Gotha: Konzertprogramm mit mehreren Variationen

Gotha.  Die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach wagt in der Corona-Spielzeit den Schritt in die Säle.

Alles auf Abstand: Intendantin Michaela Barchevitch und Chefdirigent Markus Huber stellen im Probensaal Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach das Programm der neuen Spielzeit 2020/21 vor.

Alles auf Abstand: Intendantin Michaela Barchevitch und Chefdirigent Markus Huber stellen im Probensaal Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach das Programm der neuen Spielzeit 2020/21 vor.

Foto: Wieland Fischer

Die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach geht in Corona-Zeiten einen neuen Schritt – nach innen. Am Donnerstag, 24. September, beginnen die Anrechtskonzerte der Spielzeit 2021/22, zuerst im Kulturhaus Gotha und am 9. Oktober mit dem ersten Sinfoniekonzert im Landestheater Eisenach.

„Alles ist ein bisschen anders“, beschreibt Intendantin Michaela Barchevitch den Konzertbetrieb unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln. Die Konzerte sind auf 75 Minuten beschränkt, ebenso die Besucherzahl: im Kulturhaus auf rund 250 – zur Verfügung stehen 800 Plätze – und im Landestheater auf etwa 150 statt 500. Dafür sollen stets zwei Konzerte an einem Abend gespielt werden. Steht Chefdirigent Markus Huber am Pult, gibt er jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn eine Einführung.

So viel Normalität wie in Corona-Zeiten möglich haben sich Musiker und Orchesterplaner zum Ziel gesetzt. Ihre seit Ende des Lockdowns in mehr als 80 Auftritten und Konzerten gesammelten Erfahrungen kommen ihnen und dem Publikum zugute. „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, die keine Dauerlösung werden darf“, appelliert Chefdirigent Huber in Richtung Politiker. Letztlich gehe es um das Überleben der Kulturlandschaft in Deutschland.

So viel Normalität und Spielraum wie möglich

Das Orchester hat neue Spielformen und Spielstätte gefunden, um den insgesamt 73 Philharmonikern so viel Spielraum wie möglich zu bieten. Trotz oder gerade wegen der Auflagen sei auch Neues entdeckt worden, zum Beispiel der Winkelhof in Bad Tabarz oder der Park von Schloss Altenstein als Spielstätten.

Die neue Reihe der Philharmonischen Sommerkonzerte klingt am Freitag, 18. September um 18 Uhr in der Trinitatiskirche Ohrdruf mit einem Philharmonischen Abendgebet aus. Nahtlos schließt sich am Samstag, 19. September um 19.30 Uhr in der Georgenkirche Eisenach eine neue Barockreihe an. Sie wird mit Maurice Steger, Blockflöte und Dirigent, eröffnet und Sonntag, 20. September um 18 Uhr in der Margaretenkirche Gotha fortgesetzt.

Bläser der Philharmonie waren maßgeblich an Untersuchungen der Bauhaus-Universität Weimar beteiligt, um den Aerosol-Ausstoß beim Spiel der Instrumente zu ermitteln. Die Vollbremsung, so Huber, und Beschränkungen seien permanent hinterfragt worden, ohne sie infrage zu stellen.

Statt Berlioz die vierte Sinfonie von Tschaikowsky

Die Analyse habe ergeben, dass aus der Trompete außer Tönen so gut wie nichts herauskomme. Das gelte für die meisten Blasinstrumente. Für die Flöte sei ein Schutzmechanismus innerhalb von Sekunden konstruiert worden, der kaum Einschränkungen auf den Klang habe. Hörner blasen in den Rückraum. Die Hornisten sammeln ihren Speichel in doppelten Auffangschalen. Jeder Musiker sei selbst für Reinigung der Instrumente und seines Umfeldes verantwortlich. Das funktioniere tadellos, stellt Huber fest. Mit 1,50 Meter Sicherheitsabstand können 45 Musiker im Probensaal auf der Schönen Aussicht spielen.

Die Begrenzungen haben auch Auswirkungen auf den Spielplan. Zum Auftakt am Donnerstag, 24. September, soll statt der ursprünglich geplanten „Symphonie fantastique“ von Berlioz die vierte Sinfonie von Tschaikowsky erklingen, das mit weniger Streichern. „Was wir sonst nie machen würden“, betont Barchevitch.

Stanfords Konzertstück für Orgel und Orchester ist mit Kantor Theophil Heinke aus Waltershausen als Solisten zu erleben. Im Oktober geben die Philharmoniker mit dem Konzert „Bruromano“ der Komponistin Sylvie Bodorová und den Solisten Miriam Rodriguez Brüllová und Roman Patkoló eine Deutschlandpremiere. Für die Folgemonate liegen je drei Programm-Variationen in der Schublade, um entsprechend reagieren zu können.

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