Gotha: Historischer Stein rückt an den richtigen Platz

Gotha  Auf Initiative eines Arbeitskreises wird der Meridianstein der Alten Sternwarte um etwa vier Meter versetzt

Es geht um Millimeter: Heiko Eckold (links) vom Vermessungsbüro Lencer und Silvio Jas von der Firma Schmitz Cargobull dirigieren den Radlader, um den Meridianstein an seinen ursprünglichen Ort zu überführen.

Es geht um Millimeter: Heiko Eckold (links) vom Vermessungsbüro Lencer und Silvio Jas von der Firma Schmitz Cargobull dirigieren den Radlader, um den Meridianstein an seinen ursprünglichen Ort zu überführen.

Foto: Maria Hochberg

Die Alte Sternwarte auf dem Seeberg blickt auf eine lange Geschichte zurück. Am Mittwoch wurde ein weiteres Kapitel in der Historie des ehemaligen herzoglichen Observatoriums aufgeschlagen.

Im Rahmen der Vorbereitungen auf den Tag des offenen Denkmals am 8. September wurde der nördliche Meridianstein, der sich im Biergarten des heutigen Restaurants befindet, an seinen ursprünglichen Platz zurückverlegt.

Initiator der Aktion ist ein Arbeitskreis, bestehend aus Gunter Lencer vom Vermessungsbüro Lencer, dem Historiker Matthias Rekow, dem Vorsitzenden des Vereins für Stadtgeschichte Gotha, Matthias Wenzel, ­Alwine Gschwendtner vom Denkmalamt Gotha sowie Jürgen Plöger vom Gothaer Technik- und Geschichtsmuseum.

Der Arbeitskreis hatte das Ziel, den nördlichen Meridian, der über den Seeberg führt, visuell sichtbar zu machen. Grundlage dafür war eine umfangreiche Vermessung des Geländes der Alten Sternwarte: „Auf diese Weise erhielten wir genaue Kenntnisse über die Lage des alten und neuen Gebäudes“, erklärt Gunter Lencer.

Genaue Einblicke in die verschiedenen Bauabschnitte und Gebäudeteile seien nach Angaben des Gothaer Stadthistorikers und Publizisten Matthias Wenzel deshalb so wichtig, weil dort im Laufe der Zeit zahlreiche Veränderungen vor sich gegangen seien: „Nach ihrer Fertigstellung dienten die verschiedenen Gebäudeteile von 1792 bis 1858 als herzogliches Observatorium.“

Im Laufe der Jahrzehnte ist die Sternwarte jedoch nach und nach zerstört worden, bis auch der letzte Gebäudeteil im Jahr 1901 abbrannte. An seiner Stelle wurde 1904 eine Gaststätte eröffnet, die bis heute besteht.

Nun soll der Meridianstreifen mithilfe moderner Vermessungstechnik und Vergleichen mit historischen Karten nachgezeichnet und mit Pflastersteinen sichtbar gemacht werden.

Die Aktion ist ganz im Sinne des Historikers Matthias Rekow: „Der Gothaer Meridian war die Grundlage für den ersten Versuch einer Triangulation und Vermessung des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg und Thüringens unter Herzog Ernst II. (1745-1804) und seinem Astronomen Franz Xaver von Zach (1754-1832). Umso wichtiger ist es, ihn als kulturhistorisches Zeugnis auch für die breite Öffentlichkeit wieder sichtbar zu machen.“

Womit jedoch keiner der Beteiligten rechnete: Der Meridianstein, auf dem der Nullpunkt auf dem Seeberg markiert ist, lag nicht an seinem historischen Platz.

Um das geschichtsträchtige Gebäude zum Tag des offenen Denkmals in einem neuen Licht präsentieren zu können, organisierte Ekhard Klomfass, der nicht nur Geschäftsführer der Sternwarte, sondern auch von Schmitz Cargobull Gotha ist, kurzerhand die Verlegung des Steines.

Am Mittwochnachmittag war es dann so weit: Mithilfe eines Radladers wurde der Stein angehoben und um etwa vier Meter versetzt. Dabei ging es um Millimeter – die Anspannung war allen Beteiligten sichtlich anzumerken.

Doch durch eine gelungene Zusammenarbeit und das Expertenwissen der Mitglieder des Arbeitskreises liegt der Stein nun wieder direkt auf dem Nullpunkt des Meridianstreifens.

Die Alte Sternwarte zählte durch ihre Bauweise und Ausstattung zu den modernsten europäischen Forschungsstätten des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.

Zum Tag des offenen Denkmals sind alle Interessierten zu einem Rundgang durch die Geschichte des Observatoriums und zur Besichtigung des Meridiansteins eingeladen.­

Zudem gibt es Fachvorträge über die Astronomie in Gotha sowie darüber, wie das Werk der herzoglichen Astronomen die wissenschaftliche Welt in ganz Europa beeinflusste.

Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, zwischen 10 und 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de .

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