Gothaer Stadtschreiberin erfährt die Residenzstadt

Gotha  Stadtschreiberin Birgit Ebbert entdeckt den Tierpark Gotha, lernt auch noch etwas dazu und freut sich auf den kommenden Bastelnachmittag.

Birgit Ebbert

Birgit Ebbert

Foto: Wieland Fischer

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ganz oben der Liste der Orte, die ich mir in Gotha unbedingt ansehen wollte, stand von Anfang an der Tierpark. Nicht, dass wir im Ruhrgebiet nicht auch sehr schöne Zoos und Tierparks hätten, aber die sind nicht mit einem gemütlichen Spaziergang zu erreichen.

An einem Sonntag habe ich mich also mit meiner Kamera auf den Weg gemacht, um tierische Schnappschüsse zu sammeln. Ob Tiger oder Wildschwein, Braunbär oder Schneeeule, Wolf oder Schildkröte, alle haben mir brav Modell gestanden – Elefant und Nilpferd aus Stein natürlich auch. Der Tierpark hat mich an die Zoobesuche meiner Kindheit erinnert, als noch die Tiere und nicht Action, die urwüchsige Natur und nicht Hightech wichtig waren. Genau das, so habe ich aus Gesprächen mit Besuchsfamilien herausgehört, ist es, was diese am Gothaer Tierpark fasziniert. Und irgendwie rechnet man ja doch auch damit, dass gleich der Herzog mit seinem Gefolge um die Ecke kommt, um seine Tiere zu besichtigen.

Ich war also schon begeistert von dem Areal, ehe ich vom Förderverein Tierpark Gotha gefragt wurde, ob ich Lust hätte, in den Sommerferien für Kinder etwas anzubieten. Die Gelegenheit habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Ich hätte gerne etwas vorgelesen, aber die Geräusch-Konkurrenz ist zu groß. Da krächzen Vögel aus den Bäumen, Schweine grunzen und zwischendurch ruft jemand: „Huch!“, weil der Pfau mitten durch die Besucher stolziert. Nicht zu vergessen das Pferdegeklapper, wenn die Kutsche ihre Sightseeing-Runde absolviert.

Also habe ich angeboten, Papiertiere zu falten. Dabei hatte ich nicht bedacht, dass Gothaer Kinder sehr ausdauernd sind und Touristenkinder ebenfalls. Manche Kinder haben alle Tiere gefaltet, die ich vorbereitet hatte, und weil ihnen das nicht reichte, haben sie mir allerlei Faltmodelle beigebracht. Daher weiß ich jetzt, dass meine „Himmel- & Hölle“-Faltung hier „Nasenzwicker“ heißt.

Es blieb auch Zeit, Erdmännchen zu beobachten. Dabei habe ich festgestellt, dass sie im Sitzen genauso aussehen wie wir beim Fernsehen auf der Couch. Mit den Stachelschweinen bin ich fast schon auf Tuchfühlung gegangen, denn am ersten Faltnachmittag tauchten sie unversehens direkt neben mir auf. Auf Augenhöhe, weil ihre Knabbereien erhöht lagen, wie auf einem Tisch eben. Sie haben sich an mir und den Besuchern aber ebenso wenig gestört wie der Pfau, der um unsere Basteltische herumscharwenzelte.

Kaum hatten wir ihm den Rücken zugekehrt, saß er auf einem Tisch und schaute sich die Welt von oben an. Am zweiten Faltnachmittag gab es neue Nachbarn, Schafe und Ziegen, von denen eine ausdauernd meckerte, sodass selbst die Kinder fanden: „Jetzt reicht’s.“

Ich habe das irgendwann nicht mehr gehört, sondern gefaltet und dabei über eine Geschichte nachgedacht, in der ein Tierparkbesucher eine Ziege zum Schweigen bringt. Mit Leckereien natürlich, was dachten Sie denn? Ich bin gespannt, was mich am Mittwoch erwartet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren