Friedrichswerth: Käse anstatt Fahrkarte

Friedrichswerth  Im Oktober beginnt die Käseproduktion am Nessetal-Radweg. Acht Projekte wollen die Eigentümer bis 2020 auf dem Gelände verwirklichen

Fred Brömme erörterte mit Landrat Konrad Gießmann, den Beigeordneten und Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft Mittleres Nessetal sowie Bürgermeistern der Region die Zukunft des ehemaligen Bahnhofs Friedrichswerth. Foto: Peter Riecke

Foto: zgt

Slow Food (im Gegensatz zu Fast Food — schnelles Essen — wie es in Imbissketten angeboten wird) hat einen Grundgedanken, kurz umrissen mit den Eigenschaftswörtern regional, sauber und fair. Und dieser Grundgedanke treibt Fred Brömme und seine Gattin Petra Michaelis an. Die Familie hat 2013 den ehemaligen Bahnhof Friedrichswerth nach öffentlicher Ausschreibung von der Verwaltungsgemeinschaft „Mittleres Nessetal“ erworben. Den im Denkmalbuch als Kulturdenkmal aufgenommen Bahnhofskomplex zu einem Wohn- und Geschäftshaus umzubauen, war seit dem das Ziel.

Doch was so trocken im Anschreiben für eine Förderung durch Programme der Europäischen Union, vermittelt durch die „Regionale Aktionsgruppe Gotha — Ilm-Kreis — Erfurt“ (RAG) steht, ist praktisch eine aufwendige, vielgestaltige Angelegenheit, bei der man den Fortschritt nicht sofort sieht. Denn die Familie Michaelis hat viel vor mit dem ehemaligen Bahnhof. Im Blick sind acht Projekte, die Stück für Stück bis 2020 verwirklicht werden sollen. Der erste Schritt ist, im Haus Wohnraum zu schaffen. Der zweite, im Erdgeschoss eine kleine Dorfmolkerei mit den nötigen Einrichtungen wie einer Hygieneschleuse, einer Kühlzelle, Produktions- und Vorbereitungsraum einzurichten. Auch ein Reifekeller und ein Verkostungs- und Präsentationskeller gehören dazu. Fred Brömme weiß dabei die Besonderheiten des 1890 entstandenen und 1920 erweiterten Gebäudes zu schätzen. Auch der Anbau wurde damals unterkellert. Die Wände bestehen auf einer Seite aus Seeberger Sandstein, auf der anderen Seite aus roten Klinkersteinen. Weil die Baumaterialien unterschiedlich die Wärme abhalten, entstehen zwei Klimazonen in dem Raum. Dadurch kann man die Käsereifung besser steuern. Die Milch für den Käse soll von Jerseyrindern kommen. „Wir nehmen dabei nur die Milch, die das Kalb übrig lässt“, erklärt Brömme seinen Grundsatz. Die Käseproduktion wird voraussichtlich im Oktober beginnen. Nächster Schritt soll dann die Einrichtung einer barrierefreien Einliegerwohnung als Ferienwohnung sein. Dann folgt der Neubau eines Lagerraumes, der auch einen Milchkessel bergen wird. Auch die Fassade des Neubaus wurde vom Denkmalschutz begutachtet. Im Frühjahr 2017 soll dann ein Hofladen mit Bistro entstehen, das „Wendepunkt“ heißen könnte, als Anspielung auf die Fahrradfahrer, die den auf dem ehemaligen Bahndamm errichteten Nessetal-Radweg nutzen aber auch als Anspielung auf die Philosophie, naturnah Qualität anstelle von großen Mengen zu produzieren. Auch der Eisenbahnwaggon, der einst im Brüheim stand, hat eine Zukunft: Als Gästezimmer für Radfahrer.

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