil ohne Hauptverhandlung hat der Mann Widerspruch eingelegt.

Nachbar belastet den Angeklagten

Diesen begründet er wortgewaltig vor Richterin Ulrike Borowiak-Soika, die der Verhandlung am Amtsgericht Gotha vorsitzt. Er sei vom Einkaufen gekommen und habe das Auto eines Paketdienstes gesehen. Der dazugehörige Bote sei aus seinem Hauseingang gekommen. Weil er, so kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres, händeringend auf das Paket mit dem Weihnachtsgeschenk für seine Frau wartete, sei er umgehend zu dem Mann geeilt, nannte seinen Namen und fragte, ob ein Paket für ihn dabei sei. Das bejahte der Paketzusteller, erzählt der Angeklagte, um gleich sehr unfreundlich anzufügen, dass er aber nicht zu Hause gewesen ist. Deshalb könne er sein Paket nun im Depot abholen. Das habe der Mann, so entrüstet sich der Angeklagte, noch mit einem Kraftwort unterstrichen.

Der Angeklagte gibt zu, für kurze Zeit das Lieferfahrzeug des Zustelldienstes blockiert zu haben, für den kleinen Moment, da er etwas aus seinem Auto in seiner Garage abstellte. Dann aber habe er Platz gemacht und den Boten nochmals nachdrücklich um sein Paket gebeten. Doch dafür erntete er nur ein höhnisches Lächeln und bekam einen Stinkefinger gezeigt, erzählt der Mann. Auf Nachfrage der Staatsanwältin erklärt er, dass der Fahrer des Paketautos ihn zu keinem Zeitpunkt aufgefordert habe, die Straße frei zu machen.

Ein Nachbar, der das Geschehen beobachtet, erzählt im Zeugenstand allerdings eine ganz andere Geschichte. Der Mann wurde aufmerksam, weil er auf der Straße einen lauten Disput hörte. Er blickte aus dem Fenster und sah den Angeklagten, der lautstark den in seinem Auto sitzenden Paketboten aufforderte, endlich seine Sendung herauszurücken. Dabei, so der Zeuge, habe der Angeklagte den Mann als Ratte tituliert. Sein Auto habe in der Zeit mitten auf der Straße gestanden. Der Vorfall soll etwa eine Viertelstunde gedauert haben, bis die Polizei eintraf.

Der Mann auf der Anklagebank schüttelt mit dem Kopf. Ratte habe er nie gesagt, er sei gebürtiger Rheinländer und die hätten ein ganz anderes Repertoire an Schimpfwörtern, meint er. Und überhaupt verstehe er nicht, warum sein Nachbar so aggressiv auftrete.

Die Staatsanwältin wollte wissen, warum Polizisten zum Ort des Geschehens geeilt waren. Die habe der Zusteller wohl angerufen, sagt der Angeklagte. Auch er habe mit der Polizei zeitgleich telefoniert, die ihm aber deutlich machte, dass sie ihm sein Paket nicht besorgen könne. Da müsse er sich schon an den Paketdienst wenden. Warum dessen Mitarbeiter die Polizei informierte, konnte der Mann dem Gericht nicht erklären.

Neuer Termin ist rasch gefunden

Dummerweise fehlte der wichtigste Zeuge, der Paketzusteller. Nicht zum ersten Male übrigens, schon einmal musste deshalb die Verhandlung neu angesetzt werden. Diesmal kostet ihn sein Versäumnis Geld. Ein Ordnungsgeld von 150 Euro muss er zahlen.

Ein neuer Termin ist rasch gefunden. In der kommenden Woche ist erneut und in anderer Sache eine Verhandlung gegen den Angeklagten angesetzt. Beide Strafsachen kann das Gericht möglicherweise verbinden. Wichtiger jedoch ist, dass der zentrale Zeuge diesmal seine Aussage machen kann.

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