Erster Motor für neues Kraftwerk in Gotha angekommen

Gotha.  Die Stadtwerke Gotha erwecken eine alte Station zu neuem Leben. Weitere Investitionen in die Fernwärme sind geplant.

Der erste der drei Motoren schwebt in die vorbereitete Baugrube.

Der erste der drei Motoren schwebt in die vorbereitete Baugrube.

Foto: Peter Riecke

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Einen großen Schritt weiter ist die Stadtwerke Gotha GmbH mit dem Ausbau der umweltfreundlichen Fernwärme in der Kreisstadt. Am Montagvormittag wurde nach dem Abflauen des Sturmes der erste von drei Erdgasmotoren samt angeflanschtem Generator in eine Grube vor einem bis 1994 als Dampfübertrager-Station genutztes, altes Gebäude in der Breiten Gasse 1 eingehoben. Am Nachmittag brachten Installateure die 14 Tonnen schwere Aggregate-Kombination dann an ihren Platz. Stück für Stück wird nun die Verbindung zu den Zu- und Ableitungsrohren hergestellt.

Erdgas-Motor mit 999 Kilowatt oder 1395 Pferdestärken Leistung

Bereits in den frühen Morgenstunden rangierte Kranfahrer Tino Kallenberg von der Heß Autokran GmbH aus dem nahen Leinatal seinen drei Meter breiten Tadano-Faun 220 Kran in das Grundstück in der Breiten Gasse. Dann wurden die Stützen untergelegt und ausgefahren. Per Sattelschlepper kamen Komponenten, wie beispielsweise ein riesiger Schalldämpfer, angefahren und wurden an ihren Bestimmungsort gehoben. Dann folgte das Herzstück des Blockheizkraftwerkes, ein Erdgas-Motor mit 999 Kilowatt Leistung. Umgerechnet in Pferdestärken wären das 1395. Es ist der erste von drei Erdgas-Motoren, die in der Breiten Gasse eingebaut werden. Jedes Jahr soll nun ein weiterer dazu kommen.

Mit dem letzten Motor kommt außerdem ein Heizkessel in das Gebäude, der jedoch nur als Reserve dient. Denn die Motoren arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärmekopplung. Während der angeflanschte Generator Strom erzeugt, dient der Rücklauf des Fernwärme-Wassers, das praktisch immer unter 70 Grad warm ist, als Kühlwasser und wird dadurch wieder aufgewärmt. So wird die im Erdgas enthaltene Energie gleich zwei Mal genutzt: Zum Erzeugen von Strom und zum Heizen sowie Warmwasser-Bereitstellen in den angeschlossenen Gebäuden.

Hoffnung auf über eine Million Euro Fördermittel pro Motor

Da dieses Verfahren fossile Brennstoffe in Größenordnungen einspart und außerdem sehr umweltfreundlich ist, gibt es für seinen Einsatz auch Fördermittel. Auf reichlich über eine Million Fördermittel pro Motor hoffen die Stadtwerke. Die Motoren laufen so gut wie immer unter Maximallast mit 1500 Umdrehungen. Das ist notwendig, damit die fest verbundenen Generatoren gut mit der Netzfrequenz von 50 Hertz synchronisiert sind. Außerdem sind die Verbrennungsprozesse in den Motoren so optimiert, damit sie möglichst wenig Schadstoffe ausstoßen. Der Wirkungsgrad liege insgesamt über 90 Prozent, sagt Bernd Bodlin, Spezialist für das Gebiet Fernwärme bei den Stadtwerken.

Dennoch entsteht neben dem Hauptgebäude in der Breiten Gasse 1 gerade ein Fundament, das am Ende vier mal vier mal vier Meter groß sein wird. Es soll einen künftig 23 Meter hohen Schornstein tragen, der die Abgase nach außen bringt. Auch diese Arbeiten werden von einer einheimischen Firma ausgeführt, der „G.k.z. Bau GmbH & Co. KG“ aus Gotha. Im Gebäude sind Mitarbeiter der Firma Brandt & Co aus Struth bei Mühlhausen dabei, die Rohre zu verlegen und zu verbinden. Die Elektrik und Elektronik wird von der WEA Wärme und Energieanlagenbau GmbH aus Erfurt eingerichtet. Auch die Planer und Bauüberwacher kommen aus Thüringen.

Fernwärme für Haushalte, Firmen, Handel und Verwaltung

Die zusätzliche Leistung benötigen die Stadtwerke, da es in den vergangenen Jahren gelungen ist, weitere Fernwärme-Kunden zu gewinnen. Außerdem wurden und werden für weitere Haushalte, Firmen, Handelseinrichtungen und Verwaltungen Anschlüsse bereit gehalten, damit sich die Besitzer später für den Energieträger Fernwärme entscheiden können. Erst jüngst wurde die Leitung zum Verwaltungsgebäude neben dem neue Rewe an der Europakreuzung gelegt. Weitere Hausbesitzer in der Stielerstraße haben Interesse bekundet. Die Reyherschule wird im Herbst angeschlossen.

Die Friedrichstraße wurde durchörtert, weil nahe der Kastanienallee Investoren ihre Neubauten mit Fernwärme versorgen. Am Hauptmarkt bekommen alle Gebäude im Verlauf der denkmalgerechten Instandsetzung des zentralen Platzes eine Anschluss-Möglichkeit.

Heizwerk in Gotha-Siebleben erweitern

Außerdem ist das große Blockheizkraftwerk in der Waltershäuser Straße oberhalb des Betriebshofes der Thüringer Wald- und Straßenbahn an seiner Leistungsgrenze angelangt. Es soll sogar allmählich auf eine Gesamtleistung von jetzt knapp 50 Megawatt auf 20 Megawatt zurückgefahren werden, denn nur über 20 Megawatt müssen Betreiber am Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten teilnehmen. Die Entscheidung spart also künftig Geld.

Ein Ausgleich wird sein, das vorhandene Heizwerk in Gotha-Siebleben zu erweitern. Dort sollen in den nächsten Jahren sogar vier Erdgasmotoren einschließlich Generator eingebaut werden. Ergänzt werden soll dort durch erneuerbare Energien, gibt Bernd Bodlin einen Ausblick. So könnte zum Beispiel Strom, der an der Börse besonders günstig ist, weil Windkraftanlagen gerade zu viel liefern, genutzt werden, um Wasser in gut isolierten Behältnissen zu erhitzen und dann für die Fernwärme zur Verfügung zu haben. Die Blockheizkraftwerke fahren wärmegeführt. Einzelne Motoren können abgeschaltet werden, wenn weniger Heizwärme benötigt wird.

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