Gotha: Beide deutsche Hymnen verschmelzen wieder

Gotha  Die Stadt Gotha erinnert in vielfacher Form an die Friedliche Revolution und Vereinigung vor 30 Jahren.

Kirchenmusikdirektor Uthmar Scheidig verschmolz am 1. September 1989 bei einer mittlerweile legendären Improvisation an der restaurierten Orgel der Schlosskirche von Friedenstein die Nationalhymnen der DDR und der BRD zu einem Ganzen und nahm so die Deutsche Einheit vorweg.

Kirchenmusikdirektor Uthmar Scheidig verschmolz am 1. September 1989 bei einer mittlerweile legendären Improvisation an der restaurierten Orgel der Schlosskirche von Friedenstein die Nationalhymnen der DDR und der BRD zu einem Ganzen und nahm so die Deutsche Einheit vorweg.

Foto: Wieland Fischer

Zahlreiche Veranstaltungen und Gedenken stehen in Gotha 2019 bisher ganz im Zeichen des „Victoria-und-Albert-Jahrs“ oder von „100 Jahre Bauhaus“. Droht angesichts dessen die Erinnerung an 30 Jahre Friedliche Revolution in Gotha unterzugehen? Das fragte die Fraktion Freie Wähler/Piraten zur Ratssitzung am Mittwoch.

Das sei keineswegs der Fall, stellt Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) klar. Die Jubiläen „30 Jahre Friedliche Revolution“ und „30 Jahre Deutsche Einheit“ seien für die Stadt Gotha von besonderer Bedeutung. „Die Entwicklung unseres Landes und unserer Stadt hätte ohne das Engagement zahlreicher mutiger Bürgerinnen und Bürger in den Wochen und Monaten der Jahre 1989/1990 einen völlig anderen Verlauf genommen“, erklärte er.

Die Stadtverwaltung habe langfristig ein Themenjahr mit verschiedenen Veranstaltungen vorbereitet. Dieses werde unter dem Motto „Von der Friedlichen Revolution zur Deutschen Einheit“ vom Oktober 2019 bis zum Oktober 2020 durchgeführt.

Der Auftakt ist für Montag, 7. Oktober, um 14 Uhr, mit Eröffnung des Kunst- und Demokratieprojektes „Wir für alle“ geplant. Dazu bereite Hans Ferenz auf dem Neumarkt und in der Erfurter Straße verschiedene Würfelsäulen und Aktionen vor. Diese sollen unter anderem die Demonstrationen im Herbst 1989 thematisieren. Das Kaufhaus Moses werde sich gestalterisch beteiligen. Dort soll am 24. Oktober das Theaterstücks des Gothaers Matthias Wienecke „wie viel mensch …“ aufgeführt werden.

Am 15. Oktober werde in Abstimmung mit der Landeszentrale für politische Bildung in Thüringen das Lebensbild von Jürgen Fuchs vorgestellt. Der Schriftsteller, Bürgerrechtler und Sozialpsychologe, dessen Großmutter in Gotha wohnte, wurde von Udo Scheer biografisch portraitiert.

Am 25. Oktober soll im Rahmen des Projektes von Hans Ferenz ein Erinnerungsmarsch von der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Helenenstraße bis zur Augustinerkirche führen.

Der Landkreis Gotha werde am 29. Oktober eine Veranstaltung in Erinnerung an die Friedliche Revolution durchführen.

Die Stadt Gotha bereite für den 6. November in der Stadtbibliothek eine Lesung, des ehemaligen Kurd-Laßwitz-Stipendiaten Reinhard Griebner vor, die an die Ereignisse der Friedlichen Revolution vor 30 Jahren erinnern werde. Sein Erzählband „Am toten Punkt“, dessen Herausgabe die Stadt Gotha unterstützt hat, wird an diesem Tag deutschlandweit Premiere feiern, berichtete Kreuch weiter.

Die polnische Partnerstadt Kielce beabsichtige, mit Vorträgen und Begegnungen, das Thema des politischen Umbruchs in der DDR und in Polen aufzugreifen. Gotha stehe wegen eines deutsch-polnischen Forums mit dem Fachbereich Germanistik des Philologischen Instituts der Universität Kielce in Kontakt.

Mit einer Feuerstunde soll am 6. Mai 2020 die Konstituierung des ersten freigewählten Gothaer Stadtrates vor 30 Jahren gewürdigt werden. In Form einer Feierstunde soll der historischen Entwicklung gedacht werden.

Projekt mit polnischer Partnerstadt Kielce

Und auf ein weiteres für Gotha mittlerweile legendäres Ereignis wies Kreuch am Donnerstag beim Pressegespräch im Rathaus hin. Am Weltfriedenstag vor 30 Jahren, am 1. September 1989, fand in der Gothaer Schlosskirche auf Schloss Friedenstein ein Friedensgebet statt. Kirchenmusikdirektor Uthmar Scheidig verschmolz auf der Orgel der Schlosskirche mit einer Improvisation die Nationalhymnen der DDR und der BRD und griff musikalisch der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten um dreizehn Monate vor. Das Gedenken anlässlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges war begleitet von der Sorge um die innenpolitischen Entwicklungen in der DDR und die Schicksale tausender Ausreisewilliger.

Am Dienstag, 29. Oktober, 17 Uhr wird Scheidig, der für sein Wirken und sein ehrenamtliches Engagement vom Stadtrat 2014 mit der Myconius-Medaille der Stadt Gotha geehrt wurde, an der Orgel der Augustinerkirche noch einmal daran erinnern und sein Fusions-Werk sicherlich noch einmal zu Gehör bringen.

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