Gothaer Unternehmer sucht verbündete für die Produktion

Gotha  Vier Unternehmen unterzeichnen in Gotha einen Kooperationsvertrag für das erste Thüringer Produktionsnetzwerk.

Von links: Tobias Bonsack, Jörg Hoffmann, Roger Steiner und Ralf-Peter Kroschel unterzeichnen den Kooperationsvertrag für das Produktionsnetzwerk.

Von links: Tobias Bonsack, Jörg Hoffmann, Roger Steiner und Ralf-Peter Kroschel unterzeichnen den Kooperationsvertrag für das Produktionsnetzwerk.

Foto: Maria Hochberg

Bei gleichmäßiger Auslastung arbeiten Unternehmen am effizientesten. Verzögerungen bei der Auslieferung oder eine zu geringe Auftragslage gilt es zu vermeiden.

Doch die Realität sieht insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben oft anders aus, weiß Maxim Reimche vom Fachgebiet Fertigungstechnik der Technischen Universität Ilmenau: „Solche Unternehmen sind an sich sehr flexibel, doch bei plötzlichen Schwankungen in der Auftragslage oft nicht anpassungsfähig.“

Kurzfristige Veränderungen in der Produktion würden viel Zeit und Geld kosten und sich dementsprechend negativ auf die Wirtschaftlichkeit auswirken.Um dieses Praxisproblem gemeinsam anzugehen, unterzeichneten die Geschäftsführer der Firmen IWB Industrietechnik GmbH aus Gotha, Bonsack Präzisionstechnik GmbH aus Brotterode, Sczesny Werkzeugbau GmbH aus Jena und Noblex GmbH aus Eisfeld am Mittwoch in Gotha einen Kooperationsvertrag für das erste Thüringer Produktionsnetzwerk. Grundlage dafür ist das Projekt „AgiPro“ der Technischen Universität Ilmenau. In dessen Rahmen wurde ein mathematisches Modell entwickelt, mit dessen Hilfe laut Reimche im Fall kurzfristiger Planungsänderungen Abweichungen von der kostenoptimalen Produktion in Echtzeit bemessen werden könnten. So würden die Unternehmen unmittelbar Auskunft über veränderte Produktionskosten erhalten und könnten auch dem Kunden gegenüber präzise Aussagen zu Liefertermin und Zusatzkosten machen.

Das Thüringer Produktionsnetzwerk nutzt dieses Modell, um Engpässen in der Produktion und Auslieferung unter Nutzung digitaler Technologien gemeinsam entgegenzuwirken. Das soll nicht nur zu einer Leistungsstabilität, sondern im besten Fall auch zu einer Leistungserhöhung der beteiligten Unternehmen führen, die in einem sogenannten Peer-to-Peer-Netz zusammengeschlossen sind: „Das Produktionsnetzwerk ist dementsprechend keine starre Plattform mit einer zentralen Führung, sondern ein dynamischer, bedarfs- und ereignisorientierter Verbund gleichberechtigter Partner, die sich gegenseitig unterstützen und in ständigem Erfahrungsaustausch miteinander stehen“, so Reimche.

Roger Steiner, Geschäftsführer der Noblex GmbH, sieht im Kooperationsvertrag die Chance für eine neue Ebene der Zusammenarbeit: „Die Agilität und Dynamik aller Beteiligten wird erhöht. Gleichzeitig kann Konkurrenzdenken vermieden werden, da die beteiligten Firmen gleichermaßen davon profitieren.“

Noch steht das Thüringer Produktionsnetzwerk mit vier mitwirkenden Unternehmen ganz am Anfang. Reimche ist sich jedoch sicher, dass in Zukunft weitere Betriebe das Potenzial dieser Art der Zusammenarbeit erkennen und sich der Kooperation anschließen: „Das Netzwerk wird sich schrittweise aufbauen und erweitern. So können alle gemeinsam zu einer Stärkung des Wirtschaftsstandortes Thüringen beitragen.“

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