Erstes Bratwursttheater in Holzhausen brachte das Publikum zum Jubeln

Was unterscheidet das Bartwursttheater vom Bauerntheater? Genau, die Wurst. Und um die dreht sich (fast) alles in "Hans Wurst und die Liebesbratwurst". Johann von Siebeleben, Probst im Jungfrauenkloster, hat soeben die Thüringer Bratwurst erfunden. Und die ist ihm, wir wissen es, wohlgeraten.

Auch nach dem Spiel können die Akteure (Danny, Bernd und Andreas Plachter sowie Thomas Mäuer) nicht von der vielgepriesenen Bratwurst lassen. Foto: Klaus-Dieter Simmen

Auch nach dem Spiel können die Akteure (Danny, Bernd und Andreas Plachter sowie Thomas Mäuer) nicht von der vielgepriesenen Bratwurst lassen. Foto: Klaus-Dieter Simmen

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Holzhausen. Was wir seit der Bratwursttheater-Premiere im Holzhäuser Bratwurstmuseum auch noch wissen: Sie ist deshalb so lecker, weil er bei der Erfindung des Thüringer Markenzeichens an die schöne Annegret dachte. Liebe verleiht Flügel, auch beim Erfinden von Wurst.

Der historische Eintrag vom 20. Januar 1404 "I g vor darme czu brotwurstin" gibt dem kulinarischen Spektakel den Rahmen. Und den verknüpft für die Zuschauer geschickt Hans Wurst. Thomas Mäuer brilliert in der Rolle mit feinem Witz. Bischof Lullus ist von der Erfindung seines Probstes angetan. Der Mann, dem leibliche Genüsse über alles gehen, schwelgt ganz in Bratwurst. Wäre Petrus ihm zugeneigt, würde es Bier regnen und Bratwürste schneien. Doch vorerst verhinderte Priorin Barbara von Uhlstetten auf ganz irdische Weise weitere Genüsse dieser Art. Weil sie den Prior lieber für sich hätte, vermasselt sie die Liaison zwischen Annegret und Johann von Siebeleben. Den schickt der Bischof ins italienische Exil – und fortan missraten im Kloster sowohl Bierbrauen als auch Bratwurstmachen. Das stürzt Lullus in eine tiefe Krise, bringt Johann wieder nach Hause, die missgünstige Priorin in einem Ochsenkarren weit weg in Richtung Spanien und Annegret an die Seite ihres Geliebten. Das wird einfach und kompakt erzählt, klug gemischt mit herrlich-schmalzigen Liedern über Liebe und Sehnsucht. Im Falle von Lullus ganz auf wunderbar gebräunte Bratwürste fixiert.

Beim Bauerntheater würde nun der Vorhang fallen. Bratwursttheater geht da ganz andere Wege. Das Publikum wird in die leiblichen Genüsse auf der Bühne mit einbezogen. Das beginnt mit einem Aperitif zum Entree. Nach dem ersten Akt wieseln hübsche Mädchen im Theaterzelt und servieren Bratwürste in Brötchen mit Herzform. Ein Festmahl erwartet die Zuschauer in der Pause nach dem dritten Akt, die sich dann auch entsprechend ausdehnt. Und zum guten Schluss gibt es noch eine "Liebesbratwurst" zum mitnehmen – eine süße Variante übrigens.

Doch nicht nur kulinarisch spielt das Publikum mit, es darf mitsingen und schunkeln und so teilhaben, wenn das Liebespaar vereint und Lullus wohl gesättigt ist.

Bernd Plachter als Johann von Siebeleben hat die Musik geschrieben, gemeinsam mit Sohn Danny, der einen herrlich verfressenen Lullus gibt. Andrea Plachter ist Annegret und Barbara. Die Texte stammen von Vater und Sohn Plachter und von Thomas Mäuer.

Damit das Stück gelingt, haben sich aber viele Mitglieder des Vereins der Freunde der Thüringer Bratwurst ins Zeug gekniet. Bühnenbild und -technik, Kostüme und natürlich die reibungslos verlaufende Versorgung lagen in Vereinshänden. Und: Alle – ab auf, vor oder hinter der Bühne – hatten mindestens ebensoviel Spaß wie das Publikum. Wer jetzt Hunger hat auf "Hans Wurst und die Liebesbratwurst" hat dieses Jahr noch dreimal in Holzhausen Gelegenheit: Am 21. August, am 18. September und am 2. Oktober hebt sich der Vorhang für das kulinarische Spektakel.

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