Gothaer Arzt über das Missverhältnis von Belastung und Beschaffenheit bei Gelenken

Fragen Sie Professor Schunk: Unser Experte erklärt die Ursachen von Beinschmerzen.

Werner Schunk aus Gotha ist Arzt und Autor.

Werner Schunk aus Gotha ist Arzt und Autor.

Foto: Claudia Klinger

Schmerzen, die von der Wirbelsäule in die Beine ziehen, werden beim Kreuzschmerz und beim Hexenschuss behandelt. Bei dieser Symptomatik sind die Beine selbst die Ursache für die Störungen. Die stärksten Schmerzen gehen von den Knie-, Hüft- und Sprunggelenken aus.

Eine sogenannte Arthropathie ist stets Ausdruck des Missverhältnisses von Belastung und Belastbarkeit oder Beanspruchung und Beschaffenheit des jeweiligen Gelenkes. Daraus resultieren in erster Linie degenerative und entzündliche Veränderungen in den Gelenken. Die entzündlichen können akut (Arthritis) und chronisch (Arthrose) verlaufen.

Infektiöse und autoimmunologische Prozesse bilden in den meisten Fällen den Hintergrund für die vielfältigen Erscheinungen des rheumatischen Formenkreises. Die degenerative Veränderungen haben ihre Ursache in der Regel in Fehlstellungen der Gelenke, Fehlhaltungen, Überlastungen wie etwa bei Übergewicht sowie funktionellen Überforderungen in Sport und Freizeit oder bei der Arbeit, in hormonellen Stoffwechselstörungen wie bei der Gicht.

Zuerst konservative Maßnahmen in der Therapie

Daraus entstehen die typischen Schmerzen. Das sind vor allem Anlauf-, Bewegungs-, Belastungs-, Ermüdungs- und Endphasenschmerz. Später treten Schmerzen auch in Ruhe, etwa während der Nacht, auf und sind verbunden mit Schwellungen, Reiben und Knirschen sowie Einschränkungen der Bewegungsmöglichkeiten.

Bei der Planung einer Therapie werden zuerst konservative Maßnahmen empfohlen, die entlasten und entspannen sollen zugleich aber auch die Durchblutung und den Stoffwechsel fördern. Das sind leichte Bewegungen ohne Belastung, Krankengymnastik, Wärme in jeder Form als Bad, Moorpackung, Einreibung, Massage, Elektrobehandlung, auch Akupunktur und Neuraltherapie.

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt, Orthopäde, Neurologe und Internist bietet sich an, weil die funktionelle Einheit zwischen Nerv, Muskel, Knochen und Gelenk (Neuro-Orthopädie) im Vordergrund steht. Bei chronischen Schmerzen leidet immer auch die Psyche mit.