Free Jazz in der Dreifaltigkeitskirche

Gräfenhain  Konzert mit Posaunist und Saxophonist

Posaunist Conny Bauer und der Saxophonist Warnfried Altmann spielten zusammen.

Posaunist Conny Bauer und der Saxophonist Warnfried Altmann spielten zusammen.

Foto: Dieter Albrecht

Zum zweiten Mal waren zwei international renommierte Musiker zu Gast: der Posaunist Conny Bauer (Jahrgang 1943) und der Saxophonist Warnfried Altmann (1958). „Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf“, riet Altmann zu Beginn dem Publikum, „das ist die beste Brücke zu unserer Musik.“

Ein guter Rat, denn Gelegenheit zu freien Assoziationen gab es ständig. Faszinierend war es zu beobachten, wie sich aus anfangs unscheinbaren musikalischen Gesten surreale Klanggestalten von energetischer Brisanz entwickelten. Dabei erwiesen sich beide Musiker als großartige Virtuosen, die ihre Instrumente meisterhaft beherrschen. Stets hatte man das Gefühl, da werde eine Geschichte erzählt. Und die durfte man gern im Kopf fortspinnen, wenn etwa die zweite Improvisationen auf einer leeren Quinte endete – einem Intervall, das bekanntlich alles offen lässt …

Elektrisierend das alarmierende Signalmotiv des Sopransaxophons in der dritten Improvisation: Erst langsam legte sich die Aufgeregtheit, um die Hörer schließlich in lyrische Gefilde zu entführen. Eine ganz eigentümliche Atmosphäre entstand, als in Zigeuner-Moll deutliche Anklänge an osteuropäische Klezmermusik zu hören waren. Beeindruckend auch der Kontrast, als sich in atonale Klangstrukturen motivische Schnipsel aus der Barockzeit mischten.

Nach der Pause gestatteten sich beide Künstler je eine längere Soloimprovisation, in die extravagante Spieltechniken einflossen, etwa gleichzeitiges Singen und Spielen. Dadurch entstand ein mehrstimmiges Gemisch aus Gesang, Instrument und Obertoneffekten.

Altmann hatte seinem Solo ein schwermütiges Lied zugrunde gelegt, das er teils singend, auf der Maultrommel begleitend, teils auf dem Saxophon singend und spielend interpretierte, wobei er die Tonskala durch extremes Überblasen in allerhöchste Lagen ausdehnte. Ein Lied, das, wie er bekannte, für ihn eine tiefe Bedeutung hat: „Ich habe es mit meinem Vater am Grab meiner Mutter gesungen.“

Auch die spezielle Raumwirkung nutzten die beiden: In ihrer Schlussimprovisation gestalteten sie ihren Dialog in der Kirche von unterschiedlichen Standorten aus.

Das Publikum honorierte die außergewöhnliche musikalische Leistung der beiden durch begeisterten Applaus und erhielt eine Zugabe. Altmann revanchierte sich für das Lob: „Sie sind ein großartiges, feinsinniges Publikum.“

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