Giftdusche auf dem Röhnberg zeigt grüne Wirkung

Wandersleben.  Die Eichenbestände haben sich nach der chemischen Schwammspinner-Bekämpfung sichtbar erholt. Neue Gefahr droht für die Kiefern.

Mit einer Falschfarbenaufnahme vom Röhnberg stehen Forstwissenschaftlerin Anett Wenzel und Forstamtsleiter Gerhard Struck im Rhönberg-Wald. Rot verdeutlicht Chlorophyll. Das dominiert wieder in den Eichenbeständen.

Mit einer Falschfarbenaufnahme vom Röhnberg stehen Forstwissenschaftlerin Anett Wenzel und Forstamtsleiter Gerhard Struck im Rhönberg-Wald. Rot verdeutlicht Chlorophyll. Das dominiert wieder in den Eichenbeständen.

Foto: Wieland Fischer

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Der Wald auf dem Röhnberg steht in vollem Grün. Auf den ersten Blick, selbst beim Gang durch den Wald erinnert nichts daran, dass hier einmal ganze Eichenbestände kahl waren. Nur vereinzelt ragen eine paar dürre Äste heraus. Der Einsatz des Insektizids Mimic hat Wirkung gezeigt. Die Eichenbestände haben sich sichtlich erholt. Forstamtsleiter Gerhard Struck macht das auch an zwei Aufnahmen fest. Das eine Foto stammt vom vorigen Jahr. Es zeigt lauter kahle Eichenstämme. Auf der Vergleichsaufnahme von diesem Jahr tragen sie Blätter in Hülle und Fülle.

Die Eiche verträgt Kahlfraßnur ein einziges Mal

Ein Jahr, nachdem auf dem Höhenzug der Kahlfraß durch den Schwammspinner festgestellt worden war, geht Struck mit Anett Wenzel vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha (FFK) sowie Horst Sproßmann, Sprecher von Thüringen-Forst, wieder durch den Röhnbergwald. „Damals waren alle Eichen kahl gefressen, und die Bodenvegetation“, erinnert der Forstamtsleiter. Die Massenvermehrung des Schwammspinners sei so enorm gewesen, dass dem Schmetterling das Eichenlaub nicht mehr genügte.

„Er ist polyphag.“ Will heißen: Das Tierchen besitzt ein breites Nahrungsspektrum. Struck deutet auf Birken, die an den Folgeschäden bis heute zu tragen haben. Einzelne Eichen sind komplett abgestorben. Aber die meisten ihrer Artgenossen haben wieder ausgetrieben. „Wenn es noch mal so einen starken Befall gegeben hätte, wären sie alle hinüber gewesen“, sagt Struck. „Einmaligen Kahlfraß verträgt die Eiche ganz gut, zweimal wirkt letal.“ Tödlich.

Um das zu verhindern, hatten die Forstleute zum allerletzten Mittel gegriffen. Anfang Mai hatte ein Hubschrauber über den Röhnberg Mimic versprüht, um den Schwammspinner auf 31,5 Hektar zwischen Burg Gleichen und Wechmar zu bekämpfen. In Ostthüringen, bei Sondershausen und bei Heldburg kam es zu ähnlichen Einsätzen. Überall gebe es jetzt grüne Eichenwälder, sagt Anett Wenzel. Naturschützer hatten die „Giftdusche“ im Naturschutz- und FFH-Gebiet kritisiert, weil damit auch seltene und geschützte Tierarten angegriffen werden. Der Einsatz war nach kontroverser Debatte genehmigt worden. Der letzte vergleichbare Einsatz sei vor etwa 25 Jahren in Thüringen erfolgt.

Prognoseverfahren des FFK Gotha hatten ergeben, dass dieses Frühjahr ein weiterer starker Befall drohen würde. Vorm Hubschraubereinsatz seien täglich „auf der Fläche“ die Größe der Raupen und der Stand des Blattaustriebes ermittelt worden. Sogar Zapfensteiger waren in die Baumkronen geschickt worden. Wenzel: „Denn die untere Baumvegetation ist manchmal anders als die obere.“ Die Terminierung sei so gewählt worden, dass die Raupen und genug Blattmasse da sind, um nicht alle Insekten zu treffen, sondern nur die Schmetterlingsraupen, die zu dem Zeitpunkt fressen, erklärt die Wissenschaftlerin. Drei Tage nach Aufnahme der Chemie werden die Raupen krank, und nach fünf Tagen sterben sie ab.

Kiefern sind von einem Pilz befallen

Sieben Wochen später stellt Struck fest: „Wir schätzen die Maßnahmen jetzt als vitalitätssteigernd ein, im Prinzip überlebensrettend für den Röhnberg.“ Der Regen im Mai habe das begünstigt. Die Trockenheit macht den Bäumen ohnehin zu schaffen. Seit 2016 tragen die Eichen schwer daran. Nun kam der Schwammspinner dazu. Er ist ein Klimagewinner – vorerst gebannt.

Doch die nächste Gefahr droht: Eichenmehltau, auch begünstigt vom milden Klima. Kiefern am Röhnberg-Rand sind dürre, vom Diplodia-Pilz befallen, verdeutlicht eine Drohnenaufnahme.

Ein Falschfarbenfoto zeigt viel Rot. Das steht für Chlorophyll, Grün und Blau für abgestorbene Bäume. Beim Schwammspinner hofft Struck, „dass 30 Jahre Ruhe ist.“ Dann müssten andere die schwierige Entscheidung treffen: Giftdusche ja oder nein?

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