Europäische Fördermittel für Ideen lokaler Akteure nutzbar

Gotha. Erste Ideenkonferenz am Montag in Günthersleben-Wechmar. Bis zu 50 Millionen Euro thüringenweit umsetzbar.

Der Saurierpfad — hier ein Archiv-Foto von der Eröffnung — ist eines der originellen Projekte, in der Umsetzung Geld aus EU-Fonds floss. Foto: Peter Riecke

Foto: zgt

Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, dass der Baumkronenpfad im Naturpark Hainich mal nicht mehr als eine verrückte Idee war. Nach der Eröffnung 2005 war der Andrang so groß, dass man bald eine zweite Schleife und feste Sanitäranlagen aufbauen konnte. Umgesetzt wurde die Idee nicht zuletzt deshalb, weil es dafür Fördermittel der Europäischen Union gab.

Um solche Fördermittel wird es auch am Montag, dem 16. März von 17 bis 20 Uhr im Saal des Bürgerhauses Günthersleben-Wechmar an der Burgenlandallee gehen. In der Förderperiode von 2007 und bis 2013, deren wurden rund 44 Millionen Euro zur Entwicklung des ländlichen Raumes in ganz Thüringen eingesetzt. Der größte Teil davon kam aus der EU, ein Rest vom Freistaat Thüringen. Das Programm dazu trägt die Abkürzung "ELER", ausgesprochen Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Die Methode, nach der die Mittel einzusetzen sind, wird LEADER abgekürzt. Der Name ist französisch und bedeutet soviel wie: "Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raums".

Zu den geförderten Projekten zählen solche großen wie der Nessetal-Radweg, der Saurier-Erlebnispfad, die Sanierung des Edelhofes in Brüheim, der Ausbau der GutsMuths-Turnhalle in Schnepfenthal zum touristischen Informationszentrum und der Umbau einer Hofanlage in Grabsleben zum Dorfzentrum, in dem Jugend, Vereine, aber auch ein Friseur sind.

Aber auch der inzwischen zum breitensportlichen Ereignis im 15. Jahr gewordene Kirschlauf über die Fahner Höhen spielte in diesem Zusammenhang eine Rolle. Das Ortsteil-Zentrum Rautenkranz in Gierstädt erhielt unter anderem deshalb eine Förderung, weil der Lauf einen neuen Platz für Sanitäranlagen und die Abschlussveranstaltung brauchte.

9,6 Millionen Euro Fördermittel gewonnen

Es wurden Verbindungswege zwischen den Dörfern für die Landwirtschaft wie auch Radfahrer geschaffen. Verfallende Gebäude wurden abgerissen oder saniert und können nun neu genutzt werden. Es entstanden Ausstellungsräume und Dorfzentren mit Dienstleistungsangeboten. Ein Schwerpunkt lag dabei darauf, eher Ortskerne als die Randlagen attraktiver zu machen. Im Landkreis Gotha, im Ilm-Kreis und in den südwestlichen Ortsteilen Erfurts wurden dabei zusammen 9,6 Millionen Euro Fördermittel eingeworben. Bei allen Projekten müssen Kommunen, Vereine, Firmen oder auch private Akteure selbstverständlich auch Eigenanteile aufbringen. Bewegt wurde also vielmehr. Doch die Förderung sorgt oft dafür, dass das Geld überhaupt reicht, eine gute Idee zu einem sinnvollen Abschluss zu bringen.

In diesem Jahr läuft nun die neue Förderperiode bis 2020 an, in der einschließlich einer Ergänzung durch Gelder des Freistaates Thüringen rund 50 Millionen Euro für den ländlichen Raum im ganzen Freistaat zur Verfügung stehen. Um das Geld sinnvoll einzusetzen, werden Ideen gesucht, denn es handelt sich dabei nur um den Teil der europäischen Fördermittel, der mit Ideen "von der Basis" umgesetzt werden soll.

Da die Projekte gegenseitig und auch über Gemarkungsgrenzen hinweg aufeinander wirken sollen, um den ländlichen als lebenswert zu bewahren, haben sich auch diesmal wieder der Landkreis Gotha, der Ilm-Kreis und die Stadt Erfurt im Interesse ihrer ländlich geprägten Ortsteile im Südwesten zur Regionalen Aktionsgruppe Gotha — Ilm-Kreis — Erfurt zusammen getan. Solche Zusammenschlüsse gab es auch in anderen Regionen Thüringens, insgesamt 15, aber der hiesige ist der Größte. Formal entstand hier ein Verein, dem der Beigeordnete des Ilm-Kreises Rainer Zobel vorsteht, der den ersten Beigeordneten des Landkreises Gotha, Helmut Marx, zum Stellvertreter hat. Dieser Verein und die Landräte laden zu der Ideenkonferenz am nächsten Montag ins Bürgerhaus Günthersleben-Wechmar ein. Die Thüringer Landgesellschaft, die sich bereits in der vergangenen Förderperiode die Projektträger beriet, verschickte dazu rund 200 Einladungen.

Dabei gehe es jedoch nicht nur um Fördermittel, sondern um die regionale Entwicklungsstrategie, wie es in der Einladung aus dem Gothaer Landratsamt heißt. "Wie wollen wir künftig in unserer Region leben und arbeiten?" sei die zentrale Fragestellung, unterstreicht Marx. Das Konzept sei wichtig, um Projektvorschläge zu bewerten. Wortmeldungen aus Unternehmen, Institutionen, Vereinen und Initiativen sind gefragt. Später wird das Konzept in mehreren Arbeitstreffen konkretisiert.

Eine Anmeldung für den Montag ist unter h.neugebauer@thlg.de oder Tel (0361) 441 3111 gewünscht

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.